Bildmontage: Karsten Schmitt vor dem Klinikum Saarbrücken (Foto: Klinikum Saarbrücken gGmbH)

Intensivpfleger berichtet vom täglichen Kampf gegen Corona

Axel Wagner   10.12.2021 | 16:49 Uhr

Die vierte Coronawelle kommt zunehmend in den Kliniken an. Was das für die Klinikmitarbeiter - aber inbesondere auch für die Patienten bedeutet, lässt sich eindrücklich in dem Coronatagebuch des Saarbrücker Intensivpflegers Karsten Schmitt nacherleben.

„Herr E. aus Baden-Württemberg ist heute Nacht an Multiorganversagen verstorben, das CT-Bild von vor ein paar Tagen zeigt eine deutlich durch Covid veränderte Lunge, die mit dem Leben nicht mehr zu vereinbaren war“, schreibt Karsten Schmitt am 30. November. Der pflegerische Leiter der Intensivstation 43 auf dem Saarbrücker Winterberg führt seit Anfang November ein öffentliches Corona-Tagebuch.

Video [aktueller bericht, 10.12.2021, Länge: 4:44 Min.]
Schmitt: „ Die Herausforderung ist das schwere Krankheitsbild“

Drastische Schilderungen

Es gebe in der Bevölkerung ein großes Interesse an dem, was „hinter den Krankenhausmauern passiert“, sagte Klinik-Pressesprecherin Kristin Schäfer dem SR. Dem will das Krankenhaus mit dem Corona-Tagebuch nachkommen. Die Schilderung darin sind teils drastisch:

Mona Fröhlich und Karsten Schmitt über ihre Arbeit auf der Intensivstation
Audio [SR 3, Interview: Simin Sadeghi, 12.12.2021, Länge: 11:50 Min.]
Mona Fröhlich und Karsten Schmitt über ihre Arbeit auf der Intensivstation

„Heute hat sich Herr J. weiter verschlechtert. Seine Lunge kann kaum noch ausreichend den Körper mit Sauerstoff versorgen, es droht der Ausfall mehrerer Organe. Es fällt die Entscheidung, dass wir Herrn J. an die ECMO anhängen (künstliche Lunge, Anm. d. Red.) Die Sauerstoffsättigung steigt nach der ECMO-Anlage erfreulicherweise sofort an. In der Nacht jedoch werden die Nierenwerte von Herrn J. schlechter, sodass er auch an eine Dialysemaschine angeschlossen werden muss.“
(Aus dem Eintrag vom 16.11.)

Belastung für Mitarbeiter

Einzig die Namen der Patienten fehlen aus Datenschutzgründen, die Anfangsbuchstaben wurden willkürlich vergeben. Der Rest zeigt ungeschönt den Alltag auf der Intensivstation 43.

„Herr O. ist tracheotomiert (Luftröhrenschnitt, Anm. d. Red.) und kann weiter langsam von der Beatmung entwöhnt werden, allerdings hat er weiter schlechte Nierenwerte, die Dialyse wird er so schnell nicht los.“
(Aus dem Eintrag vom 7.12.)

„Ich möchte deutlich machen, dass dies kein Job wie jeder andere ist, den man einfach abarbeitet“, so Karsten Schmitt. „Der Job ist viel mehr, und er bringt ganz viele Emotionen: Empathie, Wut, Traurigkeit und auch mal Freude.“

Gestartet ist das Corona-Tagebuch am 8. November. Es soll regelmäßig durch neue Einträge aktualisiert werden. Zu finden ist es auf der Internetseite des Winterbergs.

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