Rheinland-Pfalz, Hahnweiler: Der abgebrochene Flügel eines Windrades ist während des Sturmtiefs Bennet auf dem Boden zu sehen.  (Foto: picture alliance/Thomas Frey/dpa)

Wer kontrolliert die Windräder?

Thomas Braun   11.03.2019 | 18:27 Uhr

Am Rosenmontag ist in Gimbweiler an der A62 ein Windrad - vermutlich durch einen Blitzeinschlag - zerstört worden. Die FDP erneuerte infolge des Vorfalls ihre Forderung nach einer "TÜV-Pflicht" für Windräder, die AfD hat das Thema auf die Tagesordnung der kommenden Landtagssitzung gehievt. Aber wie wird die Sicherheit der Anlagen eigentlich gewährleistet? Wir haben nachgefragt.

Rund 200 Windräder sind im Saarland nach Angaben des Bundesverbandes Windenergie (BWE) derzeit in Betrieb. Für deren Sicherheit ist zunächst einmal der Betreiber zuständig. Alle zwei beziehungsweise vier Jahre muss er die Anlage einer sogenannten "wiederkehrenden Prüfung" unterziehen lassen. Diese Prüfung wird laut BWE von einem unabhängigen Sachverständigen durchgeführt, der im Auftrag des Anlagenbetreibers ein Gutachten erstellt.

„Kompetenzwirrwarr“ bei den Behörden

Für den saarländischen FDP-Bundestagsabgeordneten Oliver Luksic stellt genau das ein Problem dar. "Der Grundsatz muss sein, dass eine Industrieanlage von unabhängigen Dritten überprüft wird und man sich nicht selbst überprüfen kann."

Video [aktueller bericht, 11.03.2019, Länge: 3:22 Min.]
Sicherheitskontrollen bei Windrädern

Zumal momentan zumindest im Saarland wohl etwas unklar ist, welche Behörde diese Prüfberichte der Gutachter überhaupt zu Gesicht bekommt und gegebenenfalls Konsequenzen ziehen könnte. In erster Stellungnahme verwies das saarländische Umweltministerium auf die Zuständigkeit der jeweiligen Unteren Bauaufsicht (UBA). Im Landkreis Merzig-Wadern, wo besonders viele saarländische Windräder stehen, hat man solche Prüfberichte allerdings noch nie gesehen. "Die UBA führt keine bautechnischen Kontrollen durch. Und wir bekommen auch keine Prüfberichte vorgelegt", teilte ein Sprecher mit. Noch einmal nachgehakt beim Umweltministerium heißt es nun, dass offenbar doch das Landesamt für Umweltschutz (LUA) als Genehmigungsbehörde die Berichte erhält.

Luksic fordert „TÜV-Pflicht“

Braucht es TÜV-Kontrollen für Windräder?
Audio [SR 3, Studiogespräch: Renate Wanninger / Steffani Balle, 11.03.2019, Länge: 03:09 Min.]
Braucht es TÜV-Kontrollen für Windräder?

Für Luksic ein "Kompetenzwirrwarr". Er fordert eine deutschlandweite Lösung: "Generell wäre es am sinnvollsten, man würde das Bundesrecht auch bundeseinheitlich auslegen und eine bundesweite TÜV-Pflicht für Anlagen einführen."

Auch der Fraktionschef der SPD im Saar-Landtag, Stefan Pauluhn, spricht sich dafür aus, die aktuelle Praxis noch einmal zu überdenken. "Da muss man sich auch die Frage stellen, ob solche Anlagen regelmäßiger überprüft werden müssen. Dafür wäre ich auch." Auch die AfD kritisiert die Sicherheit solcher Anlagen.

CDU: Ein Stück weit auf die Betreiber verlassen

Die CDU-Fraktion hält die bisherige Praxis hingegen für ausreichend: "Der Betreiber ist ja für diese Dinge zuständig", sagt der Abgeordnete Hermann-Josef Scharf. Am Beispiel Freisen habe er sich das selbst schon zeigen lassen. "Das läuft dort alles sehr ordnungsgemäß, so dass man sich auf die Betreiber dort auch ein Stück weit verlassen kann."

Bislang keine Windrad-Havarie im Saarland

Tatsächlich sind im Saarland laut Umweltministerium bislang keine Havarien von Windrädern bekannt. Wie viele Fälle es bundesweit gibt, liegt etwas im Nebel. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Die private Initiative Vernunftkraft hat aus Presseberichten zwischen 15 und 30 Fällen pro Jahr zusammengetragen, der TÜV-Verband geht von rund 50 Fällen aus. Angesichts der 30.000 Windkraftanlagen, die deutschlandweit im Betrieb sind, bewegt sich die Zahl der Zwischenfälle damit aber offenbar im Promillebereich.

Das an Rosenmontag an der A62 havarierte Windrad war laut dem Betreiber GERES übrigens ordnungsgemäß gewartet und geprüft worden. Die genaue Schadensursache ist noch unklar - momentan deutet aber alles auf einen Blitzeinschlag hin.

Havariertes Windrad: Blitzeinschlag als wahrscheinlichste Ursache

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