Windkraftanlage auf einem Feld (Foto: IMAGO / penofoto)

Windkraft-Ausbau im Saarland auf der Bremse

Kai Forst   22.12.2021 | 14:42 Uhr

Eigentlich sollte der Ausbau der Erneuerbaren Energien im Saarland voranschreiten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Im Fall der Windenergie ist der Ausbau sogar deutlich gebremst, wie aktuelle Zahlen der Bundesnetzagentur belegen. Auch zwischen SPD und CDU im Saarland herrscht bei dem Thema keine Einigkeit.

Auf dem Papier sieht der im September von der Landesregierung veröffentlichte sogenannte Energiefahrplan gut aus. Bis zum Jahr 2030 soll demnach der Anteil der Erneuerbaren Energien am durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch auf 40 Prozent erhöht werden. Im Vordergrund steht bei den Plänen laut Landesregierung dabei auch die Windkraft. So sollen die potenziellen Flächen für Windkraftanlagen im Land verdoppelt und damit die Anzahl der Anlagen erhöht werden.

Zwei Anlagen in Betrieb genommen

Doch ein Blick auf die aktuelle Situation scheint diese Ziele in weite Ferne rücken zu lassen. Wie aus Zahlen der Bundesnetzagentur hervorgeht, sind im Saarland 2021 gerade einmal zwei Windkraftanlagen mit einer Leistung von 6,6 Megawatt in Betrieb genommen worden. Kein guter Wert mit Blick auf die ambitioniert geäußerten Ziele der Landesregierung.

Klar ist allerdings auch, dass der Windkraftausbau in ganz Deutschland ins Stocken geraten ist. Mit Blick auf die Anzahl der Windräder bezogen auf die Gesamtfläche schneiden Bayern und Baden-Württemberg sogar noch wesentlich schlechter ab. Rein rechnerisch stehen dort auf einem Quadratkilometer gerade einmal 0,02 Windräder. Im Saarland sind es 0,08.

Derzeit 210 Anlagen im Saarland

Aktuell stehen im Saarland 210 Anlagen mit einer Energieleistung von rund 508 Megawatt. Das saarländische Wirtschaftsministerium teilte dem SR auf Anfrage mit, dass zusätzlich zu zwei in Betrieb genommenen Anlagen im laufenden Jahr 2021 noch drei weitere an den Start gehen sollen. Ob das tatsächlich klappt, scheint zumindest ambitioniert. 2022 sollen zudem fünf weitere Windkraftanlagen den Betrieb aufnehmen.

Klar ist: Das Saarland hat mit seiner insgesamt geringen Fläche und der eher hohen Bevölkerungsdichte nicht die optimalen Voraussetzungen für große Windparks wie sie im Norden Deutschlands zu finden sind. Zudem, so ein Ministeriumssprecher, habe 2020 die Hängepartie um eine zukünftige Abstandsregelung für Unsicherheit gesorgt.

Erst als sich der Bund gegen eine 1000-Meter Abstandsregelung entschieden habe, hätten im Saarland die Planungen wiederaufgenommen werden können. "Dies führte zu einer weiteren Zeitlücke, da vor der Antragsstellung erst einmal beispielsweise Flächenakquise betrieben werden muss."

"Ein Nullsummenspiel"

Der Bundesverband Windenergie (BWE) bescheinigt dem Saarland in Sachen Energiewende dennoch „ein Nullsummenspiel“. Sollten die Ziele der Landesregierung nur ansatzweise realisiert werden, „muss die Energiewende im Saarland in den nächsten Jahren an Dynamik gewinnen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des BWE-Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland, Henry Selzer.

Würde eine Verdopplung der Windenergie angestrebt, müssten laut Berechnungen des BWE ab dem kommenden Jahr rund 56,5 Megawatt jährlich dazu gebaut werden. „Das entspricht einer Inbetriebnahme von rund 15 modernen, leistungsstarken Anlagen, die heute in Mittelgebirgsregionen rund 4-5 Megawatt Leistung produzieren können“, heißt es.

Das Ministerium stützt sich bei seinen Plänen bis 2030 auf eine externe Studie. Mit einer Verdopplung des Planflächenangebots und dem so genannten Repowering – also dem Ersatz alter Anlagen durch neue, leistungsstarke Anlagen, soll das gelingen. Dadurch soll der Ausbau der Windenergie bis 2030 auf 1000 MW Leistung und um rund 1100 GWh erhöht werden. Mit Blick auf die aktuellen
Ausbaugeschwindigkeit erscheint das allerdings wie ein nahezu utopisches Unterfangen.

Kein Konsens in der GroKo

Zudem herrscht in Sachen Windkraft keine einheitliche Linie innerhalb beiden Regierungsparteien. Während das SPD-geführte Wirtschaftsministerium unter Anke Rehlinger die Windkraft vorantreiben will, steht die CDU dem Thema weitaus weniger aufgeschlossen gegenüber.

So sieht der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion, Stefan Thielen, die Möglichkeiten für den Ausbau von Windkraft im Saarland bereits als erschöpft an. Er bezeichnete den Energiefahrplan des Saar-Wirtschafts-Ministeriums sogar als nicht zielführend und nicht umsetzbar.

In einer hitzigen Landtagsdebatte hatte sich Thielen im September schließlich dagegen ausgesprochen, den Windkraftausbau im Saarland voranzutreiben.

Kaum Unterstützung der Kommunen

Anhand dieser politischen Uneinigkeit innerhalb der Großen Koalition verwundert der Vorwurf des Bundesverbandes Windenergie kaum: Es fehle vor allem an der nötigen Unterstützung der Kommunen durch die Landesregierung.

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 22.12.2021 berichtet.

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