Eine Heizung wird während der Dämmerung in einem Zimmer beleuchtet.  (Foto: IMAGO / photothek)

Wieviel Energieersparnis bringt Homeoffice?

Kai Forst   09.10.2022 | 11:37 Uhr

Der Winter steht vor der Tür und die Energiepreise sind weiter im Höhenflug. Es muss also Energie gespart werden. Aber wie? Kann Homeoffice dazu beitragen, dass Deutschland weniger Strom und Gas verbraucht?

Sparen in der Energiekrise: Das ist eine der großen Herausforderungen, denen sich Deutschland stellen muss. Denn die Preise für Strom und Gas sind hoch und werden perspektivisch weiter steigen. Die Folge: Verbraucher und Unternehmen werden sehr viel tiefer in die Tasche greifen müssen.

Zuletzt wurde daher immer wieder das Thema Homeoffice ins Spiel gebracht – auch von der Politik. Doch wird durch das Arbeiten zu Hause tatsächlich Energie gespart? Für Professor Rudolf Friedrich von der Hochschule Technik und Wissenschaft in Saarbrücken kommt es bei dieser Frage auf den Blickwinkel an. Rede man vom Raumwärmebedarf, also zum Beispiel dem Heizen mit Gas, halte sich der Spareffekt in Grenzen.

"Ein Nullsummenspiel"

Denn wenn eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer in seinem Büro am Arbeitsplatz die Heizung ausstelle und stattdessen zu Hause das Arbeits- oder sogar das Wohnzimmer heize, würde wenig gespart. „Heißt: Beim Raumwärmebedarf sehe ich eher ein Nullsummenspiel, wenn es um Sparen durch Homeoffice geht.“

Sparen durch weniger Pendler

Echte Einsparungen sieht der Energieexperte hingegen beim Pendlerverkehr und macht es an einem Rechenbeispiel deutlich. In Deutschland pendelten rund 20 Millionen Menschen zu ihrem Arbeitsplatz und legten dabei im Durchschnitt rund 18 Kilometer zurück. Davon nutzten etwa 67 Prozent das Auto, so Friedrich.

„Wenn wir – basierend auf Pandemiezahlen –  davon ausgehen, dass 25 Prozent davon für einen Tag in der Woche im Homeoffice arbeiten würden, dann hätten wir umgerechnet eine Ersparnis von 200 Millionen Liter Treibstoff im Jahr. Das entspricht etwa 540.000 Tonnen Treibhausgas, die eingespart werden könnten.“

Ähnlich sehen es auch andere Experten wie Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsförderung. Auch sie stellte vor allem die wegfallenden Energiekosten für den Transport zum Arbeitsplatz in den Fokus.

Homeoffice muss einvernehmlich sein

Ob Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im anstehenden Winter aus Spargründen verstärkt im Homeoffice arbeiten oder nicht, muss letztlich mit den Arbeitgebern verhandelt und abgesprochen werden. In jedem Fall ist das Arbeiten in den eigenen vier Wänden nur einvernehmlich möglich und kann nicht von Arbeitgebern angeordnet werden.

Corona hat Homeoffice etabliert

Allerdings hat sich in der Pandemie gezeigt, dass sich Homeoffice in Deutschland unabhängig von Pauschalen und Sparpotenzialen längst etabliert hat. Das machte jüngst eine Umfrage des ifo-Instituts deutlich. Demnach wird inzwischen hierzulande 1,4 Tage pro Woche zu Hause gearbeitet.

Corona hat also die Arbeitsbedingungen dauerhaft stark verändert. Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen in Deutschland wird Homeoffice dann wohl auf jeden Fall schon bald wieder eine weitaus größere Rolle einnehmen.


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