Eine ältere Frau wird gegen Covid-19 geimpft. (Foto: picture alliance/dpa | Felix Kästle)

Wie sicher sind die Corona-Impfstoffe?

Melina Miller   15.01.2021 | 12:20 Uhr

Zwei Impfstoffe gegen das Coronavirus sind in der EU bereits zugelassen, ein dritter steht in den Startlöchern. Viele Menschen sind weiterhin skeptisch gegenüber der Coronaschutzimpfung und verweisen vor allem auf fehlende Langzeitstudien. Experten erklären, warum das Risiko für sogenannte Spätfolgen dennoch sehr gering ist.

Seit dem 27. Dezember wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. 13.301 Menschen im Saarland haben nach Angaben der Regierung bisher eine Impfung erhalten (Stand 14.01.2021). Dass die neuartigen Impfstoffe in einem beeindruckenden Tempo entwickelt wurden, tue ihrer Sicherheit keinen Abbruch, betonen die beteiligten Forscher, Unternehmen und Zulassungsbehörden immer wieder. Die schnelle Entwicklung beruhe auf einer Vielzahl an Faktoren, es seien aber keine wichtigen Forschungsschritte ausgelassen worden. Langzeitfolgen sind schon allein aufgrund der Beschaffenheit des Impfstoffs sehr unrealistisch, sind sich Experten einig.

Wirkstoff wird schnell abgebaut

"Ich sehe keine relevante Gefahr für schädigende Langzeitfolgen für die Geimpften. Der Wirkstoff selbst ist nicht stabil und wird im Körper schnell abgebaut", sagt Alexandra K. Kiemer, Professorin für pharmazeutische Biologie an der Universität des Saarlandes. Erwiesen seien dagegen die Langzeitfolgen, die durch die Erkrankung an dem Coronavirus selbst auftreten - auch bei milden Krankheitsverläufen. Darauf weist auch die Ständige Impfkommission (Stiko) hin, die für die Impfempfehlungen in Deutschland zuständig ist. Eine genaue Auflistung der Risiken durch das Virus kann in einem "Epidemiologischen Bulletin" der Stiko nachgelesen werden.

Ähnlich wie Kiemer sieht auch Petra Falb keine Gefahr, dass der Impfstoff negative Langzeiteffekte mit sich bringen könnte. Sie ist Gutachterin in der Zulassung für Impfstoffe beim österreichischen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen und macht auf ihrem Blog auf die missverständliche Verwendung des Wortes "Spätfolgen" aufmerksam. Bei einem Impfstoff gebe es schon aus biologischen Gründen keine Spätnebenwirkungen, die fünf Jahre nach der Impfung plötzlich auftreten würden, erklärt sie.

Impfstoff wird nicht verstoffwechselt

Das liege an der Beschaffenheit und Wirkungsweise eines Impfstoffs, der - anders als bei üblichen Medikamenten - nicht durch den Organismus wandere. Von klassischen Pharmazeutika habe man zu verschiedenen Zeitpunkten verschiedene Konzentrationen im Körper, die sich bei längerer Therapie anreichern könnten, abgebaut würden, in der Leber metabolisiert und über die Nieren ausgeschieden würden. Diesen Prozess nennt man Pharmakokinetik. "Ein Impfstoff hat keine Pharmakokinetik, da hier nichts verstoffwechselt wird", sagt Falb. Da ein Impfstoff niemals dauerhaft eingesetzt wird, sondern meist nur einmal oder maximal zwei- bis dreimal im Rahmen einer Grundimmunisierung gespritzt wird, kann sich laut Falb im Körper nichts davon anreichern.

Langzeitdaten zur Impfung werden dennoch benötigt. Allerdings nicht, weil Nebenwirkungen noch lange Zeit nach der eigentlichen Impfung auftreten könnten, sondern weil nur so sehr seltene Nebenwirkungen überhaupt erkannt werden könnten - denn dafür müsse eine ausreichende Menge an Menschen geimpft worden sein. Diese Langzeitbeobachtung findet laut Falb grundsätzlich und für alle Arzneimittel gleichermaßen erst nach der Zulassung statt.

Kurzzeitige Nebenwirkungen geprüft

Typische, kurzzeitige Nebenwirkungen durch die Coronaschutzimpfung sind allerdings möglich - wie bei anderen Impfungen auch. Dazu zählen zum Beispiel Schmerzen rund um die Einstichstelle, Kopfschmerzen oder Fieber. Diese Symptome seien zeitnah - Stunden oder wenige Tage nach der Impfung - zu erwarten, so Falb. Sie seien ein Anzeichen für die gewünschte Aktivierung der Immunantwort, erklärt Alexandra K. Kiemer.

Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), zuständig für die Arzneimittelsicherheit in Deutschland, betont, dass die Erfahrungen mit vielen Impfstoffen über viele Jahre haben gezeigt haben, dass die meisten Nebenwirkungen kurze Zeit nach der Impfung auftreten würden. Diese seien durch die klinischen Prüfungen der Impfstoffe an den zahlreichen Studienteilnehmern gründlich überprüft worden.

Erfassung in Sicherheitsbericht

Die Überwachung der gemeldeten Verdachtsfälle nach einer Corona-Impfung decke sich bisher mit den Daten aus den klinischen Zulassungsstudien, teilte das Paul-Ehrlich-Institut am Donnerstag mit. Seit Beginn der Impfkampagne seien dem PEI deutschlandweit 325 Verdachtsfälle nach einer Impfung gemeldet worden, 51 davon seien als schwerwiegend einzuschätzen. Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Impfung sei nicht belegt.

Außerdem wurden dem PEI bisher zehn Todesfälle nach einer Impfung gemeldet. Die Fachbehörde geht aber nicht davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen dem Tod und den Impfungen besteht. Bei sieben der zehn Personen habe es sich um Patienten im Alter zwischen 79 und 93 Jahren mit schwerwiegenden Grunderkrankungen wie Krebs oder Demenz gehandelt, die vermutlich todesursächlich gewesen seien. Der Zeitpunkt des Todes lag bei ihnen zwischen zweieinhalb Stunden und vier Tagen nach der Impfung. Über die drei weiteren Meldefälle lagen zunächst noch keine genaueren Informationen vor.

Weitere Details veröffentlicht das PEI regelmäßig in einem Sicherheitsbericht, der auf der Seite des Instituts abrufbar ist.

Gefahr für Allergiker?

Bisher gebe es auch keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen, teilte das PEI mit. In dem erfassten Zeitraum wurden dem Institut 17 Fälle von allergischen Symptomen gemeldet, in sechs dieser Fälle seien die anaphylaktischen Reaktionen ursächlich auf die Impfung zurückzuführen. Die Nebenwirkungen seien aber als "mild bis moderat" zu bezeichnen. Sie träten vorübergehend auf und hinterließen keine Schäden.

Die Angst vor starken allergischen Reaktionen hält auch die Pharmazie-Expertin Kiemer in weiten Teilen für unbegründet. Zwar habe sich nach der Impfung Hunderttausender Menschen in England gezeigt, dass es bei der Corona-Impfung für einige wenige Allergiker eine gewisse Gefahr gebe, anaphylaktische Schocks zu entwickeln. Dieses Risiko zeige sich nach aktueller Datenlage aber nur bei Personen, die Überempfindlichkeiten gegen bekannte Inhaltsstoffe des Impfstoffs aufweisen und/oder bei denen in der Vergangenheit bereits allergische Reaktionen bei Impfungen aufgetreten waren.

"Da solche Reaktionen sehr selten und wenn dann sehr schnell im Anschluss an die Impfung auftreten, müssen ja auch alle Geimpften unmittelbar nach der Impfung noch mindestens 15 Minuten unter Beobachtung bleiben", erklärt Kiemer. Eine gewöhnliche Allergie wie ein Heuschnupfen stelle nach aktuellem Wissensstand also kein Grund dar, weshalb man nicht geimpft werden könne.

Empfehlung der Stiko

Ähnlich äußert sich auch die Ständige Impfkommission in ihrer aktualisierten Impfempfehlung. Ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Reaktionen sei nach derzeitiger Datenlage nicht anzunehmen, sofern keine spezielle Allergie gegen einen Inhaltsstoff der jeweiligen Impfung vorliege. In der Empfehlung geht die Stiko auch noch einmal ausführlich auf die Studiendaten zu den bislang zugelassenen Impfstoffen ein.


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