Europagalerie Saarbrücken (Foto: IMAGO / Zoonar)

Wie Shoppingcenter im Saarland sich neu erfinden

Sarah Sassou   26.05.2022 | 09:20 Uhr

In der Europa-Galerie Saarbrücken und im Saarpark Center in Neunkirchen stehen einige Läden leer. Eine Folge der Corona-Pandemie, sagen die Betreiber. Sie arbeiten jetzt neue Ideen aus, um wieder mehr Kundschaft in die Shoppingcenter zu ziehen.

Die Corona-Pandemie hat Teile des Einzelhandels in eine Krise gestürzt. Immer wieder mussten sich die Händler neu erfinden. Dafür sorgten Lockdowns und Hygieneauflagen. Nun kommen auch noch Lieferengpässe hinzu und die Kundschaft kehrt nur sehr zögerlich in den stationären Handel zurück.

Hinzu kommt, dass einige Geschäfte aufgeben mussten. Das spüren auch die Einkaufscenter. Eigentlich setzen sie auf Shoppingerlebnisse, doch es ist kaum noch etwas wie früher. Die Manager stellen sich nun die Frage, was sie tun können, um sowohl Kundschaft als auch neue Mieter in die Shoppingmalls zu ziehen.

Leerstand in der Europa-Galerie

In der Europa-Galerie in Saarbrücken stehen auf den drei Etagen derzeit 37 der 110 Shops leer. Center-Manager Dennis Bastuck bleibt trotzdem positiv. „Das bedeutet, dass 75 Prozent der Verkaufsfläche belegt ist.“

Dennoch sei es eine Herausforderung, die Shoppingmall wieder auf Kurs zu bringen, „und ich scheue diese Herausforderung nicht.“ Erst im März hatte er die Stelle als Chef der Europa-Galerie angetreten. Nun soll sich dort etwas ändern.

Die Pandemie hat das Kundenverhalten verändert, zeigen Branchenuntersuchungen. Deswegen hat auch der neue Betreiber der Shoppingmall, Sonae Sierra, die Kunden nach deren Wünschen befragt, um zu erfahren, in welche Richtung die Umstrukturierung des Einkaufscenters gehen soll.

Franzosen noch nicht vollständig zurück

Denn mit dem Wegfall der strengen Corona-Regeln im Handel ist auch bei den Kunden der Europa-Galerie offenbar die Lust am Shopping wieder da – zumindest teilweise, sagt Bastuck. Vor allem Besucher aus Frankreich kämen noch nicht in der Masse wie vor Corona. Die Händler spürten auch noch immer, dass die Kundschaft zurückhaltend beim Kaufen sei. Nun gehe es darum, die Besucher von früher wieder in die Europa-Galerie zu holen – indem man ihnen ein Einkaufserlebnis bietet.

Die vielen Leerstände sieht Bastuck als Gelegenheit für den Umbau. Nahversorgung mit den Themen „Bio“ und „Nachhaltigkeit“ gehörten genauso dazu wie Fachmärkte und Modeläden. Hinzukommen sollen außerdem ein Ärztezentrum und Freizeitflächen mit beispielsweise Indoor-Spielplätzen.

Man müsse sich eben von der Masse abheben, aber nicht als Konkurrenz zu den Läden in der übrigen Saarbrücker Innenstadt. „Wir sehen uns als Partner des lokalen Einzelhandels. Nur gemeinsam können wir stark sein“, betont Dennis Bastuck seinen Willen zur Kooperation mit den übrigen Gewerbetreibenden.

Die lokalen Anbieter brauche man auch im Shoppingcenter, findet Bastuck. Sie sollen mit den Filialisten einen guten Mix ergeben. Doch die Pandemie hat die Mietpreisstrukturen in der Shoppingcenter-Szene durcheinandergewirbelt. „Uns ist vollkommen bewusst: Preise wie vor Corona sind jetzt nicht mehr unbedingt möglich.“  

Saarpark Center sucht neue Wege

„Die Pandemie war eine große Herausforderung für den Handel, aber wir sind verhältnismäßig gut durchgekommen“, sagt Jens Mieke, Manager des Saarpark Centers in Neunkirchen. Noch immer sei die Kundenfrequenz deutlich niedriger als vor der Pandemie. Aber seit die Beschränkungen im April aufgehoben wurden, ziehe sie wieder deutlich an. Genaue Zahlen könne er nicht nennen.

Der Betreiber des Saarpark Centers, die Hamburger ECE, verdient sein Geld vor allem mit der Vermarktung der Verkaufsfläche. 33.500 Quadratmeter sind es in Neunkirchen, auf denen theoretisch Platz für 115 Shops ist. Zehn Ladenflächen sind nach Miekes Angaben derzeit frei. Es gebe aber bereits viele Anfragen von Händlern, die die Flächen gern übernehmen würden. Man sei im Gespräch, noch gebe es nichts Spruchreifes.

Neue Konzepte auch in Neunkirchen

Um der Kundschaft mehr bieten zu können, sollen nun auch in Neunkirchen neue Konzepte entwickelt werden. „Dabei geht es nicht darum, Flächen zu belegen“, sagt Mieke. Die Kunden lechzten geradezu danach, vor Ort etwas zu erleben. Freunde und Familie treffen, gemeinsam essen, Momente der Geselligkeit in der Öffentlichkeit, die in der Pandemie zurückstehen mussten.

Einen Zeitplan, bis wann die neuen Konzepte stehen sollen, gibt es in Neunkirchen nicht. In der Europa-Galerie sollen die Ergebnisse der Kundenbefragung im Juni vorliegen. Dann können sie laut Management in die Planungen einfließen.  

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