Baustelle eines Neubaus (Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON)

Neubau ist für viele Bauherren im Saarland zu teuer

Sarah Sassou / Onlinefassung: Axel Wagner   23.07.2022 | 12:20 Uhr

Der Traum vom eigenen Haus – davon müssen sich viele Bauwillige im Saarland vorerst verabschieden. Neubauten sind so teuer geworden, dass sich die Finanzierung nicht mehr realisieren lässt, berichten viele Akteure aus der saarländischen Baubranche.

Ein Häuschen im Neubaugebiet, das ist für viele Saarländerinnen und Saarländer ein Ziel im Leben. Doch davon müssen sich einige vorerst verabschieden. Zu viele Hürden sind in den vergangenen Monaten aufgetaucht. Das fängt schon bei der Planung an.

„Saarländische Architektinnen und Architekten spüren, dass private Bauprojekte, insbesondere der Bau von Einfamilienhäusern, stark rückläufig sind“, sagt Alexander Schwehm, der Präsident der Architektenkammer des Saarlandes. „Dies hängt unserer Einschätzung nach vorrangig mit dem starken Anstieg der Zinsen und der Ungewissheit bezüglich der Preissteigerung der Baustoffe zusammen.“

Stark gestiegene Kosten

Innerhalb eines Jahres sind die Kosten für Bauleistungen um 15 Prozent gestiegen, so das Statistische Bundesamt. Hinzu kommen die anhaltenden Lieferprobleme. Die saarländische Architektenschaft setzt nun auf die öffentliche Hand. Man hoffe, dass weiterhin öffentliche Bauprojekte vergeben und die bereits angekündigten Projekte auch realisiert werden.

Bauboom im Saarland verlangsamt sich
Audio [SR 3, Sarah Sassou, 23.07.2022, Länge: 01:01 Min.]
Bauboom im Saarland verlangsamt sich

Auch private Neubauten sind derzeit rückläufig – diese Entwicklung hat der Bauherrenschutzbund festgestellt. Die Organisation hat die Beobachtungen von Bauherrenberatern und Vertrauensanwälten bundesweit zusammengefasst. Die Verunsicherung sei überall spürbar, so die Sachverständigen.

Kaum verbindliche Preisangebote

„Viele Bauprojekte in der Planungsphase sind erst mal auf Eis gelegt worden“, sagt Ralf Baureis, der im Saarland als Bauherrenberater tätig ist. „Das liegt auch daran, dass es derzeit fast nicht möglich ist, verbindliche Preisangebote von Bauunternehmen und Handwerkern einzuholen“, sagt Baureis.

Interview mit dem saarländischen Bauminister Reinhold Jost
"Zuschüsse gibt es nur, wenn wir bauen"
Wer bauen will, der muss im Moment ordentlich was drauflegen: Alles ist teurer geworden, besonders Baumaterialien. Das gilt für Häusle-Bauer genauso wie für Großprojekte wie zum Beispiel die Landes-Polizeischule des Saarlandes. Was also tun? Auf bessere Zeiten warten oder doch lieber schnell loslegen?

Das mache es schwierig, die tatsächlichen Kosten einzuschätzen. Bei Projekten, deren Finanzierung schon stehe oder die bereits begonnen seien, versuchten die Bauherren, sie auch durchzuziehen – trotz gestiegener Kosten –, indem Geld von der Familie aufgetrieben oder die Ausstattung des Neubaus reduziert werde.

Wegfall von Fördermitteln

Eigentlich ist für Bauwillige gerade jetzt die Zeit, in der sie ihre Pläne mit dem Bauunternehmen festzurren, um dann im kommenden Frühjahr die Baustelle einzurichten. Zum Beispiel mit Bauunternehmer Volker Cullmann. Er baut als Generalunternehmer schlüsselfertig – im Jahr 15 bis 18 Wohnhäuser, vor allem Einfamilienhäuser. Doch seine Firma erlebe in diesem Bereich gerade einen drastischen Einbruch, erzählt der Völklinger.

„Die Situation für Neubauten war schon vorher angespannt, weil es im Saarland kaum noch Bauplätze gibt.“ Jetzt kommen neben den enorm gestiegenen Baukosten auch noch die hohen Darlehenszinsen und der Wegfall der staatlichen Fördermittel hinzu. Das schrecke viele potentielle Bauherren ab.

Gasheizung oder Wärmepumpe?

„Wir haben derzeit nur noch ein Viertel der sonst üblichen Neukunden.“ Die Kundinnen und Kunden seien verunsichert, weil sie nicht wüssten, wie sie ihr Haus ausstatten sollten – mit Gasheizung oder Wärmepumpe zum Beispiel. Einige hätten ihr Bauvorhaben auf unbestimmte Zeit verschoben, die Baugenehmigung gilt drei Jahre.

„Wir haben jetzt auch schon Projekte kostengünstiger umplanen müssen, weil die Bauherren die Mehrkosten von bis zu 50.000 Euro nicht hätten stemmen können.“ Sparen lasse sich beispielsweise bei der Technik, wenn auf eine Lüftungsanlage verzichtet werde oder die Energieeffizienz des Gebäudes niedriger ausfalle.

In den vergangenen Jahren sei Bauen so günstig gewesen, dass sich viele großzügige Räume hätten leisten können. „Jetzt wird ein Kinderzimmer dann mal statt 18 nur 15 Quadratmeter groß“, sagt Cullmann.

Anbau statt Neubau

Er ist schon seit 23 Jahren im Geschäft, nun gilt es für den Unternehmer, diese Krise zu überstehen. Eine Lösung hat er schon parat: „Wir müssen uns einfach breiter aufstellen.“ Das bedeutet für ihn, Anbau statt ausschließlich Neubau. Cullmann will auch Dienstleistungen an Altbauten anbieten.

Und dann ist da noch der Bereich Geschossbau. Damit ist der Bau von Mehrfamilienhäusern für private Investoren gemeint. „Hier ist der Markt noch eher da, weil die Kommunen sich dafür einsetzen“, hat Cullmann festgestellt.

500.000 Euro Einfamilienhaus

Dass weniger gebaut wird, deutet sich bereits seit Längerem an. So hat das Statistische Landesamt verzeichnet, dass innerhalb eines Jahres 256 Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt wurden – ein Rückgang von 16,1 Prozent.

Der Preis für ein Einfamilienhaus hat sich innerhalb eines Jahres um 10,2 Prozent auf 380.700 Euro verteuert. Volker Cullmann geht davon aus, dass man für den Neubau eines Einfamilienhauses inklusive Grundstück mittlerweile 500.000 Euro rechnen müsse. Ein Preis, den sich viele in diesen Zeiten nicht leisten können.

Das Saarland als Bundesland mit der höchsten Eigenheimquote ist also in Gefahr? Nicht unbedingt, sagen Immobilienexperten. Statt in einen Neubau werde das Geld nun eben in Bestandsimmobilien gesteckt.  

Immobilienkauf und -bau wird teurer
Sparkasse: Bauzinsen werden wohl weiter steigen
Bauherren im Saarland müssen sich darauf einstellen, dass Bauen teurer wird. Das hat die Sparkasse Saarbrücken auf ihrer Jahrespressekonferenz betont. Demnach würden die Baukosten vermutlich weiter steigen und auch die Finanzierungskosten gingen nach oben.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 23.07.2022 berichtet.

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