Ein Kellner räumt einen Tisch in einem Restaurant ab.  (Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Saar-Gastroszene ächzt unter Personalmangel

Tabea Prünte   27.03.2022 | 09:16 Uhr

Corona hat das Gastgewerbe schwer gebeutelt - das wurde in den vergangenen Jahren deutlich. Nun versprechen der Frühling und der Sommer ein Aufblühen der Gastronomie - und ein boomendes Geschäft. Doch das geht nur mit genügend Personal - und damit haben viele Betriebe Schwierigkeiten.

Im Saarland sind während der Coronapandemie Tausende Minijobs verloren gegangen. Am stärksten ist im Saarland laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit der Dienstleistungsbereich betroffen: Etwa 5500 Minijobs sind es dort seit Vor-Pandemie-Zeiten weniger.

Gastgewerbe leidet unter Pandemie

Besonders stark ist der Rückgang im Gastgewerbe, also in Hotel- oder Gastronomiebetrieben, zu spüren gewesen. Knapp 10.000 Minijobs gab es im Saarland in dem Bereich noch zum Zeitpunkt der Erhebung Mitte vergangenen Jahres. Zum Erhebungszeitraum zwei Jahre zuvor und damit vor Beginn der Coronapandemie waren es noch knapp 12.800. Das entspricht einem Rückgang von fast 29 Prozent.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) schiebt diese Entwicklung auf die Coronapandemie. Minijobs seien nicht "krisenfest" und 450-Euro-Kräfte zählten zu den "Hauptverlierern der Pandemie", sagt Mark Baumeister, Geschäftsführer der NGG-Region Saar.

Betroffene orientieren sich um

Für die Sprecherin der Arbeitsagentur im Saarland, Christiane Lauer, ist es nicht verwunderlich, dass sich der Rückgang an Minijobs im Gastgewerbe am deutlichsten zeige. Denn als die Restaurants und Cafés während der Corona-Lockdowns dicht machten, hätten vor allem die Aushilfskräfte ihre Jobs verloren.

Für sie war die finanzielle Lage dann besonders prekär: Denn da sie als Aushilfen nicht sozialversicherungspflichtig waren, hätten sie kein Anrecht auf Kurzarbeitergeld, erklärt Lauer. "Da sie also kein Geld mehr verdient haben, ist es nur naheliegend, dass sich die Betroffenen in anderen Bereichen nach Jobs umgeschaut haben."

Saisonale Spitzen

Eben das bereitet den Gastronomiebetrieben im Saarland nun Probleme. Denn die Suche nach neuen Aushilfskräften gestaltet sich derzeit oftmals schwierig, erklärt Frank Hohrath, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Saarland.

Im Gastgewerbe seien saisonale Spitzen, also Zeiten, in denen mehr Personal gebraucht werde, ganz normal, genauso wie es Zeiten gebe, in denen weniger Kräfte benötigt würden. Bekomme man die Minijobberinnen und Minijobber, denen man während der Lockdowns aktiv kündigen musste, aber nicht in ausreichender Zahl zurück, könne es in der anstehenden Saison im Zweifel zu Serviceengpässen kommen.

Nicht mehr genügend Aushilfskräfte

Doch für einige Betriebe scheint dieses Szenario schon jetzt einzutreten. Gerade im Servicebereich mangele es deutlich an Personal, berichtet zum Beispiel der Geschäftsführer des Restaurants Litermont in Nalbach, Ralf Steuer. Während der Pandemie und zu Zeiten der Lockdowns seien viele Kräfte abgewandert, die mittlerweile die Vorteile anderer Arbeitsbereiche kennengelernt hätten, zum Beispiel im Bereich des Einzelhandels, vermutet er. "Obwohl auch die Gastronomie Vorteile bietet, ist deren Interesse, dort zu arbeiten, jetzt eventuell geschmälert."

Von den 150 Plätzen in seinem Restaurant können derzeit nur höchstens 60 bis 80 belegt werden, mehr sei nicht zu bewerkstelligen. "Um unsere Kosten wirtschaftlich zu decken, bräuchten wir aber eigentlich 100 Gäste auf den Plätzen", fügt Steuer hinzu. Dafür seien noch mindestens vier bis sechs neue Mitarbeitende für den Betrieb notwendig, die Anfragen seien allerdings "sehr, sehr gering". Mit Sorge blickt der Gastronom daher auf die anstehende Außengastronomie-Saison.

Personalsuche schwierig

"Wir suchen händeringend Servicepersonal", stimmt Herta Havener vom Restaurant "Zum Schwaggi" in Saarlouis zu. Dafür hätten sie bereits Anzeigen in der Zeitung geschaltet oder auf Internetplattformen wie Ebay Kleinanzeigen. Doch bisher sei dies erfolglos geblieben.

Stattdessen arbeiteten sie nun mit weniger Kräften im Betrieb, dafür aber teils 15 Stunden täglich, so Havener. Und wenn der Sommer kommt und damit die Außengastronomie wieder aufblüht - "dann ziehen wir uns halt Rollschuhe an", scherzt sie.

Bedarf an Minijobbern noch gering

Christoph Sartorius, Mitgeschäftsführer des Restaurants Reichseck in Saarbrücken hingegen sagt, Personal zu finden, stelle nicht die größte Herausforderung dar. Vielmehr seien noch immer die Schwierigkeiten zu spüren, das Personal zu beschäftigen. Denn die Auftragslage gestalte sich durch Corona noch immer schwierig.

Das Restaurant beschäftige derzeit eine Person auf Minijobbasis, mehr Kapazitäten habe man nicht. Bewerberinnen und Bewerbern müsse man daher aktuell sogar Absagen erteilen. Weitere Kräfte werde der Betrieb aber spätestens dann brauchen, wenn die Außengastronomie öffne - dann werde man weitersehen.

Personalnot auch in anderen Bereichen

Neben dem Gastgewerbe bekommen auch andere Bereiche die Folgen der Pandemie zu spüren. Die Filialen der Bäckerei "Brot & Sinne" im Saarland suchen zum Beispiel ebenfalls dringend Personal, auch auf Aushilfsebene. Obwohl die Bäckereien im Gegensatz zu Restaurants auch während der Lockdowns geöffnet waren, haben sich in den vergangenen Jahren viele Aushilfen umorientiert, zum Beispiel in Richtung Testzentren, wo es mehr Geld gebe, weiß Oliver Dillinger, Mitgeschäftsführer von "Brot & Sinne".

Dadurch, dass Minijobkräfte oftmals nicht lange im Betrieb bleiben, fehle es vor allem an Planungssicherheit. Doch auch andere Faktoren haben die Personalplanung erschwert: Infektionen und Quarantäneverfügungen und die darauf folgenden Personalausfälle zum Beispiel. "So viel Überhang können wir gar nicht planen, um das aufzufangen", sagt Dillinger.

Benachteiligung von Minijobkräften?

Dass es im Saarland seit Beginn der Pandemie zahlreiche Minijobs weniger gibt, nimmt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zum Anlass, den Status Minijob allgemein zu kritisieren. Viele in dem Anstellungsverhältnis würden in "ständiger Angst, gekündigt zu werden" leben, kritisiert Mark Baumeister. Die Gewerkschaft warnt daher davor, die Einkommensgrenze von 450 Euro auf 520 Euro zu erhöhen, wie es die Bundesregierung plant. Denn dann könnten noch mehr Menschen in solche "unsicheren Jobs abrutschen".

Frank Hohrath vom Hotel- und Gaststättenverband verteidigt den Minijobstatus aber. Insbesondere im Gastgewerbe bringe diese Form der Beschäftitung den Vorteil, das Personal flexibel und angepasst an den saisonalen Bedarf einsetzen zu können.

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