Lebensmittel liegen in einer Mülltonne (Foto: dpa/Patrick Pleul)

Weniger Lebensmittel sollen im Müll landen

Kai Forst   20.02.2019 | 13:00 Uhr

Pro Jahr werden in Deutschland elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Die Bundesregierung will mit einer Nationalen Strategie dagegen angehen. Während Saar-Umweltminister Jost (SPD) die Pläne von Bundesernährungsministerin Klöckner (CDU) begrüßt, kritisieren Umweltverbände die Strategie als zu lasch.

Klöckner will unter anderem mit Unternehmen, Verbänden, Ländern und Wissenschaft konkrete Maßnahmen auf freiwilliger Basis erarbeiten. Außerdem appellierte die Bundesernährungsministerin an Unternehmen und Verbraucher, Lebensmittelabfälle zu minimieren. Strikte Vorgaben wie zum Beispiel in Frankreich, wo Supermärkte unverkaufte Lebensmittel nicht mehr wegwerfen dürfen, fehlen in Klöckners Strategie allerdings.

Smarte Verpackungen sollen helfen

Stattdessen will sie einen eher wissenschaftlichen Weg gehen. Um die Lebensmittelabfälle bis zum Jahr 2030 zu halbieren, will Klöckner Millionen in die Forschung an intelligenten Verpackungen investieren. Diese sollen anzeigen, ob Nahrungsmittel noch genießbar sind, etwa über einen Farbverlauf. Auch passendere Portionsgrößen in Restaurants und Kantinen sollen dabei helfen, dass weniger Nahrungsmittel im Müll landen.

Umweltverbände sehen Pläne kritisch

"Lebensmittelverschwendung endlich eindämmen"
Audio [SR 2, Horst Kläuser, 20.02.2019, Länge: 02:49 Min.]
"Lebensmittelverschwendung endlich eindämmen"

All das sehen Umweltverbände als unzureichend an und kritisierten die Pläne der CDU-Politikerin als zu lasch. Ein Paket aus rein freiwilligen Maßnahmen reiche nicht aus, sagte BUND-Agrarexpertin Katrin Wenz. Nötig sei ein Gesetz gegen Lebensmittel-Verschwendung, das die gesamte Produktionskette - inklusive der Landwirtschaft - in den Blick nehme. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der Verein Foodsharing kritisierten, Klöckners Strategie greife zu kurz und setze allein auf das Wohlwollen von Unternehmen.

Auch der rheinland-pfälzischen Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne) fehlt es bei den Plänen Klöckners an Entschiedenheit. Sie fordert den Bund zu verpflichtenden Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung auf. "Freiwilligkeit ist bei diesem wichtigen Thema nicht zielführend".

Jost begrüßt Pläne

Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost (SPD) begrüßte indes die Strategie. „Das Thema ist zu wichtig, als dass die Politik es nur hin und wieder mal mit mahnenden Worten in die Öffentlichkeit trägt und wieder vergisst. Im Saarland beschäftigen wir uns seit 2016 intensiver mit dem Problem. Eine Verstärkung unserer Bemühungen durch den Bund kann hier nur nützlich sein“, sagte Jost und verwies auf die Broschüre „So erkennen Sie, ob Lebensmittel noch gut sind“, die im Auftrag des Ministeriums produziert wurde.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 20.02.2019 berichtet.

Artikel mit anderen teilen