Einbrecher (Foto: dpa)

Einbrüche: leicht getrübte Erfolgsbilanz der Polizei

Thomas Gerber   28.01.2018 | 14:27 Uhr

In der vergangenen Woche vermeldete das Innenministerium einen starken Rückgang bei den Einbruchszahlen im Saarland um knapp 30 Prozent. Die Zahlen im polizeiinternen Erfassungssystem „Kristal“ weichen davon allerdings ab und trüben die Erfolgsbilanz. Wie lassen sich die unterschiedlichen Statistiken erklären?

"Wir haben eine Supertruppe, die Kriminalpolizei hat toll gearbeitet" - so CDU-Innenminister Klaus Bouillon bei der Präsentation der aktuellen Zahlen "Wohnungseinbruch" (WE). Und in der Tat können die sich sehen lassen. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) sind sie nämlich 2017 im dritten Jahr in Folge rückläufig und das deutlich. Minus 28,6 Prozent - nach 1.947 Wohnungseinbrüchen 2016 wurden 2017 "nur" noch 1.391 Taten registriert, also satte 556 Fälle weniger. Gleichzeitig schnellte die Aufklärungsquote in die Höhe. Von 16,6 auf bundesweit rekordverdächtige 27 Prozent. All das sei ein Verdienst der spezialisierten Kriminalitätsbekämpfung im Deliktfeld "Wohnungseinbruch" mit 23 Ermittlern an drei Standorten - Dillingen, Neunkirchen und Saarbrücken.

Die höchst erfreulichen Zahlen - auch bei der Polizei selbst mochte man ihnen zunächst nicht so recht Glauben schenken. Kripochef Harald Schnur schrieb Anfang Januar ans Ministerium, dass es sich bei dem Zahlenwerk um eine "an die PKS angelehnte Berechnung" handele und um eine Prognose, bei der jedoch keine "bedeutsamen Abweichungen gegenüber den finalen Zahlen der PKS" zu erwarten seien. Auch in der Pressemitteilung Bouillons aus der vergangenen Woche gelten die Zahlen noch als "prognostiziert". Auf SR-Nachfrage nennt das Ministerium die Zahlen inzwischen "endgültig". Sie würden so auch weitergemeldet zur Erstellung der bundesweiten PKS.

Abweichende Zahlen im internen Erfassungssystem „Kristal“

Die anfängliche Skepsis gegenüber dem eigenen Erfolg kam nicht von ungefähr. Dem SR liegt das Jahreslagebild WE 2017 (Erfassungssystem "Kristal") aus dem polizeilichen Intranet vor. Dort heißt es: "Für das Jahr 2017 sind insgesamt 1670 Straftaten im Deliktfeld WE für das Saarland in Kristal erfasst (Vorjahr: 1859 Fälle). Dies entspricht einem Rückgang von etwa elf Prozent."

Die unterschiedlichen Zahlen sind erklärbar. Denn das Lagebild im System "Kristal" sei als eine "dynamische Datenlage" anzusehen. Die darin enthaltenen Fälle seien anders als bei der PKS noch nicht "ausermittelt", also noch nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet worden. Das Lagebild nach "Kristal" werde als Grundlage für operative Maßnahmen genutzt. "Als konkretes Beispiel ist hier die Einbruchsserie im Bereich Wallerfangen zu nennen. Nach Auswertung des Lagebilds wurden in diesem Bereich am 15. Januar 2018 Schwerpunktkontrollen in Grenznähe durchgeführt", so das Ministerium auf SR-Anfrage. Also alles nur eine Frage unterschiedlicher Statistiken? Nicht ganz. Denn klar ist - für 2018 schleppt die PKS 15 Verfahren mit insgesamt 151 Fällen von Wohnungseinbruch aus 2017 mit.

Das geschieht zwar Jahr für Jahr in jeder PKS, aber aktuell sind es besonders große Altlasten. Und noch etwas trübt die Erfolgsbilanz ein wenig.

Anstieg der Einbruchszahlen im Dezember

Laut Kristall waren die Zahlen bis in den September hinein Monat für Monat gegenüber 2016 rückläufig. Dann aber - in der dunklen Jahreszeit gab es einen durchaus rasanten Anstieg. So wurden im Dezember 229 Einbrüche erfasst - dies sind gar 63 mehr als im Dezember 2016. Ob das eher zufällig ist, oder sich da eine Trendwende abzeichnet, ist unklar.

PKS-Zahlen nicht „frisiert“

Die Bedenken an der eigenen Erfolgsbilanz sind angesichts der "Kristal"-Zahlen allerdings nachvollziehbar. Mutmaßungen, wonach die PKS-Zahlen "frisiert" wurden, um dem Minister die gute Nachricht zu ermöglichen, sind dennoch haltlos. Die PKS-Zahlen, das bestätigen Insider, wurden korrekt erhoben. Und auch wenn die Wahrheit zu Fallzahlen und Aufklärungsquote vermutlich irgendwo zwischen "Kristal" und PKS liegt, der Erfolg der Ermittler ist und bleibt beachtlich.

GdP fordert mehr Spezialisierung in anderen Bereichen

Das sieht auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) so. GdP-Landeschef Ralf Porzel freut sich über den Erfolg der Kollegen. Spezialisierung, Schwerpunktbildung und gezielte Präventionsarbeit hätten ihn ermöglicht. Für Porzel ein "deutlicher Beleg dafür, dass man auch in weiteren Bereichen [...] die Dinge positiv beeinflussen" könne.

Porzel fordert mehr Personal und Spezialisierung unter anderem für die Bereiche Rauschgift und Verkehr. Angesichts der traurigen Rekorde bei den Verkehrs- und Rauschgifttoten müsse da dringend nachgesteuert werden. Das sei längst überfällig, gehe es doch um Menschenleben.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 29.01.2018 berichtet.

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