In diesem Jahr feiert das Frauenwahlrecht sein 100-jähriges Jubiläum. (Foto: Imago/Blickwinkel)

100 Jahre Frauenwahlrecht: Was hat sich seitdem getan?

Felicitas Fehrer   08.03.2018 | 12:43 Uhr

In diesem Jahr feiert das Frauenwahlrecht 100-jähriges Jubiläum. Seitdem hat sich im Bereich Emanzipation vieles getan - die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau schreitet voran. Allerdings zu langsam, wie der Frauenrat Saarland findet.

Mit der Durchsetzung des Frauenwahlrechts ist den dafür kämpfenden Frauen im Jahr 1918 ein großer Fortschritt gelungen: Frauen hatten nun offiziell das aktive sowie das passive Wahlrecht erlangt und konnten sich in allen Bereichen der Gesellschaft beteiligen - zumindest laut Gesetz.

Dies jedoch in der Realität umzusetzen und mit Leben zu füllen, sei auch nach der Einführung des Wahlrechts nicht einfach gewesen, sagt Annette Peteranderl, Fachanwältin für Familienrecht vom Frauenrat Saarland. "Zu Beginn betrug das Wahlalter beispielsweise 21 Jahre. Erst ab 1974 durften Frauen dann auch schon ab 18 Jahren wählen."

Annette Peteranderl vom Frauenrat Saarland. (Foto: Annette Peteranderl)
Annette Peteranderl vom Frauenrat Saarland.

Das erste Gleichberechtigungsgesetz wurde erst 1958 erlassen. "Bis dahin durfte eine Frau ohne Erlaubnis des Ehemannes nicht einmal den Führerschein machen", sagt Peteranderl. "Bis 1976 konnte der Ehemann sogar den Arbeitsvertrag seiner Ehefrau kündigen."

Seitdem sind nach und nach einige Gesetzeseinführungen und Änderungen auf den Weg gebracht worden, die für Frauen zu positiven Veränderungen führten. Darunter Änderungen im Sexualstrafrecht, arbeitsrechtliche Gesetze, Familienrecht, Gleichstellungsgesetze und das Entgeltgleichheitsgesetz.

"Noch lange nicht am Ziel"

"Die lange Zeitspanne seit 1918 zeigt jedoch, wie langsam die Gleichberechtigung voranschreitet", sagt Peteranderl. "An den aktuellen Debatten, national wie international, kann man sehen, dass wir keineswegs am Ende und am Ziel sind." Je intensiver man in die Fragestellung zum Thema Emanzipation einsteige, umso vielschichtiger zeige sich die Problematik. Eine einfache Lösung gebe es nicht.

100 Jahre Frauenwahlrecht
Lichtkunst zum Jubiläum
Anlässlich des Weltfrauentages 2018 haben Studierende der Saarbrücker Kunsthochschule HBK eine Gebäudeillumination für die Alte Evangelische Kirche am Cora-Eppstein-Platz entworfen. Auf Initiative des FrauenForums Saarbrücken erinnerte die Lichtkunst-Vorführung an den Kampf für das Frauenwahlrecht. Für SR 2 KulturRadio hat sich Reporterin Isabel Heine unter die Passanten gemischt.

Eins sei jedoch klar: Es müssten Strukturen aufgebrochen werden, die veraltet sind. "Zur Zeit hat man den Eindruck, dass, je drängender Frauen nach Veränderungen rufen, umso hartnäckiger die Widerstände sind", sagt Peteranderl.

Da die Lebenswirklichkeit von Frauen so vielfältig wie unterschiedlich sei, seien auch die bisher ungelösten Fragen vielfältig: "Was kann verbessert werden, damit gut ausgebildete Frauen geeignete Betreuungsangebote für ihre Kinder haben? Finden Frauen einen Arbeitgeber, der sie in der wichtigen Familienphase unterstützt, ohne dass sie den Anschluss in ihrer Karriereplanung verlieren? Was ist mit der Entgeltungleichheit zwischen Mann und Frau? Wie können Frauen in den Parlamenten und in den Spitzenpositionen von Wirtschaft, Wissenschaft und Medien endlich ausreichend vertreten sein? Wie werden Frauen vor sexueller Belästigung geschützt?"

Video [aktueller bericht, 08.03.2018, Länge: 3:23 Min.]
Weltfrauentag: Ein Plädoyer für mehr Selbstbewusstsein

Parité-Gesetz

Damit die Politik Frauenbelange ausreichend berücksichtigen kann, müssen laut Frauenrat an den entscheidenden Stellen in den Parlamenten und der Wirtschaft zukünftig hälftig Frauen beteiligt sein, damit sie auch die Hälfte der Bevölkerung vertreten.

Der Frauenrat Saarland e.V. arbeitet seit Jahren unter anderem an einer Einführung des sogenannten Parité-Gesetzes – nach französischem Vorbild. Eine solche Quotenregelung würde dazu führen, dass in allen Parlamenten hälftig Frauen und Männer vertreten sind. "Durch die gemeinsame Arbeit an den zu bewältigenden Problemen würden Frauenbelange ausreichend berücksichtigt, sodass sich die entsprechenden Entscheidungen positiv auf alle Lebensbereiche von Frauen auswirken", so Peteranderl.

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