Ein Ford-Logo an einem Kühlergrill (Foto: IMAGO / UPI Photo)

Plan für Ford-Werk soll bis Jahresende stehen

Yvonne Schleinhege   28.07.2022 | 21:00 Uhr

Bis Ende dieses Jahres soll für das Ford-Werk in Saarlouis ein Zukunftsplan stehen, heißt es in einer Mitteilung an die Mitarbeiter, die dem SR vorliegt. Eine Entscheidung soll im Frühjahr folgen. Bis 2025 wird weiterhin der Focus in Saarlouis gebaut.

Etwa fünf Wochen ist es nun her, dass Ford die Entscheidung mitgeteilt hat, auf die die Beschäftigten in Saarlouis und eigentlich auch die ganze Region über Monate gewartet hatte: Die neue Ford E-Autoplattform soll in Valencia gebaut werden.

Bis zum Ende des ersten Quartals 2023 soll nun konkret feststehen, wie es mit dem Ford-Werk in Saarlouis weitergeht. Das wurde am Donnerstag im Rahmen einer Betriebsversammlung bekannt. Ziel sei, bis dahin ein Zukunftskonzept mit potenziellen Investoren, dem Betriebsrat und Landesregierung zu vereinbaren.

Beschäftigungsschutz bis 2025

Der Betriebsratsvorsitzende Markus Thal sagte dem SR danach, das Management habe zugesagt, dass der Focus noch bis Mitte 2025 produziert wird und die Beschäftigung gesichert sei.

Video [aktueller bericht, 28.07.2022, Länge: 3:06 Min.]
Plan für Ford-Werk soll bis Jahresende stehen

In einem Schreiben von Ford-Deutschland-Chef Martin Sander an die Mitarbeiter, das dem SR vorliegt, heißt es, "es gibt eine Vereinbarung zum Beschäftigungsschutz im Werk Saarlouis, die bis 2025 gilt."

Dies seien positive Signale, sagte Thal. Man hoffe, dass diese Zusagen eingehalten werden. Es gebe aber auch ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Management.

Zukunftsplan Ende September

Auch ein Zeitplan, wann eine Entscheidung getroffen wird, wie es mit Saarlouis weitergeht, wurde auf der Versammlung verkündet. Demnach sollen bis Ende September die Ford-eigenen Maßnahmen stehen. Parallel dazu finden Gespräche mit der Landesregierung und potenziellen Investoren statt.

Bis zum Jahresende 2022, so heißt es auch in der Mitteilung, die am Donnerstag an die Beschäftigten verschickt wurde, soll dann ein erster Plan für die Zukunft des Werkes stehen. Eine Entscheidung sei dann für das kommende Frühjahr geplant.

Ende September 2022 sollen die Beschäftigten vom Management über die ersten Ergebnisse informiert werden.

Focus ab Ende September wieder bestellbar

Wie auf der Betriebsversammlung ebenfalls bekannt wurde, soll es ab Ende September wieder möglich werden, den Ford Focus zu bestellen. 

Das Unternehmen hatte zuletzt die sogenannte Orderbank geschlossen. Auch durch die Halbleiterkrise waren die Bestellfristen zu lang geworden. Der Betriebsrat hatte das kritisiert, auch weil es für Unruhe im Werk gesorgt hatte. 

In dem Schreiben an die Mitarbeiter heißt es: "Wenn sich die Lieferketten weiter entspannen, werden wir den Focus ab September wieder uneingeschränkt zur freien Bestellung anbieten können."

Kaum öffentliche Äußerungen

Öffentlich hat sich Ford seit Monaten nicht zu der Situation in Saarlouis geäußert – Interviewanfragen wurden abgelehnt, auch am Donnerstag wieder. "No statements today“" - das war der einzige Satz, den Kieran Cahill, Vizepräsident von Ford-Europa am Mittwoch der vergangenen Woche am Rande des Wirtschaftsausschusses öffentlich äußerte.

Die Sitzung im Landtag war durchaus mit Spannung erwartet worden, doch nach fast drei Stunden blieben Ernüchterung und teils auch Frust bei den Abgeordneten. Trotz Nachfrage habe es noch nicht einmal eine Antwort gegeben, ob tatsächlich bis 2025 Autos in Saarlouis gebaut werden, hieß es im Anschluss. Auch bei den Beschäftigten ist die Informationslage wohl überschaubar.

Task Force "Zukunft Saarlouis"

Inzwischen hat sich eine Task Force "Zukunft Saarlouis" gebildet, in der auch Managementangehörige aus Saarlouis mitarbeiten. Auch Gespräche mit einzelnen Beschäftigten sollen geführt worden sein. Der Betriebsrat beteiligt sich daran allerdings nicht. "Wir werden prüfen, wo Mitbestimmungsrechte zu verfolgen sind", so Markus Thal vergangene Woche im SR-Interview.

Das Ford-Management hatte sich nach SR-Informationen zuletzt am 7. Juli in einem Brief an die Beschäftigten in Saarlouis gewandt. Darin heißt es erneut, die Task Force sei beauftragt worden an folgenden Optionen zu arbeiten: langfristige Geschäftstätigkeiten von Ford in Saarlouis, das Betreiben des Werkes durch einen anderen Automobilhersteller oder eine Zusammenarbeit mit der saarländischen Landesregierung. „Auch hier sei man noch ganz am Anfang“, heißt es in dem Schreiben von Ford-Deutschlandchef Martin Sander.

Landesregierung fordert konkrete Aussagen bis Anfang September

Seit der Entscheidung am 22. Juni soll es wöchentlich Gespräche zwischen der Landesregierung und Spitzenmanagern von Ford gegeben haben. Das Land ist bereit das Werk von Ford ganz oder auch in Teilen zu übernehmen. Interessenten die investieren wollten gebe es, versichert man. Doch dazu müsse das Land erstmal wissen, was Ford eigentlich will, so Wirtschaftsminister Jürgen Barke (SPD) zuletzt.

Er hat die Verhandlungen mit Ford übernommen. Bis September fordert die Landesregierung nun Klarheit in dieser Sache. Am 29. August enden die Werksferien bei Ford. Bleibt zu hoffen, dass es dann mehr Antworten auf die vielen offenen Fragen für die Beschäftigten gibt. Ein erholsamer Sommerurlaub dürfte es bis dahin für die meisten Mitarbeiter in Saarlouis wohl nicht werden.

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Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 28.07.2022 berichtet.

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