links: Peter Jacoby, rechts: Peter Strobel (beide CDU) (Foto: picture alliance / dpa | Oliver Dietze)

Wechsel an der Spitze von Saartoto

Christian Leistenschneider   30.06.2022 | 19:45 Uhr

Nach zehn Jahren als Co-Geschäftsführer von Saartoto hat Peter Jacoby sich in den Ruhestand verabschiedet. Sein Amt übernimmt CDU-Kollege Peter Strobel. Der ehemalige saarländische Finanzminister gilt als gut qualifiziert, doch das Besetzungsverfahren und die Doppelspitze stehen weiter in der Kritik.

Im kleinen Kreis, aber mit viel Politikprominenz, gab Peter Jacoby am Donnerstag seinen Ausstand als Geschäftsführer von Saartoto. Nach zehn Jahren als CDU-Part in der traditionell von den beiden großen Parteien besetzten Doppelspitze der saarländischen Lottogesellschaft zog der 71-jährige Ex-Finanzminister eine positive Bilanz: "Die Umsatzzahlen konnten nicht nur gehalten, sondern gesteigert werden. Und in dem Maße, in dem wir unseren Umsatz steigern, profitiert davon das ganze Land."

Video [aktueller bericht, 30.06.2022, Länge: 2:42 Min.]
Neue Geschäftsführung bei Saartoto

Denn ein guter Teil des Umsatzes von Saartoto fließt in Sport, Kultur, Naturschutz. Im vergangenen Jahr waren das rund 23 Millionen Euro von insgesamt knapp 130 Millionen Euro Jahresumsatz.

Strobel wird auch von SPD unterstützt

Jacobys Nachfolger ist ebenfalls ein ehemaliger saarländischer Finanzminister von der Union. Peter Strobel, Kreisvorsitzender der CDU in Saarbrücken, war bis zur Niederlage seiner Partei bei der Landtagswahl Herr über den saarländischen Haushalt. Er war dann der Kandidat, auf den sich CDU und SPD schnell einigen konnten.

Strobel sei ein "kompetenter Finanzpolitiker" und bringe außerdem "kaufmännische und unternehmerische Expertise mit", begründet etwa SPD-Fraktionschef Ulrich Commerçon die Entscheidung. Vor seiner Zeit als Finanzminister war Strobel Geschäftsführender Gesellschafter der Strobel GmbH & Co. KG Boyauderie Sarroise.

Kritik an Besetzungsverfahren und Doppelspitze

Dass Strobel mit seinen Qualifikationen für den Posten geeignet ist, streitet der Bund der Steuerzahler nicht ab. Doch er stört sich an der Intransparenz der Entscheidung: "Es sind keine Gründe erkennbar, warum die Stelle nicht ausgeschrieben wird", sagt der Landesvorsitzende Christoph Walter. "Bei öffentlichen Arbeitgebern gilt ja die Bestenauslese. Wie ist die möglich, wenn die Stelle gar nicht ausgeschrieben wird?"

Auch das System der Doppelspitze stellt der Steuerzahlerbund infrage und verweist auf Lotto Rheinland-Pfalz, die mit einem Geschäftsführer auskomme. Die Aufteilung zwischen den beiden großen Parteien hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Kritik gesorgt.

Ulrich Commerçon verteidigt demgegenüber das "Vier-Augen-Prinzip": "Dieser Modus wurde jahrelang erprobt und hat sich bisher sehr gut bewährt."

Mit Co-Chef Pauluhn gegen Wettbewerber

Strobel bildet also gemeinsam mit dem ehemaligen SPD-Fraktionschef Stefan Pauluhn, der 2021 auf den SPD-Politiker Michael Burkert gefolgt war, das gleichberechtigte Führungsduo der saarländischen Lottogesellschaft. Beide sind zugleich auch Chefs der Saarland-Spielbank GmbH.

Als "große Herausforderung" der Geschäftsführung bezeichnete Strobel ein verändertes Wettbewerbsumfeld, in dem mehr private Wettbewerber und mehr Online-Anbieter mit den staatlichen Stellen in Konkurrenz treten. Vor diesem Hintergrund müsse Saartoto daran arbeiten, "die Finanzierung aufrechtzuerhalten und daran anzuknüpfen, dass die Erträge auch ausgeschüttet werden können".

Über dieses Thema hat auch der aktuelle Bericht im SR-Fernsehen am 30.06.2022 berichtet.

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