Tankdeckel eines Autos mit Brennstoffzelle (Foto: Jan Woitas/dpa)

Wasserstoffautos im Dornröschenschlaf

Kai Forst   07.07.2019 | 12:00 Uhr

Hohe Reichweite, schnelle Betankung und das ganze noch emissionsfrei: Wasserstoffautos bieten als umweltfreundliche Alternative viele praktische Vorteile. Warum fristet die Technologie der Brennstoffzelle dennoch ein Schattendasein?

Wasserstoffautos: "Es fehlt an Infrastruktur"
Audio [SR 3, (c) Karin Mayer, 08.07.2019, Länge: 03:37 Min.]
Wasserstoffautos: "Es fehlt an Infrastruktur"
SR-Moderatorin Karin Mayer hat über die Zukunft von Wasserstoffautos mit Kai Forst aus der SR.de-Redaktion gesprochen.

Wo liegt die Zukunft in der deutschen Automobilindustrie? Schaut man sich die Zahlen an, ist die Antwort schnell gefunden: Elektroautos. Derzeit sind rund 84.000 E-Autos in Deutschland zugelassen.

Demgegenüber stehen gerade einmal knapp 400 Wasserstoff-Fahrzeuge. Bei einem Gesamt-Fahrzeugbestand von 64,8 Millionen hierzulande ist das ein Anteil von 0,0006 Prozent. Im Saarland ist die Quote sogar noch geringer. „Aktuell ist kein Wasserstoff-Auto zugelassen“, sagt der Geschäftsführer des saarländischen Kfz-Verbandes Niklas Burmester.

Hohe Reichweite und keine Entsorgungs-Probleme

Dabei gelten die Wasserstoff-Autos für viele Experten als die bessere Alternative zum Verbrennungsmotor. Während Elektroautos trotz ständiger Weiterentwicklung noch eher für kürzere Strecken geeignet sind, glänzen Wasserstoff-Autos mit einer Reichweite von 500 bis 700 Kilometern. Zudem ist die Betankung des Wasserstoff-Autos praktikabel. In wenigen Minuten ist der Tank gefüllt und das Auto wieder fahrbereit.

Wie funktioniert ein Wasserstoffauto?

Auch ein Wasserstoffauto hat einen Elektromotor. Statt durch einen Akku wird dieser aber durch Brennstoffzellen angetrieben. Die Brennstoffzelle wandelt dabei Wasserstoff und Sauerstoff in Strom um, der den Elektromotor antreibt. Emissionen treten keine auf. Aus dem Auspuff von Brennstoffzellen-Autos entweicht lediglich Wasserdampf.

Auch beim Thema Umwelt liegen die Vorteile bei der Brennstoffzelle: Denn für die Akku-Produktion der E-Autos werden große Mengen an Rohstoffen gebraucht. Kobalt und Lithium werden dabei vornehmlich in Afrika oder auch Südamerika durch Einheimische abgebaut - unter katrastrophalen Bedingungen. Zudem scheint es noch immer kein überzeugendes Konzept zur Entsorgung der Akkus zu geben.

Kaum Tankstellen in Deutschland

Rehlinger sieht Potenzial in Wasserstoff-Autos
Audio [SR 3, (c) SR, 08.07.2019, Länge: 00:44 Min.]
Rehlinger sieht Potenzial in Wasserstoff-Autos

Dennoch fristet die Brennstoffzelle ein Schattendasein. Es mangelt vor allem an der Infrastruktur. Gerade einmal 71 Wasserstoff-Tankstellen gibt es im gesamten Bundesgebiet. Laut Experten wären 1000 Tankstellen nötig, um Brennstoffzellen-Autos für die Kunden und die Autobauer interessant zu machen. Ein weiter Weg, der noch zu gehen ist.

Im Saarland existiert bislang noch überhaupt keine Tanksäule. Zwar ist Saarbrücken-Gersweiler eine in Planung, deren Bau eigentlich im Sommer beginnen sollte, doch auf Anfrage teilte der Betreiber H2 Mobility mit, dass der Start derzeit noch unklar ist.

Saarland will Wasserstofftrasse

Immerhin: In der Zukunft will die Landesregierung Wasserstoff stärker in den Fokus rücken. Wie das Wirtschaftsministerium auf SR-Anfrage mitteilte, wird derzeit „das Potenzial für die Errichtung einer weiteren Tankstelle im Raum Homburg“ geprüft. „Das Saarland kann ein ideales Schaufenster für eine zukünftige Wasserstoffwirtschaft sein, sowohl im Bereich der Mobilität als auch in der Industrie“, sagt Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). Man wolle eine länderübergreifend geschlossene „Wasserstofftrasse“ „ausgehend von Luxembourg über Saarbrücken, Homburg, Kaiserslautern und Ludwigshafen bis nach Frankfurt via Heidelberg bzw. Stuttgart via Karlsruhe“ aufbauen.

CO2-Vorgabe: Konzerne investieren in E-Autos

Ein weiteres Manko der Wasserstoffautos sind die hohen Anschaffungskosten. „Die Technologie der Brennstoffzelle ist derzeit nicht zu vernünftigen Preisen zu haben“, sagt Kfz-Verbandsgeschäftsführer Burmester. 70.000 bis 80.000 Euro müssen Käufer momentan auf den Tisch blättern, um mit Wasserstoff über die Straßen zu gleiten – zu teuer für viele Privatkunden. Ein anderer Grund sind laut Burmester die drohenden Strafzahlungen für die Autobauer. Bis 2021 werden viele Konzerne die CO2-Vorgaben der EU verfehlen, wenn sie nicht drastisch ihre Emissionen senken. „Und da es jetzt schnell gehen muss, investiert man in Know How, das schon vorhanden ist. Und das ist der Elektroantrieb.“

Umweltexperten skeptisch

Auch einige Umweltexperten sehen Wasserstoff-Autos skeptisch. Florian Hacker vom Öko-Institut verweist gegenüber der Nachrichtenagentur dpa auf den niedrigen Wirkungsgrad: Man brauche Strom, um aus Wasser Wasserstoff herzustellen, der dann in Gastanks gelagert und schließlich nach dem Tanken im Auto in Strom gewandelt wird - bei diesen Schritten verliere man Energie.

"Nur 25 Prozent der ursprünglichen Energie führt in einem Brennstoffzellen-Fahrzeug zu Fortbewegung, der Rest geht verloren - bei batteriebetriebenen Elektroautos liegt der Wert etwa bei 70 Prozent." Entsprechend höher sei der Strombedarf bei Brennstoffzellen-Autos. "Man sollte die Brennstoffzelle weiter im Blick behalten, aber im Massenmarkt ist der Einsatz batteriebetriebener E-Autos sinnvoller", sagt Hacker.

Über dieses Thema wurde auch in den Hörfunknachrichten vom 08.07.2019 berichtet.

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