Kanalarbeiter kontrollieren unter den Straßen die Abwasserleitungen. (Foto: Imago/biky)

Riesen-Investitionsstau bei Kanälen und Wasserleitungen

Caroline Uhl / Niklas Resch   25.01.2019 | 11:00 Uhr

Verbraucher im Saarland müssen sich in den kommenden Jahren auf deutlich höhere Wasserkosten einstellen. Nach SR-Recherchen muss mindestens eine dreistellige Millionensumme ins Trink- und Abwassersystem investiert werden. Während in Rheinland-Pfalz die Landesregierung jedes Jahr Millionen an Fördergeld fürs Wasser zahlt, gibt es hierzulande vom Land kaum Unterstützung.

Wie viel Geld genau nötig ist, um Wasserleitungen, Kanäle und Kläranlagen im Saarland zu sanieren oder aufzurüsten, weiß derzeit niemand. Klar ist aber: In allen drei Bereichen muss etwas geschehen.

Ein Siebtel der Kanäle marode

[Audio, SR 3, Carolin Uhl, 25.01.2019, Länge: 3:01 Min.]
Investitionsstau bei der Wasserversorgung

Der größte Sanierungsstau besteht wohl bei den Kanälen im kommunalen Abwassernetz. Die letzten belastbaren Schätzungen stammen aus dem Jahr 2015. Demnach gelten 1000 von 7000 Kilometern Kanal als dringend sanierungsbedürftig. Die Städte und Gemeinden müssten jedes Jahr eigentlich rund 200 Millionen Euro in ihr Kanalnetz investieren.

Nach Angaben der Landesregierung ist nicht davon auszugehen, dass sich die Investitionslücke in jüngster Zeit merklich geschlossen hat. Die meisten Kommunen hätten das nämlich nur über einen deutlichen Anstieg der Abwassergebühren stemmen können. Hochgegangen sind die Gebühren aber vielerorts allenfalls leicht.

Altersschwache Leitungen

Mehr Investitionen sind nach Angaben des Verbands der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes (VEW Saar) auch im Trinkwasserbereich fällig. Derzeit stecken die Versorger demnach rund 35 Millionen Euro pro Jahr in ihre Infrastruktur, in Zukunft müssen es laut VEW Saar gut 50 Millionen Euro sein. Der Grund: Viele Leitungen wurden in den 50er und 60er Jahren gebaut und werden langsam altersschwach. „In den nächsten zehn, zwanzig Jahren müssen wir die Investitionstätigkeit deutlich nach oben fahren", erklärt daher der Vorstand des VEW Saar, Joachim Meier. Ansonsten drohten vermehrt Pannen, wie beispielsweise Wasserrohrbrüche.

Laut Meier wird das Problem aber nicht überall genügend angegangen. Insbesondere kleine kommunale Versorger tendierten dazu, ihre Preise künstlich niedrig zu halten. Dort achte "oft auch der Bürgermeister darauf, dass der Wasserpreis sehr, sehr niedrig ist, natürlich im Interesse seiner Kunden", sagt Meier. Doch das sei "relativ kurz gedacht, denn irgendwann muss man intensiv investieren".

Kläranlagen aufrüsten

Schließlich stehen auch bei den Kläranlagen mittelfristig Investitionen an. 40 bis 50 Millionen Euro steckt der Entsorgungsverband Saar (EVS) aktuell in sein Abwassersystem. Im Raum steht aber eine gesetzlich vorgegebene Aufrüstung der Kläranlagen, dann wären laut EVS zusätzliche Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe nötig.

In einem solchen Falle müsste der EVS nach eigenen Angaben seinen Verbandsbeitrag deutlich anheben. Derzeit liegt dieser bei 3,054 Euro pro Kubikmeter Abwasser. Den Beitrag zahlen die Verbraucher über ihre Abwassergebühr mit. Steigt in ein paar Jahren der EVS-Beitrag, dürfte also auch die Abwassergebühr in den meisten Gemeinden nach oben gehen.

Video [aktueller bericht, 25.01.2019, Länge: 3:56 Min.]
Mangelnde Investitionen in Wasserleitungen

Transparenz: Fehlanzeige

In Rheinland-Pfalz stellt das Land jedes Jahr 100 Millionen Euro an Fördergeld für den Bereich Wasser zur Verfügung. Ein Ziel dabei: Trinkwasser-Versorgung und Abwasserbeseitigung für die Bürger bezahlbar halten. Um finanzielle Unterstützung zu bekommen, müssen Kommunen und Versorger aber offenlegen, wie sie wirtschaften.

Das ist im Saarland nicht der Fall. Es gibt aktuell keine vergleichbare Förderung des Landes – und auch keine Transparenz. Derzeit ist die Landesregierung dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Bei den Städten und Gemeinden hat das Land den Zustand der Kanäle abgefragt, doch die Kommunen liefern die Zahlen nur schleppend. Und auch im Bereich Trinkwasser wird teilweise gemauert: Ausgerechnet in den günstigen Kommunen Nonnweiler und Neunkirchen haben die Versorger eine SR-Anfrage nicht beantwortet. Dabei ging es darum, wieviel Geld in den vergangenen Jahren ins Leitungsnetz investiert wurde.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 25.01.2019 berichtet.

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