Ein Geldschein liegt im Ausguss eines Küchenbeckens. (Foto: dpa-report/Karl Josef Hildenbrand)

So viel kostet Ihr Wasser

Caroline Uhl / Niklas Resch   24.01.2019 | 18:00 Uhr

Die Kosten fürs Wasser weichen zwischen den saarländischen Kommunen stark voneinander ab. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Datenrecherche des SR. In der derzeit teuersten Gemeinde zahlt ein Vier-Personen-Musterhaushalt für Frisch- und Abwasser pro Jahr über 500 Euro mehr als in der günstigsten Gemeinde.

Sowohl die Preise fürs Trinkwasser als auch die Abwassergebühren gehen zwischen einer Gemeinde und der nächsten mitunter weit auseinander. Ein Preisvergleich unter den Kommunen war bisher schwer, denn schon der Aufbau der Wasserrechnung und die einzelnen in Rechnung gestellten Posten sind sehr unterschiedlich. Der SR hat deshalb für verschiedene Modellhaushalte nachgerechnet – und die Kosten so vergleichbar gemacht.

Ergebnis: In keiner Gemeinde sind die Preise wie in der anderen. Am teuersten von allen ist Gersheim. Ein Vier-Personen-Modellhaushalt zahlt im Jahr fast 1.400 Euro. Auch Perl und Merchweiler sind verhältnismäßig teuer. Besonders günstig sind Trink- und Abwasser zusammengenommen hingegen in Neunkirchen, Nonnweiler und Riegelsberg. In Riegelsberg liegen die Kosten für den Vier-Personen-Haushalt bei etwa 880 Euro.


Trink- und Abwasserkosten im Überblick

[zum Vergleich: Preisunterschiede bei Single-Haushalten]


Weniger Einwohner – höherer Preis

Video [SR Fernsehen, (c) SR, 24.01.2019, Länge: 01:51 Min.]
So setzen sich die Wasserkosten zusammen

Es gibt Erklärungsansätze, wie Unterschiede zustande kommen: Für das kommunale Abwassersystem – und damit auch für die Höhe der Abwassergebühren – sind die Kommunen verantwortlich. Dass seine Gemeinde so teuer ist, führt Gersheims Bürgermeister Alexander Rubeck (CDU) vor allem auf die niedrige Einwohnerzahl zurück. Rund 6500 Leute leben in Gersheim. Die Kosten für einen Kilometer Abwasserkanal verteilen sich dort auf gerade einmal 110 Personen. Das macht die Abwasserkosten für den Einzelnen teurer. Zum Vergleich: Im mit rund 14.500 Einwohnern deutlich dichter besiedelten Riegelsberg verteilen sich die Kosten pro Kilometer Abwasserkanal auf fast 180 Personen, was die Kosten für den Einzelnen drückt.

Außerdem, so betont Gersheims Bürgermeister Rubeck, pumpe seine Gemeinde derzeit ordentlich Geld ins Kanalsystem, um dringend nötige Sanierungen vorzunehmen. Dieses Geld kommt aus der Abwassergebühr. "Das ist nicht immer ein populäres Thema, das weiß ich, weil die Investitionen unter der Erde verschwinden", sagt Rubeck. Doch die Sanierungen seien nun "einfach notwendig".

Video [aktueller bericht, 24.01.2019, Länge: 4:54 Min.]
Eine Familie, zwei Rechnungen und ganz unterschiedliche Preise

Das günstige Riegelsberg indes hat in den vergangenen Jahren deutlich weniger in seine Kanäle investiert. Das sei bisher nicht notwendig gewesen, sagt Bürgermeister Klaus Häusle (SPD). Doch ewig wird das auch in Riegelsberg so nicht weitergehen können. "Mittelfristig wird es schon so sein, dass wir erhöhte Investition haben", prognostiziert Häusle. In ein paar Jahren habe das dann wohl auch höhere Abwassergebühren zur Folge.

Kartellwächter rechnen nach

Mit den Preisen fürs Trinkwasser verhält es sich ähnlich: Es kommt auf Lage und Infrastruktur eines jeden Ortes an, die Zahl der Einwohner, die Investitionen. Ob diese Punkte aber die unterschiedlichen Preise bis zur letzten Cent-Stelle erklären, da ist sich selbst die saarländische Landesregierung unsicher. Deshalb untersucht zurzeit die Kartellbehörde des Landes die Trinkwasserpreise und ihr Zustandekommen. Ein Ergebnis dieser Prüfung steht noch aus.

Transparenz in Rheinland-Pfalz

Kommentar: "Ein Fonds könnte ein Weg sein"
Audio [SR 3, Volker Roth, 25.01.2019, Länge: 02:53 Min.]
Kommentar: "Ein Fonds könnte ein Weg sein"

Mit dem Wasserpreis-Vergleich liefert der SR zum ersten Mal eine transparente Übersicht über die Gesamtkosten für Wasser und Abwasser im Saarland. Rheinland-Pfalz ist schon einen Schritt weiter: Dort veröffentlicht das Verbraucherschutzministerium zentral die Kosten der teilnehmenden Versorger und Kommunen. Auf einen Blick lässt sich erkennen, wie der eigene Versorger und die eigene Kommune im Landesvergleich preislich liegen und wie diese mit den Einnahmen aus der Wasserrechnung wirtschaften.

Der saarländische Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD) zeigte sich einem solchen Angebot gegenüber aufgeschlossen. Derzeit liefen generelle Planungen, um die Wasserversorgung langfristig zu sichern, sagte Jost dem SR. Dabei sei auch ein solcher Kostenvergleich denkbar.


Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 24.01.2019 berichtet.

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