Grüner Spross und Geldmünzen, Geldanlage  (Foto: IMAGO / Christian Ohde)

Nachhaltige Geldanlagen – und woran man sie erkennt

  07.08.2022 | 19:01 Uhr

Sparanlagen, Investmentfonds oder Aktien – beim Geldanlegen gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Nun soll es durch neue Vorgaben der EU auch einfacher werden, dabei auch auf Nachhaltigkeit zu achten. Woran erkennt man nachhaltige Anlagen und wie grün sind sie wirklich?

Welches Risiko bin ich bereit einzugehen? Über welchen Zeitraum möchte ich Geld anlegen? Welche Summe kann und möchte ich einzahlen? Diese Fragen sind Standard in Beratungsgesprächen mit Finanzberaterinnen und -beratern. Neuerdings soll in solchen Gesprächen eine weitere Frage hinzukommen: Möchte ich mein Geld nachhaltig anlegen?

Das geht aus einer neuen Verordnung der EU hervor, die in dieser Woche in Kraft getreten ist. Die neuen Richtlinien sollen dafür sorgen, dass der Wertpapierverkauf transparenter wird und das Thema Nachhaltigkeit im Finanzsystem mehr in den Fokus rückt.

Nachhaltige Investitionen

Doch was sind eigentlich nachhaltige Geldanlagen und wie erkennt man sie? Bei dieser Frage gibt es trotz der neuen Verordnung noch immer einige Fallstricke, erklärt der Experte für Geldanlagen bei der Verbraucherzentrale Saarland Konrad Diwo.

Eine nachhaltige Wirkung habe eine Geldanlage vor allem dann, wenn Unternehmen dadurch zu nachhaltigem Handeln bewegt werden. Diwo erklärt, dass das vor allem bei Direktinvestments der Fall ist, also bei Investitionen in Solarparks, Windräder oder Wälder. Hier seien die Risiken aber deutlich höher als bei anderen Anlageklassen.

Eigener Anspruch an Nachhaltigkeit

Auch nachhaltige Investmentfonds können dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Aus solchen Fonds können bestimmte Unternehmen, zum Beispiel aus der Öl- oder Rüstungsindustrie, ausgeschlossen werden. Doch "die bisherige Wirkung ist vor allem indirekter Natur", so Diwo.

Insgesamt bezeichnet er das Angebot an nachhaltigen Produkten als "groß und unübersichtlich". Um mehr Durchblick zu bekommen, sollten sich Anlegerinnen und Anleger vor ihrem Beratungsgespräch schon über die Auswahl informieren und ihre eigenen Erwartungen an Nachhaltigkeit definieren.

Label "nachhaltig" nicht geschützt

Denn einheitliche Mindeststandards für die Begriffe "grün" oder "nachhaltig" gebe es bislang nicht. Prinzipiell erkenne man nachhaltige Produkte an den Zusätzen "ESG" (environmental, social, governance, dt. Umwelt, Soziales, gute Unternehmensführung) oder "SRI" (socially responsible investment, dt. sozial verantwortliche Investition). "Wie nachhaltig diese Produkte tatsächlich sind, lässt sich aber nicht aus dem Namen ableiten", schränkt Diwo ein.

So habe zum Beispiel auch die aktuelle Entscheidung der EU, Gas- und Atomkraftwerke als klimafreundlich einzustufen, Auswirkungen auf solche Nachhaltigkeitsfonds.

"Greenwashing" vermeiden

Oftmals versprechen Produkte mehr, als sie einhalten können, sagt Diwo. Das bezeichnet man als "Greenwashing".

Um das zu durchblicken, verweist Diwo auf Bewertungen von Stiftung Warentest. Die Verbraucherorganisation überprüfe regelmäßig die Auswahlkriterien von Investmentfonds. Die Ergebnisse solcher Überprüfungen können bei einer ersten Orientierung helfen.

Bei nachhaltigen Anlagen noch Luft nach oben

Die Verbraucherzentrale kommt zu dem Schluss, dass bei nachhaltigen Geldanlagen gesetzlich noch einiges getan werden müsse. Die neue Pflicht, nachhaltige Anlagemöglichkeiten bei Beratungen anzubieten, treffe zwar den Zeitgeist. Denn viele Anlegerinnen und Anleger wollen aus Sicht der Verbraucherzentrale "einen Beitrag zur sozial-ökologischen Wende von Wirtschaft und Gesellschaft leisten".

Allerdings müssen sich Verbraucherinnen und Verbraucher auf eine Wirkung verlassen können. Das heißt, Nachhaltigkeitsversprechen müssen eingehalten werden. Anderenfalls müssten laut Verbraucherzentrale die Anbieter haftbar gemacht werden können. Hier sei noch mehr Regulierung notwendig.

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