Warnstreik der Textilindustrie IG Metall Völklingen (Foto: SR)

Warnstreik in der Textilindustrie

Pasquale D’Angiolillo / Onlinefassung: Axel Wagner   01.02.2019 | 21:53 Uhr

Die IG Metall Völklingen hat in der Nacht die Beschäftigten von Motus Headliner GmbH in Überherrn zum Warnstreik aufgerufen. Grund war die zweite, ergebnislose Verhandlungsrunde in den Textilen Branchen. Die IG Metall verhandelt bundesweit. Um Mitternacht endete die Friedenspflicht, und die Gewerkschaft machte direkt ernst. Im Saarland war es der einzige Betrieb der bestreikt wurde.

Für die Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsindustrie ist das Angebot der Arbeitgeberseite nicht akzeptabel. In zwei Stufen bieten sie eine Lohnerhöhung von 1,7 Prozent bei einer Laufzeit von 28 Monaten an. Die Gewerkschaft fordert deutlich mehr, unter anderem 5,5 Prozent für zwölf Monate.

Video [aktueller bericht, 01.02.2019, Länge: 2:31 Min.]
Warnstreik der Textilindustrie IG Metall Völklingen

Angebot ist nicht genug

„Wir haben in dieser Branche erheblichen Nachholbedarf,“ sagt Lars Desgranges, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen. „Darüber hinaus fordern wir eine Verbesserung der Altersteilzeit und die Möglichkeit, dass Tariferhöhungen auch zukünftig in arbeitsfreie Tage umgewandelt werden können, wenn die Beschäftigten dies wollen, weil sie diese Situation vielleicht für ihre persönliche Lebensfrage gerade so stellen müssen.“

Betriebsratsvorsitzende Gisela Tiefensee-Naaber meint: „1,7 Prozent machen bei unserer Lohngruppe drei gerade mal 25 Cent pro Stunde aus, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. 25 Cent pro Stunde!“

Deshalb hält die Betriebsratsvorsitzende das Angebot der Arbeitgeber für viel zu gering, um die Situation in der Branche zu verbessern.

„Wir stehen bei den Textilern auf Platz 47 von den Lohngruppen hier in Deutschland. Auf Platz 47 von 50! Das heißt wir kommen aus einem ganz niedrigen Niveau. Das Problem dabei ist, dass wenn wir prozentuale Erhöhungen von1,7 Prozent geboten bekommen, wir aus diesem Tal einfach nicht raus kommen. Das ist für unsere Kolleginnen und Kollegen nicht genug.“

Arbeitnehmer wollen kämpfen

Die Beschäftigten zeigen sich deshalb kämpferisch. „Wir können die Warnstreiks noch ausweiten“, so Desgranges. „Wir haben weitere Betriebe die auch dazu führen, dass in der saarländischen Automobilindustrie alle Räder still stehen. Wir wollen das nicht. Aber wenn man die IG Metall und die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb eben dazu zwingt, weil man ihnen kein vernünftiges Angebot auf den Tisch legt das verhandelbar ist, dann können wir keinen anderen Weg einschlagen, als noch eine Schippe drauf zu legen.“

Im Saarland haben sich insgesamt 120 Arbeitnehmer an den Warnstreiks beteiligt. Die dritte Verhandlungsrunde findet am 12. Februar in Bielefeld statt. Sollte es dann zu keiner Einigung kommen, wollen deutlich mehr Beschäftigte in den Streik treten.

Über dieses Thema hat auch der „aktuelle bericht“ des SR Fernsehen vom 01.02.2019 berichtet.

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