Foto: Stadt Saarlouis

Erfolgreicher Start für "Wärme aus Deponiegas"

Daniel Dresen   21.01.2020 | 11:25 Uhr

Vor einem halben Jahr ist das bundesweite Modellprojekt "Wärme aus Deponiegas" in Saarlouis angelaufen. Seitdem versorgen mit Deponiegas gefüllte Container zwei Saarlouiser Grundschulen mit Wärme.

"Wärme aus Deponiegas" gilt als eines der Vorzeigeprojekte der Energiewende im Saarland. Es ist eines von rund 40 kommunalen Klimaschutz-Modellprojekten, die das Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative mit insgesamt rund 100 Millionen Euro fördert. Am Montag informierte sich Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) gemeinsam mit Wirtschafts- und Energieministerin Anke Rehlinger (SPD) vor Ort über den aktuellen Stand des Projekts. Wie die Stadt Saarlouis dem SR mitteilt, fällt die Zwischenbilanz nach rund einem halben Jahr positiv aus.

"Die Anlage ist seit Oktober im Einfahrbetrieb und hat seitdem bereits rund 15 Prozent der erwarteten Einsparung erreicht", sagt Sprecher Sascha Schmidt. Das System verspricht an den beiden Grundschulen "In der Bruchwiese" und "Im Vogelsang" jährlich ein Einsparpotenzial von jeweils knapp 40 Tonnen CO2.

Ingenieure lernen vom System

Hintergrund: Das in der stillgelegten EVS-Deponie Lisdorfer Berg entstandene methanhaltige Deponiegas wird weiterverarbeitet und zu Wärme umgewandelt. Die Wärme transportieren spezielle Container zu den beiden Grundschulen. Dort entfällt dann der zusätzliche Verbrauch von Energie zum Beheizen der Gebäude.

Laut Mitteilung der Stadt Saarlouis funktioniert das System wie erwartet. "Dabei ist zu bedenken, dass wir uns zurzeit in der ersten Heizperiode befinden und es sich bei der Anlage um ein Modellprojekt handelt. Das bedeutet, dass momentan auch technisch verschiedene Dinge durchgespielt werden, um das System weiter zu verbessern. Die Ingenieure lernen von dem System", erklärt Schmidt. Es sei eine "immense Herausforderung", die drei verschiedenen technischen Systeme Deponie, Container und Wärmesenken in den Schulen aufeinander abzustimmen.

Anlage in 14 Jahren amortisiert

Die Anlage hat rund 600.000 Euro gekostet, rund 390.000 Euro hat der Bund als Fördermittel zugeschossen. Die Restkosten hat die Stadt Saarlouis übernommen. Bis sich die Investition in die Saarlouiser Energiewende rechnet, sollen bis zu 14 Jahre vergehen. Mittelfristig sei angedacht, die Biomassefeuerungsanlage, die mit städtischem Grünschnitt betrieben wird, als zweite Wärmequelle neben dem Deponiegas für das System zu verwenden. In dem Fall sollen auch weitere Gebäude angeschlossen werden.

"Für diese Art der effizienten und originellen Nutzung von Abwärme gibt es mittlerweile schon Interesse über dieses Projekt hinaus. Das zeigt, dass hier in Saarlouis ein wirkliches Modell mit Strahlkraft geschaffen wurde, das auch für andere Anwendungen denkbar ist – zum Beispiel für die Nutzung von Grubengas", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze bei ihrem Besuch.

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