Das Zählwerk in einem Gaszähler dreht sich und zeigt den Verbrauch von Gas in einem Privathaushalt an (Foto: picture alliance/dpa | Jens Büttner)

Sonderzahlung im Dezember, Gaspreisbremse ab März

mit Informationen von Marc-André Kruppa   10.10.2022 | 20:23 Uhr

Eine Einmalzahlung im Dezember und ab März ein Preisdeckel für 80 Prozent des bisherigen Verbrauchs: Das sind die Eckpunkte für eine mögliche Gaspreisbremse. Wie bewerten saarländische Verbände den Vorschlag?

Bis tief in die Morgenstunden des Montagmorgens hat die Expertenkommission der Bundesregierung zur Gaspreisbremse getagt. Am Ende kam eine Idee für ein zweistufiges Modell heraus. Der Staat solle in einem ersten Schritt die Abschlagszahlung für den Monat Dezember übernehmen - so der Vorschlag des Gremiums aus Vertretern von Verbänden, Gewerkschaften, Wissenschaft und Bundestag.

Video [aktueller bericht, 10.10.2022, Länge: 3:04 Min.]
Was die Gaspreisbremse für Industrie und Verbraucher bedeutet

Grundbedarf auf zwölf Cent gedeckelt

Ab März soll dann die eigentliche Preisbremse greifen: Für 80 Prozent des bisherigen Verbrauchs soll der Bruttopreis bei maximal zwölf Cent pro Kilowattstunde gedeckelt werden - inklusive Steuern oder Netzentgelte. Fernwärmekunden sollen einen garantierten Preis von 9,5 Cent je Kilowattstunde Fernwärme bekommen, wiederum für ein Grundkontingent von 80 Prozent des Verbrauchs. Darüber hinaus schlagen die Fachleute einen Härtefallfonds für Mieter und Wohnungseigentümer sowie zusätzliche Hilfen für besonders betroffene Unternehmen vor.

Für große Industriebetriebe soll ab Januar eine eigene Gaspreisbremse greifen. Das bringt zwar kurzfristig Entlastung - die Industrie- und Handelskammer sieht aber auch langfristig große Herausforderungen: Denn der Gaspreis werde wohl auch auf lange Sicht nicht mehr so stark sinken. "Fachleute gehen hier von zwölf Cent pro Kilowattstunde aus. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor der Krise", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Frank Thomé. Die Wirtschaft müsse sich radikal umbauen.

Zweistufiges Modell zur Gaspreisbremse
Audio [SR 3, Marc-André Kruppa, 10.10.2022, Länge: 03:01 Min.]
Zweistufiges Modell zur Gaspreisbremse

Energieversorger: "Geht in die richtige Richtung"

Der Geschäftsführer des Verbandes der Energie- und Wasserwirtschaft des Saarlandes, Klaus Blug, bewertet den Vorschlag zur Gaspreisbremse grundsätzlich positiv: "Es geht in die richtige Richtung." Blug verweist zudem darauf, dass am Montag nur ein Zwischenbericht vorgelegt wurde. "Der endgültige Bericht mit flankierenden Maßnahmen wird Ende Oktober veröffentlicht werden."

Viele Details seien noch nicht klar, so Blug. Etwa, wie die Energieversorger das Geld vom Bund erhalten, dass sie ja sonst über die Abschlagszahlung der Verbraucher bekommen würden.

Maßgebliche Reduzierung - oder doch zu wenig?

Die Gaspreis-Deckelung hält Blug im Rahmen der Möglichkeiten für angemessen. Vor der Ukraine-Krise habe der Gaspreis für Neukunden im Durchschnitt bei sechs bis sieben Cent pro Kilowattstunde gelegen - aktuell seien es 28 bis 30 Cent pro Kilowattstunde. "Eine Deckelung auf zwölf Cent ist schon eine maßgebliche Reduzierung", sagte Blug.

Aber ist die Entlastung groß genug, um gerade die finanziell schwächeren Haushalte vor einer Pleite zu bewahren? Diese Frage beantwortet Esther Sabokat von der Verbraucherzentrale Saar mit einem klaren Nein. Gerade die vom Staat übernommene Abschlagszahlung hält sie für unsinnig: Die Gaspreise hatten sich verdoppelt und stiegen womöglich noch weiter. Mit der einen Abschlagszahlung würden aber gerade mal acht bis zehn Prozent der vorhersehbaren Rechnung übernommen. "Für Leute, die wenig Geld haben und jetzt schon nicht wissen, wie sie es bezahlen sollen, ist das ein Tropfen auf den heißen Stein", so Sabokat.

Die Verbraucherzentrale warnt zudem davor, die Übernahme der Abschlagszahlung im Dezember als Freibrief für unbeschwertes Heizen zu sehen. Denn es werde nur die Zahlung - berechnet auf Basis früherer Verbrauchswerte -übernommen. Nicht der tatsächliche Verbrauch.

VdK: Preisbremse kommt zu spät

Dem Sozialverband VdK gehen die Vorschläge nicht weit genug. Er kritisiert vor allem, dass die Unterstützung für die Verbraucher erst im Frühjahr kommen soll. "Eine Gaspreisbremse erst im März ist definitiv zu spät. Wenn wir im Dezember den ersten Entlastungsschritt bekommen, dann muss es im Januar - wenn der Winter wirklich da ist - auch entsprechend weitergehen", sagte VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn.

Über dieses Thema berichtete die Region am Nachmittag auf SR 3 Saarlandwelle am 10.10.2022.

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