Weihnachten. Jesus in der Krippe (Foto: dpa/Sven Hoppe)

Kirchen im Saarland bereiten sich auf Weihnachten vor

Daniel Dresen   14.09.2020 | 10:22 Uhr

Vollbesetzte Weihnachtsgottesdienste sind zu Corona-Zeiten kaum möglich. Die Kirchen im Saarland entwickeln deshalb kreative Lösungen: Freiluftgottesdienste sind genauso denkbar wie moderne technische Angebote.

Zwar mussten die Kirchen im Saarland in den vergangenen Jahren immense Mitgliederverluste verzeichnen, die Weihnachtsgottesdienste erfreuen sich aber nach wie vor großer Beliebtheit.

Wie diese in Corona-Zeiten gelingen können, darüber machen sich die Kirchen im Saarland bereits ihre Gedanken. "Die mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen werden sicherlich Personen von einer Teilnahme abschrecken, insbesondere solche, die zu einer Risikogruppe gehören. Nichtsdestotrotz gehen wir davon aus, dass die Nachfrage das logistisch leistbare Angebot um ein Vielfaches übersteigen wird", prophezeit Rieke Eulenstein, Sprecherin der evangelischen Kirchenkreise an der Saar.

Mehr Messen, aber kürzer

Da in kleineren Kirchen nach den aktuellen Hygienevorgaben nur wenige Menschen gemeinsam Gottesdienst feiern dürfen, prüfen die Kirchengemeinden Alternativen. Es gibt beispielsweise Gemeinden, die versuchen, durch zusätzliche Gottesdienste an den Weihnachtsfeiertagen den erwarteten Ansturm zu entzerren.

So auch die Evangelische Kirchengemeinde Dudweiler/Herrensohr, die an Heiligabend neun statt der üblichen vier Gottesdienste anbieten will. Um das zu realisieren, werden ehrenamtliche Prädikanten und Ruhestandspfarrer eingebunden.

Andere Gemeinden prüfen alternative Veranstaltungsorte. Die Evangelische Kirchengemeinde Alt-Saarbrücken zum Beispiel möchte ihre Gottesdienste als Open-Air-Veranstaltungen auf dem Ludwigsplatz anbieten. Eine Kirchengemeinde sei zudem im Gespräch mit einem Supermarkt, um die Gottesdienste auf einem Parkdeck durchführen zu können. Eine andere möchte eine lokale Rundfunkfrequenz mieten und Radiogottesdienste anbieten.

Online-Ideenbörse zum Mitmachen

Auch über Auto-Gottesdienste oder Gottesdienste in Zelten werde nachgedacht. Live-Streaming sei auch ein Thema, wenn vor Ort die technischen Möglichkeiten vorhanden sind. "Die Herausforderung wird es sein, trotz aller Hygienemaßnahmen eine angemessene Atmosphäre zu schaffen", sagt Eulenstein.

Um ihre Mitglieder miteinzubeziehen, hat die Evangelische Kirche im Rheinland eine Online-Ideenbörse zum Thema "Advent und Weihnachten" ins Leben gerufen.

Parallel dazu erarbeiten die Presbyterien, Ausschüsse und Arbeitsgruppen derzeit Konzepte. "Was jetzt schon klar scheint, ist, dass die Gottesdienste zumeist kürzer sein werden als an Weihnachten sonst üblich. Das hängt damit zusammen, dass Ende Dezember immer mit schlechter Witterung zu rechnen ist, was die Länge für Open-Air-Gottesdienste begrenzt", so Eulenstein.

Zum anderen muss zwischen den Gottesdiensten mehr Zeit eingeplant werden müssen, um das geordnete Kommen und Gehen der Besucher und weitere Maßnahmen zum Infektionsschutz wie die Desinfektion zu gewährleisten.

Ausweichen in Stadien oder Wäldern

In den Gremien der Evangelischen Landeskirche der Pfalz werden aktuell mehrere Szenarien gedanklich durchgespielt. Neben Messen in Fußballstadien und auf großen Plätzen könnte eine Waldweihnacht im Grünen unter freiem Himmel eine Alternative zum Kirchgang sein. Realistisch in der Umsetzung erscheinen auch Kurzgottesdienste. Nach Auskunft von Sprecher Andreas Rummel soll es ebenfalls eine Internet-Plattform geben, auf der Ideen der Gemeinden gesammelt und ausgetauscht werden können.

Dorfplätze nutzen

Bei der Katholischen Kirche, in den Bistümern Trier und Speyer sind die Planungen noch nicht ganz so konkret. Unter anderem das Deutsche Liturgische Institut entwickelt nach Auskunft des Bistums Trier derzeit Formate für die Weihnachtstage.

Ein neues Format könnten beispielsweise Freiluftgottesdienste auf Dorfplätzen darstellen. "Wir sind dankbar, dass schon in einigen Pfarreien die Planungen mit ersten Überlegungen und Ideen begonnen haben. Auf der Homepage des Bistums werden wir eine Seite einrichten, auf der gute Ideen und Konzepte veröffentlicht und geteilt werden können", erklärt Sprecherin des Bistums Trier, Judith Rupp.

Markus Herr, Sprecher des Bistums Speyer, teilt auf SR-Anfrage mit, dass auf allen Ebenen des Bistums derzeit geprüft wird, welche Umsetzungsmöglichkeiten für Weihnachtsgottesdienste bestehen. Konkrete Ergebnisse konnte er dabei noch nicht nennen.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 14.09.2020 berichtet.

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