Das Kohlekraftwerk der Steag in Völklingen Fenne im Jahr 2020.  (Foto: IMAGO / BeckerBredel)

Wie gut sind die Kohlekraftwerke im Saarland vorbereitet?

  26.07.2022 | 12:52 Uhr

Gazprom will nur noch ein Fünftel der möglichen Gas-Kapazität nach Deutschland liefern, jeden Tag könnte es ganz abgedreht werden. Steinkohlekraftwerke sollen mögliche Energieengpässe abfedern - im Saarland wären das Quierschied, Bexbach und Fenne. So einfach ist das aber nicht.

Kohlekraftwerke, auch im Saarland, sollen wegen der Energiekrise im kommenden Winter vorübergehend viele Gaskraftwerke ersetzen. Die Werke des Konzerns Steag in Quierschied und Bexbach sind seit Mai 2017 sogenannte Reservekraftwerke. Das heißt, sie sind zurzeit nicht am Netz, können aber innerhalb von zehn Stunden aktiviert werden, um so Stromengpässe im Netz auszugleichen. Das Kraftwerk in Völklingen-Fenne sollte ursprünglich Ende des Jahres stillgelegt werden, wird jetzt aber wohl länger am Markt bleiben.

Probleme beim Personal

Startklar für den Betrieb wären also alle drei Werke. Doch haben sie auch genügend Personal? Probleme könnte es dahingehend beim Kraftwerk in Völklingen-Fenne geben, wie Markus Hennes, Leiter der Unternehmenskommunikation bei Steag, im Gespräch mit dem SR sagte.

Video [aktueller bericht, 25.07.2022, Länge: 2:34 Min.]
Noch offene Fragen für Betrieb der saarländischen Kohlekraftwerke

"Wir sind davon ausgegangen, dass wir die beiden Kraftwerksblöcke in Fenne nicht über den 31. Oktober dieses Jahres hinaus betreiben werden." Bei den Personalplanungen habe das Kraftwerk insofern keine Rolle mehr gespielt.

"Wir müssen uns jetzt darum kümmern, die dadurch entstandenen Lücken zu füllen", sagt Hennes. Schulungen müssten im "Turbo-Modus" umgesetzt werden. Denkbar sei zudem, dass zunächst nur einer der beiden Blöcke betrieben wird.

Logistische Herausforderung

Doch Engpässe gibt es auch in der Binnenlogistik, unter anderem im Bahnverkehr bei Waggons, Lokomotiven, Betriebspersonal und Trassenkapazitäten. Dadurch kommt es zu Herausforderungen beim Import der Kohle aus den USA, Australien, Südafrika und Kolumbien. Sie wird von den Häfen in Rotterdam, Amsterdam und Antwerpen mit Zügen ins Saarland geliefert.

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Audio [SR 3, Interview: Markus Hennes, Dorothee Scharner, 26.07.2022, Länge: 05:26 Min.]
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Zwar hätten die Kraftwerke im Saarland schon einige Kohle-Vorräte angehäuft, so Hennes. Diese reichten allerdings höchstens für eine Woche. "Wir werden die nächsten drei Monate also vor allem dafür nutzen, die Vorräte aufzustocken."

Die saarländischen Kohlekraftwerke könnten 25 Prozent der deutschen Gaskraftwerke im kommenden Winter ersetzen, wenn sie "jeden Tag rund um die Uhr laufen würden", sagt Hennes.

Über dieses Thema hat auch SR 3 Region am Mittag am 26.07.2022 berichtet.

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