Vlexx Regionalbahn (Foto: imago images / Rüdiger Wölk)

Ministerium will Vlexx abmahnen

  18.02.2020 | 20:42 Uhr

Wegen der zahlreichen Zugausfälle und Verspätungen hat das saarländische Wirtschaftsministerium Vlexx eine Abmahnung angekündigt. Das Unternehmen muss zudem durch einen Wirtschaftsprüfer seine Leistungsfähigkeit nachweisen. Vlexx selbst zeigt sich zuversichtlich.

Als Grund für die Ausfälle habe Vlexx hohe Krankenstände im Unternehmen genannt, sagte Barke dem SR. Das sei aber alleine vom Unternehmen zu verantworten. „Natürlich muss man immer auch in einer Personalplanung damit rechnen, dass Leute krank sind. Deshalb hat das Unternehmen dafür zu sorgen, dass hinreichend gut ausgebildetes Personal da ist.“ Die derzeitigen Missstände, so Barke, seien „dringend abzustellen“.

Video [aktueller bericht, 18.02.2020, Länge: 3:49 Min.]
Betriebsrat Thomas Bock kritisiert die Lage bei Vlexx

Zweifel an Leistungsfähigkeit

Staatssekretär Barke: VLEXX muss Leistungsfähigkeit nachweisen
Audio [SR 3, Interview: Gerd Heger, 18.02.2020, Länge: 04:27 Min.]
Staatssekretär Barke: VLEXX muss Leistungsfähigkeit nachweisen

Aus diesem Grund kündigte das Ministerium dem Unternehmen eine schriftliche Abmahnung an. Diese sei, so Barke, „verbunden mit der weiteren Aufforderung, dass sie uns über einen Wirtschaftsprüfer die personelle und finanzielle Leistungsfähigkeit des Unternehmens nachweisen müssen, weil nach unserem Stand heute erhebliche Zweifel daran bestehen.“

Das Unternehmen habe diesen Zweifeln widersprochen, so Barke. „Deswegen erwarte ich jetzt von einem Wirtschaftsprüfer eine entsprechende Darstellung, dass das Unternehmen in der Lage ist, wirtschaftlich und personell seinen Verpflichtungen, die sie mit dem Vertrag eingegangen sind, auch nachzukommen.“ Das soll nach Angaben des Ministeriums in Quartalsberichten erfolgen.

Vlexx erwartet Normalisierung

Eine Kündigung des Vertrages schloss Staatssekretär Jürgen Barke zunächst jedoch als übereilt aus aus. „Eine Vertragskündigung macht den Verkehr jetzt erst einmal nicht stabiler.“ Man müsse zunächst schauen, „dass die vertraglich zugesicherte Leistung auch von Vlexx erfüllt wird“. Das habe er bei dem Gespräch noch einmal „sehr massiv eingefordert“ und auch Lösungsvorschläge gemacht.

Video [aktueller bericht, 18.02.2020, Länge: 3:03 Min.]
Abmahnung für Vlexx angekündigt

Vlexx selbst rechnet nicht damit, dass die Aufträge verloren gehen. Geschäftsführer Frank Höhler sagte dem SR, der „extrem hohe Krankenstand“ bewege sich jetzt langsam wieder in normale Bahnen. „Deswegen glaube ich nicht, dass weitere Schritte notwendig sein werden oder vonseiten des Landes gegangen werden.“

Bock kritisiert Bedingungen bei Vlexx

Kommentar
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Thomas Bock, Betriebsratschef bei der DB Netz und Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) im Saarland, kritisiert die Zustände bei Vlexx heftig. „Jede seriöse Firma macht auch eine seriöse Personalplanung“, sagte Bock im „aktuellen bericht“. Urlaube oder Krankheiten fielen nicht vom Himmel. „Menschen werden krank. Das heißt, da muss man ausreichend Vorsorge betreiben. Das hat der Geschäftsführer der Vlexx offensichtlich vernachlässigt.“

Zugausfälle: Ministerium will Vlexx abmahnen
Audio [SR 3, Karin Mayer, 19.02.2020, Länge: 02:02 Min.]
Zugausfälle: Ministerium will Vlexx abmahnen

Auch an den Bedingungen für die Mitarbeiter ließ Bock kein gutes Haar. „Es ist doch keinem zumutbar, dass man am Bahnhof in Neunkirchen auf eine Dixie-Toilette geht und dann auch noch einen Campingwagen hingestellt bekommt.“ Gerade die Mitarbeiterinnen, so Bock, hätten damit ein massives Problem, besonders jetzt im Winter. „Und dann wundert man sich, dass Kolleginnen und Kollegen krank werden.“

Die Politik, sagte Bock, schaffe es nicht, ein gutes Konzept für den öffentlichen Personennahverkehr auf den Tisch zu legen. Wenn dann Mitarbeiter wegen ausfallender Züge nicht pünktlich zur Arbeit kämen, würden sie eventuell sogar abgemahnt. „Das ist fast wie russisches Roulette.“

Weitere Schritte möglich

Barke rechtfertigte erneut das Ausschreibungsverfahren. Dem günstigsten Anbieter, der zum Zeitpunkt der Ausschreibung leistungsfähig gewesen sei, habe der Zuschlag erteilt werden müssen. „Da gab es an dieser Stelle keine Zweifel. Es war ja auch nicht der erste Verkehr, den Vlexx in Deutschland aufgenommen hat.“ Für die „Sonderproblematik“, die jetzt entstanden sei und die vom Unternehmen gelöst werden müsse, gebe es Sanktionsmöglichkeiten und Strafen, auch eine Kündigung sei am Ende möglich.

Nur müsse man jetzt auch hier die richtigen Schritte gehen. Deshalb habe man die Fehler dokumentiert und eine Abmahnung ausgesprochen. Das Ministerium will jetzt erst einmal abwarten, ob und wie Vlexx nach der Abmahnung für Abhilfe sorgt.

Von den Zugausfällen und Verspätungen betroffenen Kunden rät Vlexx, sich an das Servicecenter Fahrgastrechte zu wenden. Dort werden Entschädigungsfragen sowohl für die Deutsche Bahn als auch für Vlexx bearbeitet.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 18.02.2020 berichtet.

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