Jürgen Rissland (Foto: SR)

Virologe: Zweite Welle hängt von uns ab

  01.08.2020 | 18:52 Uhr

Mit Blick auf die steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen mahnt der Homburger Virologe Jürgen Rissland erneut zur Vorsicht. Ob es wirklich eine zweite Welle geben wird, hänge nach wie vor vom Verhalten jedes Einzelnen ab. Mittlerweile würde allerdings nicht mehr nur die reine Zahl steigen, sondern das Virus verbreite sich wieder flächendeckender.

Im Juni hat es an einzelnen Hotspots in Deutschland mehrere hunderte Neuinfektionen gegeben, zum Beispiel in den Fleischbetrieben in Nordrhein-Westfalen. Diese großen Ausbrüche haben sich jetzt zu einem flächendeckenden Aspekt entwickelt, sagt der Virologe. „Das ist etwas, das uns alarmieren und Anlass geben sollte, sehr genau hinzuschauen, wie sich die Situation weiterentwickelt.“

Keine Alternative für Kitas

"Wieder mehr Infektionen in der Fläche"
Audio [SR 3, (c) SR, 01.08.2020, Länge: 03:14 Min.]
"Wieder mehr Infektionen in der Fläche"

Allerdings hält er es trotzdem für vertretbar, dass Kinder auch mit Schnupfen ab Montag wieder in die Kitas gehen dürfen. Es gebe keine Alternative dazu, denn die Kinder können nicht dauerhaft zu Hause bleiben. Das hätte einerseits soziale Auswirkungen, andererseits könnten die betroffenen Familien die Betreuung auf Dauer nicht leisten.

„Wir werden auch da ein gewisses Risiko eingehen müssen“, sagt Rissland. Das sei Teil eines Experiments: „Wir versuchen aktuell, wie weit wir gehen können und müssen dann eventuell auch eingestehen, dass es Irrtümer gibt.“ In jedem Fall müsse man aber aufmerksam bleiben.

Weiterhin Personalnot in Gesundheitsämtern

Ein erneuter Anstieg würde dazu führen, dass die Gesundheitsämter wieder in Personalnot kommen würden. Dieser Personalmangel sei aber bereits vor der Coronapandemie bekannt gewesen. Nun werde er aber deutlicher.

Die Gesundheitsämter sollen zwar mit dem „Pakt für den öffentlichen Gesundheitsdienst“, der Ende August vereinbart werden soll, wahrscheinlich mehr Personal bekommen, aber die Umsetzung werde eine Zeit lang dauern. Deshalb müssten die Ämter erneut mit Hilfskräften oder Personal aus anderen Abteilungen unterstützt werden, sollten die Zahlen weiter ansteigen.  

Über dieses Thema berichtete SR 3 Saarlandwelle am 01.08.2020.

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