Waschbecken-Produktion bei Villeroy & Boch (V&B) in Mettlach (Foto: SR)

V&B rechnet mit Kurzarbeit und Umsatzausfällen

Peter Sauer / Onlinefassung: Axel Wagner   01.07.2022 | 19:09 Uhr

Die Unsicherheiten bei der Gasversorgung im Zuge des Ukrainekrieges belasten nicht nur Privathaushalte, sondern auch Unternehmen wie den Mettlacher Keramikhersteller Villeroy & Boch. Ein Gaslieferstopp hätte für das Unternehmen weitreichende Folgen.

Seit mehr als 30 Jahren brennt der Ofen in der V&B-Sanitärfabrik in Mettlach quasi pausenlos. Das Herzstück der Produktion wird nur für Wartungsarbeiten heruntergefahren – ein Prozess, der drei Tage dauert. In dem 126 Meter langen Ofen werden WCs und Waschbecken bei bis zu 1200°C gebrannt.

Video [aktueller bericht am Sonntag, 03.07.2022, Länge: 3:05 Min.]
Betrieb Villeroy &Boch ist besorgt aufgrund der Gassituation

Schon jetzt stark gestiegene Preise

Befeuert wird der Ofen wegen der guten Brennwerte mit Gas – und das könnte im Zuge des Krieges in der Ukraine bei einem möglichen Lieferstopp aus Russland zum Problem werden. Vergangene Woche hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die zweite von drei Eskalationsstufen im Notfallplan Gas ausgerufen.

Wie geht Villeroy & Boch mit Gasmangel um?
Audio [SR 3, Peter Sauer, 01.07.2022, Länge: 02:28 Min.]
Wie geht Villeroy & Boch mit Gasmangel um?

In der dritten, der Notfallstufe, würde die Bundesnetzagentur in einer Gasmangellage zuteilen, wer neben den Privathaushalten und der kritischen Infrastruktur noch Gas bekommt. Das Nachsehen könnten dann Unternehmen haben. Die stark gestiegenen Preise belasteten die Produktion von Villeroy & Boch bereits jetzt sehr, erläutert Finanzvorstand Markus Warncke.

Versorgungssicherheit „existenziell“

Noch wichtiger sei aber die Versorgungssicherheit. „Ohne Gas können wir nicht produzieren. Man kann nicht kurzfristig auf andere Heizmittel umstellen. Insofern sind wir existenziell davon betroffen, wenn wir keine Gasversorgung mehr haben“, so Warncke.

Rund eine halbe Million Waschbecken und Toiletten werden in Mettlach pro Jahr hergestellt. Einiges ist mittlerweile automatisiert, Vieles aber nach wie vor Handarbeit. 270 Mitarbeiter arbeiten nonstop in drei Schichten. Ein Gasstopp hätte für sie und das Unternehmen weitreichende Folgen.

Lagerreserven für drei Monate

„Die Mitarbeiter müssten dann auch in Kurzarbeit gehen“, sagt Warncke. „Wir können noch liefern, solange wir Ware am Lager haben.“ Das sei im Durchschnitt für drei Monate gegeben, so der Finanzvorstand. „Aber dann haben wir auch den Umsatzausfall.“

Welche Kriterien für die Verteilung in der dritten Stufe des Notfallplans Gas der Bundesregierung maßgeblich sind, ist Villeroy & Boch bislang nicht bekannt. Sich selbst mit Flüssiggas zu versorgen ist für das Unternehmen nach eigenen Angaben keine Alternative – zu teuer und langwierig.

Umverteilung nach Rumänien und Thailand

Kurzfristig könnten stattdessen Teile der Produktion in die Werke nach Rumänien und Thailand verlegt werden. Beide Standorte haben eine weitgehend unabhängige Gasversorgung. In Mettlach wurden die Werksferien bereits in den Winter verlegt.

Suche nach Zukunftstechnik

Mittel- und langfristig will Villeroy & Boch weg vom Gas. Das brauche aber noch Zeit, so Finanzvorstand Warncke. „Gas ist aus Kostengründen und tatsächlich auch aus Technologiegründen der überlegene Heizstoff. Das machen alle Wettbewerber auch. Wir überlegen, auch aus Gründen der CO2-Reduzierung, auf neue Heiztechnologien zu gehen. Das ist aber ein Prozess, der noch fünf bis zehn Jahre dauern wird.“

Öfen, die mit Wasserstoff oder Strom betrieben werden, sind also noch Zukunftsmusik. Bis dahin kann V&B nur hoffen, dass das Gas weiter nach Mettlach fließt.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Nachmittag vom 01.07.2022 berichtet.

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