Amazon-Logo (Foto: picture alliance/Holger Hollemann/dpa)

Hohe Leiharbeitsquote in neuem Amazon-Zentrum

mit Informationen von Volker Roth / Onlinefassung: Daniel Dresen   27.08.2020 | 17:55 Uhr

Der Online-Versandhändler Amazon wird in seinem neuen Verteilzentrum in Völklingen zum Start zu rund 70 Prozent mit Leiharbeitern arbeiten. Das hat eine Unternehmenssprecherin dem SR auf Anfrage bestätigt.

Wenn Amazon im Herbst sein neues Verteilzentrum in Völklingen-Wehrden eröffnet, sollen 110 Menschen einen neuen Job finden – allerdings werden in der Startphase nur 25 bis 30 bei dem Internet-Unternehmen direkt angestellt. Die anderen kommen als Leiharbeiter zu Amazon.

Normalerweise Quoten von rund zehn Prozent

Hohe Leiharbeitsquote in neuem Amazon-Zentrum
Audio [SR 3, (c) SR/Volker Roth, 27.08.2020, Länge: 00:58 Min.]
Hohe Leiharbeitsquote in neuem Amazon-Zentrum

Bereits vor einigen Wochen suchte die Zeitarbeitsfirma „Randstad“ per Zeitungsannonce und auf diversen Plattformen Versandmitarbeiter für Völklingen. 11,84 Euro beträgt der Stundenlohn. Amazon-Pressesprecherin Nadiya Lubnina bestätigte dem SR, dass Amazon der Kunde ist. Es gehe um Jobs „für“ Amazon, nicht „bei“ Amazon.

In der Logistikbranche ist der Anteil an Leiharbeitern mit 10,8 Prozent höher als in anderen Industrie-Bereichen. Die Quote von 70 Prozent Leiharbeiter bei Amazon-Völklingen bewertet die Arbeitskammer des Saarlandes als "ungewöhnlich".

CDU-Fraktion enttäuscht

Der arbeits- und industriepolitische Sprecher der CDU-Fraktion im saarländischen Landtag, Marc Speicher, kritisiert die Beschäftigungsverhältnisse im neuen Amazon-Verteilzentrum. "Es ist enttäuschend, dass Amazon seinen Ruf bestätigt und auch bei seinem Engagement im Saarland nicht auf eine ordentliche Beschäftigung seiner Mitarbeitenden setzt. Mit 70 Prozent Leiharbeitern den Betrieb hier im Saarland aufzunehmen, ist ein Armutszeugnis", so Speicher.

Lafontaine kritisiert Große Koalition im Bund

Der Linken-Fraktionschef im saarländischen Landtag, Oskar Lafontaine, hat CDU und SPD im Bund vorgeworfen, die Ausbeutung von Leiharbeits-Beschäftigten zu ermöglichen. Lafontaine sagte, schuld daran sei die Agenda-Politik der Großen Koalition in den vergangenen Jahren.

CDU und SPD im Bund hätten aber weder Kraft noch Willen, daran etwas zu ändern. Nach Lafontaines Worten leben Leiharbeiter in ständiger Unsicherheit. Zudem liege ihr Stundenlohn deutlich unter dem Betrag, der nötig wäre, um später eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu erhalten.

Über dieses Thema berichten auch die SR-Hörfunknachrichten vom 27.08.2020.

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