Eine Videokamera am Eurobahnhof in Saarbrücken (Foto: Th. Gerber/SR)

Videoüberwachung in der Testphase

Thomas Gerber / Onlinefassung: Kasia Hummel   25.01.2019 | 13:23 Uhr

Ausspähung unbescholtener Bürger oder ein Beitrag zu mehr Sicherheit in der Stadt? Jahrelang wurde darüber diskutiert, am Freitag nun begann die heiße Phase der Videoüberwachung an sogenannten Kriminalitätsschwerpunkten in Saarbrücken. Am Vormittag wurden auf dem Vordach des Hauptbahnhofs die ersten Kameras installiert. Sie sollen den Vorplatz des Bahnhofs überwachen.

Drei Anbieter sind noch im Rennen. Die werden die nächsten drei Wochen ihre Kameras zunächst am Bahnhofsvorplatz und der Johanneskirche installieren. Die Bilder und unterschiedlichen Kameraperspektiven werden von der Polizei begutachtet. Danach erst wird entschieden, welches System angeschafft wird.

Saarbrücken testet Videoüberwachung
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 25.01.2019, Länge: 03:06 Min.]
Saarbrücken testet Videoüberwachung

Gut 800.000 Euro stehen für das Projekt im Landeshaushalt, wobei neben Johanneskirche und Bahnhof später auch der Vorplatz der Europa-Galerie videoüberwacht werden soll. Alle drei Standorte gelten als sogenannte Kriminalitätsschwerpunkte. Sie erfüllen damit die gesetzlichen Voraussetzungen für das Überwachungsprojekt, das Kritiker aber immer noch an den Überwachungsstaat Big Brother erinnert.

"Es gibt eine Datenschutzverordnung und Richtlinien. Die Dinge, die man nicht braucht, sind in kürzester Zeit gelöscht", erklärt CDU-Innenminister Klaus Bouillon. In der Testphase müssen die Daten innerhalb von 24 Stunden gelöscht werden, später dürfen sie 14 Tage lang gespeichert werden. „Im späteren Echtbetrieb werden die Signale in eine Videoüberwachungszentrale laufen, die in der Führungs- und Lagezentrale untergebracht ist", so Polizeisprecher Stephan Laßotta. Dort seien Kollegen im Einsatz, die die Bilder zu unregelmäßigen Zeiten live begutachten und entscheiden könnten, ob sofort polizeiliche Maßnahmen erforderlich seien. Die Kollegen würden eigens für den Job geschult. Das sei einmalig in Deutschland.

Video [aktueller bericht, 25.01.2019, Länge: 3:04 Min.]
Überwachungskameras am Saarbrücker Hauptbahnhof

"Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wird gesteigert"

Die Gewerkschaft GdP begrüßt das Videoprojekt für Saarbrücken, wobei die Wirksamkeit durchaus fraglich ist. Untersuchungen aus Nordrhein-Westfalen haben keinen signifikanten Rückgang der Straftaten ergeben, allenfalls bei Diebstählen – bei Gewaltdelikten aber, die meist im Affekt geschehen, änderte sich wenig bis gar nichts: “Affekttaten werden wir durch die Videoüberwachung nicht verhindern können, aber das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung wird gesteigert", erklärt GdP-Chef David Maaß. Im Bereich der Rauschgiftkriminalität an der Johanneskirche werde es vermutlich durch die Installation zu Verdrängungseffekten und zur Verlagerung des Schwerpunktes in andere Straßen kommen. "Dann müssen wir sehen, inwiefern die Videoüberwachung dort noch effektiv ist“.

Über dieses Thema wurde auch in den SR-Hörfunknachrichten vom 25.01.2019 berichtet.

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