Symbolbild: Negativzins (Foto: IMAGO/Michael Weber)

Sparen? Kostet Zinsen

  04.04.2021 | 08:41 Uhr

Die Negativ-Zinspolitik der Europäischen Zentralbank hat auch für Privatkunden Auswirkungen. Immer mehr Banken erheben Gebühren auf höhere Einlagen. Meistens trifft es Neukunden, aber nicht mehr ausschließlich.

Minus statt Plus: Für Sparer drehen sich zunehmend die Vorzeichen vor den Zinsen. Ihre Einlagen bringen ihnen keine Erträge mehr, sondern verursachen Kosten. Denn immer mehr Banken erheben ab einem gewissen Betrag Gebühren, sogenannte Verwahrentgelte. Oder auch: Negativzinsen.

So erhalten Neukunden der Sparda-Bank mit der Rechnung fürs erste Quartal 2021 für Einlagen auf Giro- und Tagesgeldkonten, die 50.000 Euro übersteigen, eine Abbuchung von 0,5 Prozent. Und bei den Neukunden wird es wohl nicht bleiben. Auch wer schon länger ein Konto bei der Bank hat, könnte dafür bald eine Abgabe leisten müssen. Rund 3000 Anschreiben seien an Bestandskunden herausgegangen, mit denen man "eine gemeinsame Lösung finden" wolle, sagt Pressesprecher Andreas Manthe.

Negativzins bis zu 0,75 Prozent

Bei der Bank 1 Saar werden schon länger auch für Bestandskunden Gebühren fällig. In der Regel seien das 0,5 Prozent - wie es dem von der Europäischen Zentralbank vorgegebenen Einlagesatz entspricht. Außerdem gebe es grundsätzlich unterschiedlich hohe Freibeträge zwischen 100.000 Euro und 250.000 Euro, sagt der Vorstandsvorsitzende Carlo Segeth.

Negativzinsen für Einlagen
Welche Sparkassen Verwahrentgelt erheben

Bei Neukunden kann der Zinssatz allerdings auch 0,75 Prozent betragen. Segeth begründet das unter anderem mit Kosten für die Einlagensicherung. Denn viele Kunden würden seit der Corona-Pandemie ihre Einlagen nur kurzfristig aus Sicherheitsgründen bei der Bank parken und ansonsten keine Geschäfte mit ihr tätigen. Segeth betont aber, dass bei seiner Bank nur bei deutlich unter einem Prozent der privaten Konten tatsächlich auch Verwahrentgelte anfielen.

Anlagealternativen als Ausweg?

Die Banken legen Wert darauf, dass Verwahrgebühren nur nach individuellen Einzelvereinbarungen mit den Kunden erhoben werden. Im Dialog versuche man, Alternativen für die Anlage höhere Summen aufzuzeigen.

Dass dies allerdings in manchen Fällen mit dem Hinweis auf eine mögliche Kündigung auch langjähriger Konten verbunden werde, kritisiert die Verbraucherzentrale des Saarlandes. Das setze die Kunden zusätzlich unter Druck, sagt Finanzberater Konrad Diwo. "Droht Ihre Bank offen mit Kündigung des Girokontos, sollten Sie die Vereinbarung aber nur dann verweigern, wenn Sie bereit sind, Ihre Bank notfalls zu wechseln."

Auch Diwo sieht alternative Anlagen als mögliche Lösung. „Wichtig ist, dass die Alternativen zu den eigenen Anlagezielen, zur Risikoneigung und zum Anlagehorizont passen“, erläutert er. Im Zweifel solle man Teile seiner Gelder auf andere Kreditinstitute übertragen oder einen Kontowechsel in Betracht ziehen.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja