Schutzmaßnahmen, Saarbrücken (Foto: imago images / Ralph Peters)

Verkaufsoffener Sonntag sorgt für Kritik

  26.11.2020 | 08:12 Uhr

Verkaufsoffene Sonntage locken in der Vorweihnachtszeit traditionell Zehntausende Menschen in die saarländischen Innenstädte. Auch am kommenden Sonntag werden in vielen saarländischen Städten Geschäfte öffnen. Menschenmassen zu Zeiten der Pandemie? Die Gewerkschaft Verdi übt heftige Kritik, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) plädiert dagegen für noch mehr verkaufsoffene Sonntage im nächsten Jahr.

Verkaufsoffener Sonntag sorgt für Kritik
Audio [SR 1, Julia Lehmann, 27.11.2020, Länge: 02:23 Min.]
Verkaufsoffener Sonntag sorgt für Kritik

Am ersten Adventssonntag werden wohl in mehreren großen saarländischen Städten die Geschäfte geöffnet sein. Nach einer Umfrage des SR beteiligen sich voraussichtlich Saarbrücken, Saarlouis, Neunkirchen und Homburg am verkaufsoffenen Sonntag. Zwar werben die Städte nach eigenen Angaben nicht aktiv dafür, um nicht zu viele Menschen anzulocken, am verkaufsoffenen Sonntag festhalten will man aber trotzdem.

Einzelhandel wirbt mit Entzerrung

Der Landesverband Einzelhandel im Saarland verteidigt das ebenfalls im Gespräch mit dem SR. Geschäftsführer Fabian Schulz sagte: "Wir wollen dazu beitragen, dass sich das Weihnachtsgeschäft entzerrt." Gleichzeitig wolle man den Menschen ermöglichen, ihre Geschenke im stationären Handel zu kaufen und ein bisschen Weihnachtsstimmung verbreiten."

Harte Kritik von Verdi

Bei der Gewerkschafts Verdi findet man für diese Argumentation harte Worte. Alex Sauer, Gewerkschaftssekretär für den Bereich Handel im Verdi-Bezirk Rheinland-Pfalz Saarland sagte dem SR: "Ein verkaufsoffener Sonntag unter den derzeitigen Bedingungen, mit der Argumentation die Verkaufsströme im Vorweihnachtsgeschäft entzerren zu wollen, ist schlicht die Leute verarscht."

"Jeder weiß doch, was passiert, wenn zum Beispiel die Landeshauptstadt verkaufsoffen ist", sagt Sauer. Beim letzten Mal seien 30.000 Menschen in die Stadt geströmt. "Diese Menschen kommen extra hierher zum zu shoppen und zu bummeln. Das entzerrt nicht, das konzentriert die Besucherströme", so Sauer.

Sicherheitspersonal nötig?

Der Einzelhandelsverband setzt dem entgegen, man werbe nicht aktiv für den verkaufsoffenen Sonntag. Probleme sieht Schulz eher darin, wenn bundesweit eine 25-Quadratmeter-Regel für die Geschäfte eingeführt werde. Dann müssten wohl alle Händler Sicherheitspersonal an den Türen einsetzen, die verärgerte Kunden abweisen.

Unklar wo wirklich geöffnet ist

Unklar ist aber auch, wie viele Geschäfte nun tatsächlich am Sonntag verkaufsoffen sein werden. In Saarlouis beteiligt sich beispielsweise das Kaufhaus Piper nicht. In Merzig und in St. Wendel macht der Handelsverband zwar auch nicht mit, aber zumindest in Merzig werden einzelne Geschäfte wohl trotzdem öffnen.

Linke übt Kritik

Auch die Linke steht dem verkaufsoffenen Sonntag in ablehnender Abhaltung gegenüber. Während Gastronomie, Kultur und Freizeitsport wegen Corona auf "fast null gefahren sind", soll der Einzelhandel mit verkaufsoffenen Sonntagen gefördert werden, kritisierte Saar-Linken-Chef Thomas Lutze. „Auch unabhängig von der Corona-Pandemie steht die Linke ablehnend zu verkaufsoffenen Sonntagen. Gerade für die Beschäftigten im Einzelhandel ist dies eine zusätzliche Belastung, für die es keinerlei Rechtfertigung gibt", so Lutze.

Altmaier für mehr verkaufsoffene Sonntage 2021

Angesichts der angespannten Lage bei vielen Einzelhändlern hat sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) für mehr verkaufsoffene Sonntage 2021 ausgesprochen. "Ich würde mir wünschen, dass das, was an Umsatzausfällen in diesem Jahr angefallen ist, über weitere verkaufsoffene Sonntage im nächsten Jahr wieder reingeholt werden kann", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag.

Er habe an "alle Landesregierungen und Kommunen die Bitte gerichtet, mit den Öffnungszeiten möglichst großzügig und flexibel umzugehen". Der Erhalt des stationären Einzelhandels in Deutschland sei zudem eine "nationale, ja auch eine patriotische Aufgabe", sagte Altmaier der Zeitung weiter. "Unsere Innenstädte sind das Ergebnis eines historischen Prozesses".

Ein Thema in der Sendung "SR 1 Balser & Mark" am 27.11.2020.

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