Auf einem Tisch stehen Ampullen mit dem Covid-19 Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca (Foto: picture alliance/dpa/Nicolas Armer)

6000 AstraZeneca-Impfdosen im Saarland ungenutzt abgelaufen

Steffani Balle / Onlinefassung: Anne Staut   03.08.2021 | 09:50 Uhr

Im Saarland werden derzeit 6000 Dosen des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca ungenutzt gelagert. Am Wochenende war das Verfallsdatum abgelaufen.

6000 Impfdosen von AstraZeneca liegen "im Sperrbestand", teilte das Gesundheitsministerium auf SR-Anfrage mit. Das heißt: Sie werden weder verwendet, noch an Drittstaaten weiter gegeben, noch nimmt sie der Bund zurück. Dennoch sollen die Dosen laut eines Ministeriumssprechers zunächst nicht vernichtet, sondern noch weiter gelagert werden.

Der Bund hatte am Wochenende mitgeteilt, er nehme nur Impfstoffe zurück, die mindestens noch zwei Monate lang haltbar sind. Das Verfallsdatum für die im Zentrallager des Saarlandes befindlichen Astra-Dosen war nach Auskunft durch das Ministerium mit Juli 2021 angegeben.

Kritik von Linke und Jusos

Kritik kommt nun von saarländischen Linken, die von einem "gesellschaftspolitischen Armutszeugnis erster Güte" sprechen. Schon vor Monaten sei es absehbar gewesen, dass der Impfstoff von AstraZeneca von vielen Menschen auf Grund negativer öffentlicher Berichterstattung eher abgelehnt werde, sagte der Landesschef Thomas Lutze. "Spätestens im Mai hätte die Landesregierung reagieren müssen und diese Medikamente dem Bund für eine andere Verwendung anbieten müssen. Dies versäumt zu haben, ist ein schwerwiegender Mangel der Landesregierung", so Lutze.

"Muss aufgeklärt werden"

Die Jusos im Saarland sprechen von einer Fehlkalkulation. "Die Impfdosen sind ein begrenztes und für viele Länder der Erde nach wie vor kaum zur Verfügung stehendes Gut. Es geht deshalb gar nicht, dass wir im Saarland Impfdosen verfallen lassen, während in vielen anderen Ländern Menschen vergeblich auf eine Impfung warten müssen. Es muss nun aufgeklärt werden, weshalb die Impfdosen nicht rechtzeitig an den Bund oder in andere Länder versandt wurden", fordert die Juso-Vorsitzende Kira Braun.

Keine Verwendung des Impfstoffes möglich

Mehrere Sonder-Impfaktionen des Landes zu Beginn dieses Jahres waren an sich verändernden Empfehlungen zur Verwendung von Astra-Impfstoff gescheitert. Schon im April hatten die Impfzentren des Landes diesen Impfstoff nicht mehr angeboten, weil die Nachfrage danach zu gering geworden war.

Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) hatte sich zudem dafür eingesetzt, die übrig gebliebenen Impfdosen in Länder zu verschicken, die dringend auf Impfstoff angewiesen sind. Das hatte der Bund wegen der zu geringen Menge allerdings abgelehnt.

Eine Verwendung des Impfstoffes zum jetzigen Zeitpunkt ist nach den Vorgaben des Bundes, dem der Impfstoff rechtlich gehört, nicht möglich, teilt das Saar- Gesundheitsministerium mit.

Kommentar

Kommentar zu den abgelaufenen AstraZeneca-Impfdosen
"Das ist beschämend"

Über dieses Thema hat auch die SR 3-Rundschau am 03.08.2021 berichtet.

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