Ein Elektro-Auto steht an einer Ladestation (Foto: picture alliance/dpa | Lino Mirgeler)

Keine Pläne für Recycling-Anlage für E-Auto-Batterien

Daniel Dresen   16.05.2021 | 18:15 Uhr

Das saarländische Wirtschaftsministerium hat keine konkreten Pläne für eine Recycling-Anlage für E-Auto-Batterien. Der Verband Autoregion hatte diese von der Landesregierung gefordert. Der Batteriehersteller SVolt will laut SR-Informationen im Saarland definitiv keine eigene Recycling-Anlage betreiben.

Was vor einigen Jahren noch nach Science-Fiction klang, ist heute Alltag von immer mehr Autofahrern in Deutschland: das eigene Fahrzeug mit Strom zu laden. Derzeit sind knapp 395.000 E-Autos bundesweit unterwegs - rund 30 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Der Präsident des Kraftfahrt-Bundesamtes, Richard Damm, hält das von der Bundesregierung ausgegebene E-Auto-Ziel, dass bis zum Jahr 2030 zwischen sieben und zehn Millionen zugelassene Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen rollen, für realistisch.

Im bundesweiten Vergleich sind im Saarland jedoch nur wenige E-Autos auf den Straßen unterwegs. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes betrug der Anteil an reinen Elektroautos und Plug-In-Hybriden im vergangenen Herbst 0,57 Prozent.

Wohin mit alten E-Auto-Batterien?

Mit dem deutschlandweiten E-Auto-Boom falle jedoch durch ausgediente E-Auto-Batterien in bisher nicht gekannten Mengen Sondermüll an, mahnt Armin Gehl, Geschäftsführer des Verbands Autoregion mit Sitz in Saarbrücken. "Wir müssen verhindern, dass wir nicht wie bei der Kernenergie Müll produzieren, ohne zu wissen, wohin damit."

Allein in diesem Jahr rechnen die größten Entsorger in Deutschland laut Verband Autoregion mit mehr als 5000 Tonnen Akkus aus Elektrofahrzeugen. Dennoch komme der Aufbau von Recyclingkapazitäten für ausrangierte E-Auto-Batterien in Deutschland viel zu schleppend voran, meint Gehl. Insbesondere die Großregion müsse hier in seinen Augen "eine Pionierrolle" einnehmen.

Verfahren noch nicht ausgereift

Der Autoregion-Chef fordert, dass die saarländische Landesregierung "jetzt richtig Gas gibt" für eine Recycling-Anlage für E-Auto-Batterien. Gerade vor dem Hintergrund der geplanten Ansiedlung des chinesischen Batterieherstellers SVolt in Überherrn mache ein saarländisches Engagement in diesem "zukunftsträchtigen Sektor" Sinn, so Gehls Einschätzung.

Doch das saarländische Wirtschaftsministerium kann die Erwartungen der Automobilindustrie erst einmal nicht erfüllen. "Grundsätzlich bietet das Thema jede Menge Potenzial für Unternehmen in der Region – auch wenn die Technologien von Recyclingverfahren noch nicht vollständig ausgereift sind und auch gesetzliche Rahmenbedingungen noch nicht stehen", teilte das Ministerium auf SR-Anfrage mit.

Second-Life-Lösungen möglich

Mit der E-Mobilität würden in einigen Jahren größere Mengen an Akkuschrott aufkommen, bestätigt das Ministerium, doch die heutigen Mengen verursachten keine "akut bedrohliche Lage". Es gebe noch keine Erkenntnisse für die zu erwartenden Mengen und Materialien.

Daher könne das unternehmerische Risiko derzeit auch nicht kalkuliert werden. Trotzdem brauche es frühzeitig entsprechende Strukturen in der Entsorgungswirtschaft, heißt es aus dem Ministerium.

Auch sogenannte Second-Life-Lösungen seien ein Thema: So sollen mehr als 80 Prozent der Stacks (ein Stapel aus Brennstoffzellen) eines früheren E-Auto-Akkus als Stromspeicher für Photovoltaik-Dachanlagen genutzt werden.

Unternehmen in anderen Bundesländern aktiv

Man sei mit saarländischen Unternehmen und der Hochschullandschaft im Kontakt, um Lösungsansätze zu erarbeiten. Gemeinsam mit der Autoregion und der IHK sei in diesem Jahr eine Fachveranstaltung zu Batterierecycling geplant, die auch dazu dienen soll, einen Überblick über "potenzielle Akteure" zu gewinnen.

Doch der Autoregion geht das nicht schnell genug, denn in anderen Bundesländern gibt es bereits einige wenige Recycling-Unternehmen, die sich auf die Lithium-Ionen-Batterien spezialisiert haben.

Aber auch die Automobil-Hersteller werden selbst aktiv: Volkswagen hat Anfang des Jahres in Salzgitter eine Pilot-Anlage für Batterie-Recycling in Betrieb genommen. Innerhalb eines Jahres soll sie 3600 Batterien, also rund 1500 Tonnen Akkuschrott, in sogenanntes "Schwarzes Pulver" verwandeln, das unter anderem Graphit, Lithium, Mangan, Kobalt und Nickel enthält. In seine einzelnen Bestandteile zerlegt, können diese laut VW als sekundäres Rohmaterial für den Bau von Kathoden von neuen Batterien genutzt werden.

SVolt plant keine eigene Recycling-Anlage

In Überherrn will sich Batteriehersteller SVolt hingegen erst einmal nur auf sein Kerngeschäft, die Batterieproduktion und deren Entwicklung, fokussieren. "Wir planen, für das Projekt im Saarland mit einem etablierten Partner zusammenzuarbeiten, der den Recyclingprozess in all seinen Facetten und seiner Komplexität als Kerngeschäft betrachtet", teilt SVolt-Europachef Kai-Uwe Wollenhaupt auf SR-Anfrage mit.

SVolt sei mit Unternehmen in Kontakt, die bereits nachweisbar "sehr innovative Recyclingprozesse" entwickelt und sich einen "anerkannten Expertenstatus" erarbeitet hätten. Da das Recycling-Konzept von SVolt noch nicht fertig sei, könne der Europachef derzeit keine Namen möglicher Kooperationspartner nennen.

Der Batteriehersteller verfolge generell den "Local-for-Local-Ansatz", sprich lokale Lieferketten aufzubauen, um den CO2-Fußabdruck so niedrig wie möglich zu halten.

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