Eine Frau geht in einem Pflegeheim an einem Gehstock. (Foto: picture alliance/Sebastian Kahnert/zb/dpa)

Erneut höhere Pflegekosten im Saarland

  27.07.2020 | 16:41 Uhr

Die Pflegekosten im Saarland sind erneut gestiegen. Der Sozialverband VdK Saarland fordert die Landesregierung deshalb auf, pflegebedürftige Heimbewohner finanziell zu entlasten. Durch die hohen monatlichen Kosten werde mehr als ein Drittel der Heimbewohner zum Sozialfall.

Im Vergleich zum Vorjahr ist die durchschnittliche finanzielle Belastung für pflegebedürftige Heimbewohner nach Angaben des VdK Saarland um rund 4,4 Prozent auf 2473 Euro im Monat angestiegen. Der Betrag setzt sich zusammen aus dem durchschnittlichen Eigenanteil der Betroffenen (2310 Euro) und einer pauschalen Ausbildungsumlage, die in jedem Bundesland unterschiedlich hoch ist.

Im vergangenen Jahr hatte der Eigenanteil im Saarland noch bei 2301 Euro gelegen. Im Saarland sind die Pflegekosten damit weiterhin deutlich teurer als im Bundesschnitt.

Nur in Nordrhein-Westfalen ist die finanzielle Belastung für Heimbewohner laut VdK noch höher als im Saarland. Im Bundesschnitt fallen rund 400 Euro weniger an. Rund ein Fünftel des Betrags müssen die Saarländer dabei für Investitionskosten ausgeben. Diese liegen bei 508 Euro.

Investitionskosten deutlich höher als im Bundesschnitt

Die Investitionskosten umfassen neben der Kaltmiete des Zimmers Kosten der Küchen, Büros, Gemeinschaftsräume und Pflegebäder sowie betriebliche Güter wie Betten, Tische, Stühle und Fahrzeuge der gesamten Einrichtung. Enthalten sind darin außerdem die Beschaffungskosten der Immobilie und deren Instandhaltung.

Laut VdK sind die Investitionskosten im Saarland deutlich höher als im Bundesschnitt. Dort zahlen Heimbewohner lediglich 453 Euro. Grund dafür sei, dass aufgrund älterer Bausubstanz im Saarland höhere Kosten für Sanierung oder Neubauten fällig werden.

Der Sozialverband hatte die Landesregierung deshalb bereits im vergangenen Jahr aufgefordert, die Investitionskosten für Heimbewohner zu übernehmen. Das sei auch im Gesetz so vorgesehen. Seitdem sei nichts passiert.

Reform der Pflegeversicherung gefordert

Um die Heimbewohner langfristig zu entlasten, sieht der VdK nur eine Möglichkeit: Eine Reform der Pflegeversicherung, in der der Eigenanteil der Pflegebedürftigen gedeckelt werde. Dadurch gebe es einen gesetzlich festgelegten Eigenanteil. Alle weiteren Kosten müssten über die Pflegeversicherung finanziert werden.

Die Arbeitskammer des Saarlandes fordert eine Debatte über die zukünftige Finanzierung der Pflege. "Es kann nicht sein, dass auf dem Pflegemarkt zum Teil hohe Renditen erzielt werden und gleichzeitig die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen stetig ansteigt", sagte Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer. Die Pflegeversicherung sollte nicht nur aus Beitragsmitteln sondern auch aus Steuermitteln finanziert werden.

Durch die steigenden Kosten entstünde auch eine Mehrbelastung für die schon angespannten Kassen der Sozialhilfeträger. "Eine Heimunterbringung darf Betroffene und Angehörige sowie Kommunen nicht arm machen", so Zeiger.

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