Ein älterer Mann streicht eine Wand (Foto: picture alliance/Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)

VdK fordert Reform des Rentensystems

mit Informationen von Herbert Mangold   16.08.2021 | 20:29 Uhr

Die Lebenserwartung steigt seit Jahrzehnten. Deshalb wird diskutiert, ob das Renteneintrittsalter weiter erhöht werden sollte. Der Sozialverband VdK fordert stattdessen, dass das Rentensystem vollständig reformiert wird. Helfen könnte nach Ansicht des VdK Saarland etwa ein anderes Beitragssystem.

Der Sozialverband VdK hat am Montag in Berlin eine Studie veröffentlicht, die unter anderem den Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und dem Beruf deutlich macht. Demnach leben Arbeiter im Schnitt 83 Jahre, Selbständige ein Jahr länger. Angestellte kommen im Schnitt auf 86 Jahre. Beamte sind mit 87 Jahren Lebenserwartung die Spitzenreiter. Wenn das Renteneintrittsalter erhöht würde, würde das deshalb vor allem Arbeiter und Selbständige treffen.

"Wir müssen neue Akzente setzen"

Statt einer Erhöhung des Rentenalters plädiert der VdK deshalb für eine Reform des gesamten Rentensystems. Eine Möglichkeit könnte etwa eine Versicherung sein, in die alle Erwerbstätigen einzahlen. Das bedürfe allerdings einer längeren Übergangszeit, sagt Armin Lang, Vorsitzender des VdK Saarland.

Er spricht sich deshalb dafür aus, "neue Akzente" zu setzen. Dazu gehöre etwa auch ein faireres Beitragssystem. "Ein Mensch, der wenig verdient, zahlt anteilig sehr viel mehr Rentenbeiträge, als ein Mensch, der viel verdient." Das läge an der Beitragsbemessungsgrenze. Dadurch seien die Beiträge nach oben gedeckelt.

Video [aktueller bericht, 16.08.2021, Länge: 3:37 Min.]
Vorsitzender des VdK Saarland Armin Lang: „Wir müssen neue Akzente setzen“

Auch eine zusätzliche Finanzierung der Renten durch das Steuersystem, hält Lang für gerechtfertigt. Zwar gebe es durch den demographischen Wandel weniger junge Menschen, gleichzeitig werde in den Unternehmen aber auch mit weniger Menschen sehr viel mehr produziert und damit auch erwirtschaftet. "Deshalb ist es auch völlig richtig, wenn wir über das Steuersystem oder eine Änderung der Versicherungsregeln dazu kommen, dass wir mehr Geld in die Rentenversicherung bekommen."

Weniger Rente durch niedrige Löhne

Wichtig sei aber auch, welchen Lohn die Beschäftigten erhielten. Es habe einen massiven Rückgang bei der Lohnquote gegeben. "Der Einzelne verdient heute in der Regel weniger", erklärt Lang. Dadurch steigt laut VdK auch die Gefahr, dass das Altersarmutsrisiko ansteigen könnte. "Niedrigere Löhne bedeuten auch weniger Anspruch in der Rente. Das sorgt für Angst und Verunsicherung", sagte Lang im SR-Interview.

Video [aktueller bericht, 16.08.2021, Länge: 2:29 Min.]
Diskussion um Renteneintrittsalter

Besonders betroffen wäre davon auch das Saarland. Denn hier liegt der Anteil an prekären Arbeitsplätzen bei 25 Prozent, bundesweit hingegen bei 19,5 Prozent. Grund dafür ist laut Armin Lang, Vorsitzender des VdK Saarland, unter anderem der Strukturwandel, durch den inzwischen mehr Beschäftigte im Dienstleistungs- oder Zulieferungsbereich arbeiten. Außerdem liegt auch das Altersarmutsrisiko im Saarland mit 18,4 Prozent derzeit bereits über dem deutschlandweiten Durchschnittswert von 15,7 Prozent.

Nach Vorschlägen eines Expertengremiums
Rehlinger lehnt Rente mit 68 ab
Die saarländische SPD-Chefin Anke Rehlinger lehnt eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 ab. Ein Expertengremium des Bundeswirtschaftsministeriums hatte dies gefordert. Auch Bundeswirtschaftsminister Altmaier selbst ist dagegen. Schelte gibt es auch von der Saar-Linken und der Arbeitskammer.

Über dieses Thema hat auch der "aktuelle bericht" am 16.08.2021 im SR Fernsehen berichtet.

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