Bildmontage: Teströrchen in einem Labor hinter einerr Deutschlandkarte – das Saarland und die ostdeutschen Bundesländer sind dunkel eingefärbt (Foto: picture alliance/dpa/XinHua | Gil Cohen Magen, SR/Knöbber)

Warum sind die Coronazahlen im Saarland höher als im Bund?

Thomas Braun   03.02.2021 | 16:24 Uhr

Anders als im Bundestrend ist die Sieben-Tage-Inzidenz im Saarland in der vergangenen Woche wieder gestiegen. Die größten Unterschiede gab es dabei vor allem in jungen Altersgruppen. Aber auch die Größe und Lage des Saarlandes könnten eine Rolle spielen.

Während die Sieben-Tage-Inzidenz bundesweit seit Jahresbeginn deutlich sinkt und zuletzt unter 100 lag, sind die Zahlen im Saarland im Landesschnitt in der vergangenen Woche wieder von 110 auf über 120 angestiegen.

Saar-Inzidenz im Bundesvergleich zu hoch
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 04.02.2021, Länge: 01:50 Min.]
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Audio [SR 3, Interview: Janek Böffel, 04.02.2021, Länge: 04:20 Min.]
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Jürgen Rissland von der Uniklinik Homburg.

Die größten Zuwächse gab es dabei überwiegend in den jungen Altersgruppen, parallel dazu in der typischen Elterngeneration ab 40 Jahren und wieder in der Gruppe der 65- bis 69-Jährigen. Bei den Über-70-Jährigen sind die Zahlen hingegen weiter gefallen - wenn auch nicht so stark wie im Bundestrend.

Gerade in den jüngeren Altersgruppen gibt es auch die größten Abweichung zur Entwicklung im Bund. Bei den Fünf- bis Neunjährigen lag die Inzidenz fast doppelt so hoch wie im Bundesschnitt.

Betrachtet man einzelne Jahrgänge gesondert, zeigt sich, dass das Saarland gerade bei Jüngeren oft die höchste oder zweithöchste Inzidenz bundesweit hat. In den Jahrgängen ab Ende 20 ist das nur noch vereinzelt der Fall - mit Ausnahme bei den 66- bis 69-Jährigen.

Die Ursache für diese auffällige Entwicklung ist bislang unklar. Zwar gab es zum Beispiel im Regionalverband zuletzt vermehrt Fälle in Kindertageseinrichtungen und saarlandweit auch einzelne Fälle an Schulen. Aber gerade bei den Schulkindern befand sich der größere Teil der positiv getesteten Kinder und Jugendlichen zuletzt im Distanzunterricht, wie eine Nachfrage bei einzelnen Landkreisen ergab.

Inzidenz in Baden-Württemberg sinkt trotz steigender Betreuungsquote

Auch gibt es zwischen den einzelnen Bundesländern beim Thema Schule und Kita keine frappierenden Unterschiede. In Baden-Württemberg zum Beispiel, das bundesweit in den Schuljahrgängen eine der niedrigsten Inzidenzen hat, sind die Fallzahlen in diesen Altersgruppen weiter gesunken - auch wenn sich die Betreuungsquote in den Grundschulen nach Angaben des dortigen Kultusministeriums von zehn Prozent nach den Weihnachtsferien auf zuletzt knapp 20 Prozent erhöht hat.

Mit Blick auf mögliche Schulöffnungen sollte das Saarland die Lage aber weiterhin genau beobachten - insbesondere wenn der derzeitige Trend mit einer im Vergleich zum Bund erhöhten Inzidenz in dieser Altersgruppe anhält. Denn dadurch könnte der jetzt bereits zu beobachtende Pingpong-Effekt - Kinder stecken ihre Eltern an und umgekehrt und tragen es dann weiter - verstärkt werden.

Kleines, aber dicht besiedeltes Saarland

Eine weitere Rolle bei der aktuell zu beobachtenden Entwicklung könnte auch die Größe - oder besser die Kleinheit - des Saarlandes mit seinen insgesamt nur fünf Landkreisen und dem Regionalverband spielen, die aber alle vergleichsweise dicht besiedelt sind.

Im bundesweiten Vergleich der Kreise untereinander nimmt keiner der saarländischen Kreise bei der Inzidenz einen Spitzenplatz ein. Sie liegen alle zwischen dem 71 und 177 Rang, keiner sticht besonders heraus. Allerdings liegen sie damit auch alle im oberen Drittel - anders als in größeren Bundesländern "fehlen" damit Kreise mit niedriger Inzidenz, die den landesweiten Schnitt senken.

Besondere Lage im Grenzgebiet

Ebenfalls beachten muss man die Grenzlage des Saarlandes zu Frankreich und Luxemburg. In beiden Ländern liegt die Inzidenz derzeit deutlich über der des Saarlandes - in beiden Ländern sind die Zahlen zuletzt auch wieder angestiegen.

Mit 276 neuen Coronafällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen hat das direkt an das Saarland angrenzende Moselle sogar die höchste Inzidenz in Grand Est. Mitte Januar lag sie noch bei etwa 200. In Luxemburg ist die Sieben-Tage-Inzidenz von 128 in der dritten Januarwoche auf zuletzt 171 gestiegen. Hierbei muss allerdings immer auch berücksichtigt werden, dass Luxemburg eine umfangreiche Teststrategie verfolgt.

Ein Thema in der Sendung "aktueller bericht" im SR Fernsehen am 04.02.2021.

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