Landtagsdirektor Christof Zeyer (Foto: Imago / Becker & Bredel)

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Zeyer

Thomas Gerber   27.08.2019 | 16:30 Uhr

Die Saarbrücker Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Untreue gegen Landtagsdirektor Christof Zeyer. Wie die Staatsanwaltschaft dem SR bestätigte, geht es dabei um die missbräuchliche Nutzung einer Kreditkarte des Landtags und Reisekostenabrechnungen.

Zeyer soll nicht nur gewusst haben, dass sein ehemaliger Chef - Landtagspräsident Klaus Meiser - die Kreditkarte des Landtags für private Essen eingesetzt hatte, er soll vielmehr auch davon profitiert und mit Meiser zusammen auf Kosten des Steuerzahlers gespeist haben. Die von Meiser eingereichten Restaurantbesuche, an denen er teilweise teilgenommen hatte, soll er als Landtagsdirektor gar noch als sachlich richtig abgesegnet haben.

Video [aktueller bericht, 27.08.2019, Länge: 1:50 Min.]
Ermittlungen gegen Christof Zeyer

Ziel Allianz Arena?

Die Staatsanwaltschaft bestätigte zudem, dass der CDU-Politiker im Verdacht steht, Fahrten zu Heimspielen des FC Bayern nach München als Dienstreisen abgerechnet zu haben. Einzelheiten wollte die Staatsanwaltschaft zwar nicht preisgeben, aber nach SR-Informationen soll es unter anderem um einen mehrtägigen Trip nach München gehen. Dort stand zwar ein Besuch im Landtag an. Eigentliches Ziel könnte allerdings die Allianz Arena gewesen sein.

Landtagspräsident Stephan Toscani hat bereits reagiert. Seit Montag läuft gegen Direktor Zeyer ein Disziplinarverfahren, zudem wurde er von seiner Funktion als Haushaltsbeauftragter entbunden. Zeyers Verteidiger will nun einen Vernehmungstermin mit dem ermittelnden Staatsanwalt vereinbaren und gibt sich zuversichtlich, dass Zeyer sämtliche Vorwürfe ausräumen kann.

Zeyer organisierte Bouillons Geburtstagsfeier

Bereits im LSVS-Skandal hatte der Sohn des ehemaligen CDU-Ministerpräsidenten Werner Zeyer eine Rolle gespielt. Für seinen langjährigen St. Wendeler Freund Klaus Bouillon organisierte er die Feier zum 70. Geburtstag. Für die Nebentätigkeit von Meisers Sekretärin und Lebensgefährtin beim LSVS verfasste er ein Gutachten und auch bei der Aufarbeitung des Skandals war er immer wieder bei Sitzungen zugegen. Alles - wie er betonte - in der Freizeit und im Ehrenamt.

Für Zeyers früheren Chef Meiser dürften die Restaurantbesuche strafrechtlich ohne weitere Folgen bleiben. Er hatte mögliche Unregelmäßigkeiten indirekt eingeräumt und bereits vor Monaten - wie sein Anwalt sagte - "präventiv" mehr als 4000 Euro an den Landtag zurückbezahlt. Nachdem Meiser wegen Untreue und Vorteilsgewährung zu 22 Monaten auf Bewährung verurteilt worden ist, dürfte das Verfahren wegen der "missbräuchlichen Verwendung der Kreditkarte des Landtags" gegen ihn alsbald eingestellt werden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 27.08.2019 berichtet.

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