Symboldbild Untersuchungsausschuss  - Akten auf einem Tisch (Foto: (c) dpa)

Untersuchungsausschuss nimmt Arbeit auf

Thomas Gerber   13.11.2019 | 06:42 Uhr

Heute nimmt der Untersuchungsausschuss zu den mutmaßlichen Missbrauchsfällen an der Homburger Kinderpsychiatrie seine Arbeit auf. Dabei dürfte auch der gestern bekannt gewordene Verdachtsfall aus der HNO-Klinik eine Rolle spielen. Der ärztliche Direktor der Klinik teilte gestern dem SR mit, dass ihm die neuen Vorwürfe bekannt seien. Seit wann ließ er jedoch offen.

Klinikleitung äußert sich zu Missbrauch an HNO-Klinik
Audio [SR 3, Frank Hofmann/Thomas Gerber, 13.11.2019, Länge: 03:58 Min.]
Klinikleitung äußert sich zu Missbrauch an HNO-Klinik

Mit einer nicht-öffentlichen Sitzung, in der die sogenannten Betroffenen des Verfahrens Stellung nehmen können, beginnt heute die Arbeit des Untersuchungsausschusses. Der Verwaltungsdirektor der Uniklinik Ulrich Kerle und seine Justitiarin sowie der Leiter der Kinder- und Jugendpsychaitrie und eine seiner Oberärztinnen haben Gelegenheit zur Stellungnahme. Sie sollen Hinweisen auf sexuelle Übergriffe durch den inzwischen verstorbenen Assistenzarzt nicht nachgegangen sein. Darüberhinaus stehen Vertuschungsvorwürfe im Raum.

Der Untersuchungsausschuss wird sich wohl auch mit dem mutmaßlichen Missbrauchsfall aus der HNO-Klinik befassen. Das haben SPD und Linke angekündigt. 2012 soll es an der Klinik zur Vergewaltigung eines sechsjährigen Mädchens gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft hat erst jetzt nach der Strafanzeige einer Opferanwältin ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet.

Klinikleitung schließt sexuellen Übergriff aus

Die Leitung der Uniklinik hat gestern am späten Abend gegenüber dem SR eine schriftliche Stellungnahme abgegeben. Darin teilte der ärztliche Direktor Wolfgang Reith mit, dass ihm die Vorwürfe bekannt seien. Seit wann ließ er jedoch offen. Das mutmaßliche Opfer aber sei am Tag der OP in der HNO in kontinuierlicher Betreuung gewesen. Zunächst durch seine Mutter, später unmittelbar durch OP-Personal. Es seien immer mehrere Personen anwesend gewesen. Im Klartext: Reith schließt einen sexuellen Übergriff während der Behandlung aus. Nachdem der Arzt noch im OP die schweren Verletzungen im Anal- und Genitalbereich des Mädchens entdeckt habe, seien die von einem Rechtsmediziner untersucht worden. Die genaue Ursache habe nicht geklärt werden können. Die Mutter sei informiert worden - wann und über was genau, dazu machte Direktor Reith allerdings keine Angaben.

Zu den Vorwürfen, dass der Kollege von der HNO die Sache später vertuscht habe, schweigt er sich ebenso aus wie zu der Frage, warum die Staatsanwaltschaft damals nicht umgehend eingeschaltet worden war. Jetzt, sieben Jahre danach, hat der Vorfall ein Aktenzeichen bei der Staatsanwaltschaft. Die Rekonstruktion der Geschehnisse dürfte schwierig werden.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 13.11.2019 berichtet.

Skandal an Homburger Uni-Klinik
Offenbar auch Missbrauch an HNO-Klinik
An der Uni-Klinik Homburg hat es offenbar einen weiteren bislang unbekannten Fall von Kindesmissbrauch gegeben. Laut der Frankfurter Rundschau soll es im Juli 2012 an der HNO-Klinik zum Missbrauch an einem sechsjährigen Mädchen gekommen sein.

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