Logo der Uniklinik Homburg (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Aufsichtsrat kritisiert Klinikvorstand

  14.08.2020 | 21:09 Uhr

Der Aufsichtsrat der Uniklinik hat die Aufklärungsarbeit des Klinikvorstands im Rahmen des Missbrauchsskandals kritisiert. In einer Sondersitzung am Freitag ging es dabei auch um Vorwürfe gegen Vorstandschef Reith.

Wolfgang Reith soll bei der Aufklärung der Vorkommnisse in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Fehler gemacht haben. Besonders brisant ist, dass die Vorwürfe vom Anwalt der Uniklinik stammen, der den Aufsichtsrat eingeschaltet hat.

Kritik, aber keine personelle Konsequenz

Der Aufsichtsrat kam in seiner Sitzung am Freitag zu dem Schluss, dass der klinikinterne Aufklärungsprozess durch den Gesamtvorstand "nicht in der erwarteten Weise verläuft und daher kritisch zu bewerten ist", teilte die Uniklinik am Abend mit.

Personelle Konsequenzen werden allerdings nicht gezogen. "Trotz einer Fehlereinschätzung des Vorstandsvorsitzenden in einer Einzelbewertung spricht der Aufsichtsrat diesem sein Vertrauen aus", heißt es weiter. Dem Vorstand soll allerdings ein externes Expertengremium an die Seite gestellt werden, um die interne Aufklärungsarbeit voranbringen. Außerdem sollen die Kontroll- und Überwachungsmechanismen weiter gestärkt werden.

Konsequenzen von Hans gefordert

Die Vorwürfe gegen Uniklinik-Vorstand Reith setzen die Landesregierung unter Druck. Die Linkspartei forderte von Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) Konsequenzen. Der Abgeordnete Dennis Lander erklärte, Reith sei nicht der Einzige, bei dem kein Aufklärungswille zu erkennen sei.

Hinweise seit 2010

Seit 2010 gebe es ernstzunehmende Hinweise auf Übergriffe in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Verantwortlichen in der Uniklinik hätten diese offenbar ignoriert und auch bei der Rechtsaufsicht habe das Mauern und Mundhalten Tradition. Ohne den Druck durch die Familien der Opfer und ohne die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wäre noch immer nichts passiert.

Um die Aufklärung des Missbrauchsskandals kümmert sich auch ein Untersuchungsausschuss des Landtags. CDU-Obfrau Jutta Schmitt-Lang forderte ebenfalls bereits Konsequenzen, sollte Uniklinik-Chef Reith die Aufklärung tatsächlich behindert haben.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 14.08.2020 berichtet.

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