Jochen Flackus (Foto: picture alliance / Oliver Dietze/dpa)

Flackus: Politische Verantwortung für Uniklinik muss geklärt werden

  16.01.2021 | 14:20 Uhr

Die Linke im Landtag fordert Ministerpräsident Hans auf, die politische Verantwortung für die Uniklinik zu klären. So sei die jüngste Entscheidung, den wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung suspendierten Chefarzt der HNO-Klinik wieder einzusetzen, ohne Abstimmung mit dem Klinikum getroffen worden. Zudem seien die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

"Es muss geklärt werden, warum die Landesregierung, genauer gesagt die Staatskanzlei und letztlich der Ministerpräsident und Wissenschaftsminister Tobias Hans, diese Entscheidung trotz weiter laufender staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen den Chefarzt wegen sexueller Belästigung und ohne Abstimmung mit der Leitung der Uniklinik getroffen hat“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Saarländischen Landtag, Jochen Flackus.

"Für die Saarländer nicht hinnehmbar"

Vorwurf der sexuellen Belästigung
Suspendierter HNO-Chef ab Montag wieder im Dienst

Angesichts der Schwere der Vorwürfe, mit denen sich das Uniklinikum derzeit konfrontiert sehe, „ist es für die Saarländerinnen und Saarländer nicht hinnehmbar, dass die Landesregierung so tut, als ob es für das wichtigste Krankenhaus im Saarland keine politische Verantwortung gäbe“, so Flackus weiter.

Dabei sei die Entscheidung, den Chefarzt, gegen den wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung ermittelt wird, wieder einzusetzen, „allein vom Ministerpräsidenten und Wissenschaftsminister getroffen" worden. Damit sei auch der Ministerpräsident und Wissenschaftsminister politisch verantwortlich, sagte Flackus.

Zeyer: Suspendierung nicht mehr angemessen

Regierungssprecher Zeyer hatte die Suspendierung zuletzt als nicht mehr angemessen bezeichnet. Ein Großteil der Zeugenaussagen liege bereits vor, so dass die Gefahr der Beeinflussung der Zeugen durch den Chefarzt damit nicht mehr gegeben sei. Zudem sei der Mediziner auf den Erhalt seiner Fähigkeiten als Operateur durch entsprechende Praxis angewiesen. Die Amtsenthebung sei deshalb auch ein Eingriff in seine Berufsfreiheit gewesen.

Hintergrund

Am Montag endet die achtmonatige Suspendierung von Professor Bernhard Schick. Er war wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung von zwei Ärztinnen und einer OP-Schwester. So soll der Mediziner Mitarbeiterinnen unangemessen berührt haben. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen und laufen weiter.


18.02.2021, 12.20 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer vorherigen Fassung des Beitrages hieß es, dass auch ein Verdacht auf Behandlungsfehler mit ein Grund für die Suspendierung war. Inzwischen liegen dem SR neue Informationen vor, die belegen, dass etwaiges ärztliches Fehlverhalten in der Entscheidung keine Rolle gespielt hat.

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