Ein Kind blättert in einem Buch (Foto: picture alliance/dpa | Daniel Reinhardt)

Unmut über Wechsel beim Sprachförderprogramm

Kai Forst / Lisa Betzholz   10.02.2022 | 19:42 Uhr

Das Bildungsministerium will das Sprachfördersystem für Kinder im Saarland umstrukturieren und nach eigenen Worten verbessern. Die Pläne kommen nicht überall gut an. Zudem verlieren 180 Fachkräfte bald ihren Job.

Bislang sollte das Programm "Früh Deutsch lernen“ dafür sorgen, dass Kinder im Vorschulalter, die nicht über die nötigen Deutschkenntnisse verfügen, entsprechend gefördert und fit gemacht werden für die Grundschule. Die Sprachförderkurse dafür fanden in den Schulen statt. Ein - so ist es aus Schulkreisen zu hören - durchaus gut funktionierendes Modell.

Der Übergang von der Kita zur Schule sei so optimal begleitet worden. Denn das Programm „Früh Deutsch lernen“ startete ursprünglich im letzten Kindergarten-Halbjahr und lief bis zum Ende des ersten Schulhalbjahrs.

Video [aktueller bericht, 10.02.2022, Länge: 2:58 Min.]
Sprachförderungsprogramm vor dem Aus

180 Fachkräfte gekündigt

Doch nun sollen diese vorbereitenden Kurse wegfallen. Stattdessen sollen die Sprachförderkurse für die betreffenden Schüler erst im 1. Schuljahr starten. Das sorgt für heftige Kritik - und auch Stellenstreichungen.

Denn die nötigen Sprachförderstellen für das Schulprogramm sollen künftig beim Land angesiedelt sein und nicht mehr wie bisher beim Paritätischen Bildungswerks (PBW). Die Folge: Im Januar haben nach Angaben des PBW-Betriebsrates 180 Sprachförderlehrkräfte ihre Kündigung erhalten.

„Alle am PBW beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden zum 31. August 2022 entlassen. Dem Paritätischen Bildungswerk ist seine Existenzgrundlage entzogen, deshalb wird es zum 31. August aus der saarländischen Bildungslandschaft verschwinden“, teilte der Betriebsrat mit.

Neues Modellprojekt in Kitas

Das Bildungsministerium hat inzwischen auf seiner Homepage die Stellenausschreibung für Sprachförderlehrkräfte veröffentlicht. Dort können sich auch die Noch-PBW-Angestellten bewerben. Allerdings ist unklar, wie viele neue Stellen beim Land überhaupt geschaffen werden.

Um die Sprachförderung für Kinder bereits besonders früh zu gewährleisten, will das saarländische Bildungsministerium zudem ein auf zwei Jahre angelegtes Modellprojekt in 39 Kitas starten. Dadurch solle die Sprachförderung intensiviert werden und nicht nur Kinder im letzten Kita-Jahr in diesen Genuss kommen. "Zukünftig soll für alle Kita-Kinder von Beginn an ein bedarfsorientiertes und landesweites Konzept zur ganzheitlichen und alltagsintegrierten sprachlichen Bildung und Förderung eingeführt werden“, heißt es in dem Konzept.

Kritik an Umstrukturierung

Doch die Pläne stoßen auf Kritik. Statt der zielgenauen Förderung werde jetzt mit dem Gießkannenprizip vorgegangen, sagte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Frank Wagner. "Mehrere tausend Kinder wurden hier ganz gezielt auf das erste Schuljahr vorbereitet und gefördert." Das sei der ganz große Vorteil von "Früh Deutsch lernen" gewesen.

Die Grünen befürchten eine Ausdünnung der Sprachförderung "durch die Hintertür". Es sei völlig unklar, wie das neue Sprachförderprogramm für die Kitas konkret aussehe, sagte die Spitzenkandidatin der Grünen, Lisa Becker. In den vergangenen Jahren sei erfolgreich Spracharbeit in den Schulen geleistet worden - insbesondere durch das Programm "Früh Deutsch lernen".

Minsterium sieht kein Problem

Im Bildungsministerium kann man die Kritik an der Umstrukturierung der Sprachförderung indes nicht nachvollziehen. „Das, was wir machen, ist ein Mehr an Sprechförderung, weil wir wollen, dass alle Kindertageseinrichtungen in den Genuss kommen. Das Programm 'Früh Deutsch lernen' konzentriert sich auf einen kleinen Teil von Kindern. Weniger als 2000, die das im Land in Anspruch nehmen konnten. Wir wollen, dass alle Kindertageseinrichtungen in der Zukunft Sprachförderung von Beginn an machen“, sagte Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD).

Nur wenige Kitas nehmen am Projekt teil

Allerdings ist das Modellprojekt zunächst nur für 39 Kitas vorgesehen - von insgesamt rund 500 im Land. In den nächsten Jahren können daher eben nicht "alle Kindertageseinrichtungen" von der Sprachförderung profitieren. Laut Ministerium werden die teilnehmenden Kitas mit einer zusätzlichen halben Stelle ausgestattet.

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