Uniklinik Homburg (Foto: SR)

Hinweise auf Pädophilie lagen schon früher vor

Thomas Gerber   20.05.2020 | 17:35 Uhr

Hinweise auf pädophile Neigungen des inzwischen verstorbenen Assistenzarztes der Homburger Kinder- und Jugendpsychiatrie lagen offenbar früher vor als bisher angenommen. Dies wurde am Mittwoch im Untersuchungsausschuss zum mutmaßlichen Missbrauchsskandal an der Uniklinik bekannt.

Bereits 2010 waren die mutmaßlichen Übergriffe von Assistenzarzt Matthias S. Thema einer Oberarztbesprechung. Dies sagte eine Ärztin am Mittwoch im Untersuchungsausschuss aus. Ein Kollege von der Kinderklinik habe über Beschwerden aus dem Stationsteam berichtet, wonach S. auffallend lange und oftmals auch ohne weitere Personen im Raum Kinder körperlich untersuche.

Stilles Einvernehmen

In der Oberarztrunde sei dies von allen sofort als Hinweis auf möglichen sexuellen Missbrauch gewertet worden. Trotzdem sei weiter nichts geschehen. Der Klinikleiter Professor von Gontard habe vielmehr auf die Unschuldsvermutung verwiesen, danach war die Sache dann offenbar in einer Art stillen Einvernehmen im Sand verlaufen.

Vorfall 2011

Erst 2014, also vier Jahre nach dieser Oberarztrunde, wurde bekanntlich Strafanzeige erstattet. Eine Krankenschwester berichtete am Mittwoch zudem von einem weiteren Zwischenfall, bei dem sie selbst anwesend gewesen sei.

Matthias S. habe 2011 einen kleinen Patienten, der sich geweigert habe, auf die Liege gestoßen, den Mund zugehalten und das Kind dann untersucht. Das habe sie zwar nach oben - bis hin zur Pflegedienstleitung - gemeldet, weiter geschehen, sei aber nichts. Zwei Vorfälle, deren klinikinterne Aufarbeitung bei den Abgeordneten nur noch für Kopfschütteln sorgte. Der Verdacht der Vertuschung liegt nah.

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