Symbolbild: Uni Saar Eingang (Foto: SR / Felix Schneider)

Streit an Saar-Uni über Umgang mit Burschenschaftlern

mit Informationen von Thomas Gerber   17.09.2020 | 16:50 Uhr

Die offenbar antisemitisch motivierten Schläge mit einem Gürtel auf einen Studenten in Heidelberg bleiben für die drei mutmaßlich beteiligten Saarbrücker Burschenschaftler und ihre Verbindung Ghibellinia zunächst ohne Folgen. Das sorgt für Streit zwischen Studierendenparlament und Präsidium.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg ermittelt gegen die drei Studenten wegen des Verdachts der Körperverletzung. Der Fall sei nicht der erste, bei dem die antisemitische und rassistische Gesinnung der Burschenschaft Ghibellinia offenkundig geworden sei, sagte der Vorsitzende des Studierendenparlaments, Lukas Redemann. Dies habe an einer weltoffenen Uni nichts zu suchen.

Unipräsident Manfred Schmitt müsse darum von seinem Hausrecht Gebrauch machen und den Infokasten der schlagenden Verbindung im Audimax entfernen. Das zögerliche Vorgehen Schmitts in der Sache sei nicht nachvollziehbar.

Präsidium verweist auf Unschuldsvermutung

Keine Konsequenzen für Burschenschaftler an Saar-Uni
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 17.09.2020, Länge: 01:00 Min.]
Keine Konsequenzen für Burschenschaftler an Saar-Uni

Den Hinweis des Unipräsidiums, dass zunächst die Unschuldsvermutung zu gelten habe, ließ Redemann nicht gelten. Zwar sei unklar, ob die drei Studenten aktiv an dem antisemitischen Übergriff auf einen Studenten in Heidelberg beteiligt gewesen seien. Sie seien jedoch bei dem Burschenschaftsfest anwesend gewesen und hätten den tätlichen Angriff offenbar toleriert.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen und die drei Saarbrücker Ghibellinen tatsächlich an der sogenannten "Gürtelung" in Heidelberg beteiligt gewesen sein, müssten die Drei exmatrikuliert werden.

Neue Ordnung für Vereinigungen

Das Uni-Präsidium reagierte auf die Forderungen eher ausweichend, verwies auf die Unschuldsvermutung und auf eine neue Ordnung für studentische Vereinigungen.

Die gelte seit Februar und sehe vor, dass Gruppen nur dann auf der Internetseite der Uni oder am schwarzen Brett für sich werben dürfen, wenn sie sich unter anderem dem Gedanken der Völkerverständigung verpflichtet haben.

Ob das bei den Ghibellinen der Fall ist, so die Uni auf SR-Anfrage, habe man coronabedingt bislang noch nicht überprüfen können.

Über dieses Thema haben auch die SR Hörfunknachrichten vom 17.09.2020 berichtet.

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