Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bundesverteidigungsministerin, sitzt im Untersuchungsausschuss "Umgang mit Hinweisen auf Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch am Universitätsklinikum des Saarlandes".  (Foto: dpa/Oliver Dietze)

AKK: Nicht frühzeitig über Missbrauchsvorwürfe informiert

Thomas Gerber / Onlinefassung: Thomas Braun   28.02.2020 | 22:29 Uhr

Im Untersuchungsausschuss zum mutmaßlichen Missbrauchsskandal an der Homburger Uniklinik sind am Freitag die ehemalige Wissenschaftsministerin Kramp-Karrenbauer und ihr damaliger Chef der Staatskanzlei, Lennartz, als Zeugen vernommen worden. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wann wusste die Staatskanzlei Bescheid?

Am Freitagmorgen hatte der SR einen handschriftlichen Vermerk öffentlich gemacht, wonach die Landesregierung bereits frühzeitig - nämlich bei Erstattung der Strafanzeige Ende 2014 - eingeschaltet worden sein könnte. Vor diesem Hintergrund stand am Freitagvormittag im Untersuchungsausschuss auch die Frage im Mittelpunkt: Wann wusste die Staatskanzlei von dem Missbrauchsverdacht an der Uniklinik?

Video [aktueller bericht, 28.02.2020, Länge: 3:06 Min.]
Linke- und AfD-Politiker zweifeln an AKK’s Aussage

AKK und Lennartz nach eigenen Angaben erst im April informiert

Kramp-Karrenbauer im UKS-Untersuchungsausschuss
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 28.02.2020, Länge: 04:53 Min.]
Kramp-Karrenbauer im UKS-Untersuchungsausschuss

Sowohl Annegret Kramp-Karrenbauer als auch Jürgen Lennartz (beide CDU) blieben dabei: Erst im April vergangenen Jahres hätten sie von dem ungeheuerlichen Verdacht gegen den inzwischen verstorbenen Assistenzarzt erfahren.

Lennartz war nach eigenen Angaben am 18. April 2019 von seinem Staatssekretärskollegen Christian Seel (CDU) aus dem Innenministerium, Kramp-Karrenbauer einen Tag darauf von Lennartz informiert worden. Ein Versagen ihrer Aufsichtspflicht vermochten sie nicht zu erkennen. Die Jahre zuvor habe die Uniklinik sie über ihren Verwaltungsdirektor stets über wichtige Dinge auf dem Laufenden gehalten.

Fehler bei der Uniklinik?

Über Bausachen sei man informiert worden, über den Verdacht eines fortgesetzten sexuellen Missbrauchs aber offenbar nicht. Warum nicht, konnten sich die beiden Zeugen nicht erklären. Der Fehler aber habe ganz offenbar bei der Uniklinik gelegen. Über den mutmaßlichen sexuellen Missbrauch hätte berichtet werden müssen.

Die am Freitagmorgen öffentlich gewordene Gesprächsnotiz war weder Kramp-Karrenbauer noch Lennartz bekannt. Kramp-Karrenbauer aber geht davon aus, dass es sicherlich Thema im Kabinett gewesen wäre, wenn ein anderes Mitglied der Landesregierung frühzeitig von dem Verdacht gewusst hätte.

Linke und AfD zweifeln an Aussage von AKK

Die Linken bezweifeln die Aussagen von Kramp-Karrenbauer und Lennarzt, jahrelang nichts von den Missbrauchsvorwürfen gewusst zu haben. Der Abgeordnete Dennis Lander verwies nach der heutigen Sitzung des Landtags-Untersuchungsausschusses auf verschiedene Aufzeichnungen eines Gesprächs zwischen Uniklinik und Ärztekammer. Aus denen gehe hervor, dass Gesundheits-Staatssekretär Kolling schon 2014 informiert gewesen sei. Auch der AfD-Abgeordnete Rudolf Müller hält diese Aussagen für nicht wahrheitsgemäß.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten am 28.02.2020 berichtet.

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