Uni-Klinik Homburg (Foto: SR)

U-Ausschuss zur Uniklinik gerät ins Stocken

Thomas Gerber   23.01.2020 | 17:15 Uhr

Der Ausschuss hat sich am Donnerstag die Stellungnahme des Chefs der Hals-Nasen-Ohren-Klinik zum mutmaßlichen sexuellen Missbrauch an der Uniklinik Homburg angehört. Die ebenfalls geplante Vernehmung des ehemaligen Chefs der Staatskanzlei Jürgen Lennartz sowie eines Abteilungsleiters wurde hingegen verschoben.

Die für die Sitzung eigentlich geplanten Anhörungen wurden verschoben, weil man zunächst das schriftliche Urteil des Verfassungsgerichts abwarten wolle, das Auflagen zum Schutz der Persönlichkeitsrechte gemacht hatte.

Video [aktueller bericht, 23.01.2020, Länge: 2:25 Min.]
Sitzung des U-Ausschusses zu den Missbrauchsverdachtsfällen am Uniklinikum

Als einziger äußerte sich am Donnerstag der Chef der Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Prof. Bernhard Schick. Er wies die Vorwürfe zurück, dass es im OP-Bereich seiner Klinik zu sexuellem Missbrauch gekommen sei. Dies sei allein schon aus organisatorischen Gründen unmöglich, da Kinder nie mit einer Person allein im Raum seien. Die Vorwürfe, dass es 2012 bei der Operation eines sechsjährigen Mädchens zu sexuellem Missbrauch oder gar einer Vergewaltigung gekommen sein soll, hätten ihn und sein Team bestürzt.

Kein Maulkorb für Mitarbeiter

Homburger HNO-Klinikchef im Untersuchungsausschuss
Audio [SR 3, Thomas Gerber, 23.01.2020, Länge: 04:20 Min.]
Homburger HNO-Klinikchef im Untersuchungsausschuss

Wie es zu der Verletzung im Genitalbereich des Mädchens gekommen war, konnte Schick nicht erklären. Möglicherweise ein falsch verabreichtes Zäpfchen. Er dementierte zudem Medienberichte, wonach er zwei Jahre nach dem Vorfall bei einer Besprechung seine Mitarbeiter angewiesen habe, über den Verdachtsfall nichts nach außen dringen zu lassen, da ansonsten die Fallzahlen an der Klinik sinken würden. Der Mediziner wurde als sogenannter Betroffener im Untersuchungsausschuss des Landtags zum mutmaßlichen sexuellen Missbrauch an der Uniklinik gehört.

Die Staatsanwaltschaft hat unterdessen ihre Ermittlungen ausgeweitet. Zwischenzeitlich würden sieben Verdachtsfälle untersucht. Es habe Hinweise von der Uniklinik sowie von Eltern gegeben. Wie konkret die jeweiligen Vorwürfe sind, wollte die Staatsanwaltschaft auf SR-Anfrage nicht mitteilen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 23.01.2020 berichtet.

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