Die beiden Azubis Aron Prisson (DB, links) und Janek Eisel (Steag) kommen zur Ausbildung nach Fenne. (Foto: Lisa Huth/SR)

TÜV Nord feiert 150-jähriges Bestehen

Lisa Huth / Onlinefassung: Axel Wagner   27.07.2019 | 13:48 Uhr

Dieses Jahr wird der TÜV-Nord 150 Jahre alt – Nord, weil in Hamburg gegründet. Doch auch im Saarland ist der Technologie-Dienstleister aktiv, mit der TÜV Nord Bildung Saar in Völklingen-Fenne. Dort werden zum Beispiel Ausbildungen für junge Leute mit Lernschwächen angeboten.

Angefangen hat der TÜV Nord – genau wie sein Namensverwandter, der TÜV Süd – mit der Überwachung von Dampfkesseln, damit diese nicht mehr explodierten. Daraus wurde dann bis heute ein Technologie-Dienstleister, der sich aber auch um die Aus- und Weiterbildung kümmert, etwa in Unternehmen, auch grenzüberschreitend.

Azubis aus mehreren Unternehmen

TÜV NORD Bildung
Audio [SR 3, (c) SR, 27.07.2019, Länge: 03:09 Min.]
TÜV NORD Bildung

„Was wir beim TÜV geboten bekommen, an Weiterbildungsmöglichkeiten in Kombination mit den Möglichkeiten, mit denen ich gefördert werde, die sind enorm“, sagt Aron Prisson, Deutschfranzose, Azubi im zweiten Lehrjahr. „Ich glaube, das kriegt man sonst kaum geboten.“ Die Azubis der Deutschen Bahn aus dem Saarland und aus Rheinland-Pfalz werden in Völklingen-Fenne ausgebildet, ebenso die der Steag.

Es sei anders als im Betrieb, wo man das lernt, was vor Ort möglich ist, erklärt Janek Eisel, Steag-Azubi im ersten Lehrjahr. „Man bekommt zu Anfang die Möglichkeiten, sich in Metall und Elektro weiterzubilden. Und dann geht es von Außeninstallationen bis hin zu Industrieanlagen. Zwischendurch finden Fachlehrgänge statt.“

Ausprobieren statt Fernlehrgang

Der 25-jährige Aron ist von einer Fremdfirma weggegangen, um in Fenne die Ausbildung zu machen. „Im normalen Handwerk bekommt man Fernlehrgänge“, erzählt er. „Da wird unter viel Druck ein Thema durchgenommen. Platz für Fehler ist da nicht, weil man am Ende der Woche eine Note kriegt. Dann kann man da schon keine Fehler machen oder sich mal ausprobieren.“

In Fenne wird jeder individuell trainiert. Das gilt auch für die jungen Leute, die es ein bisschen schwieriger mit der Ausbildung haben. „Im Grunde ist es eine ganz normale Zerspanerausbildung, die von den Lerninhalten her ein bisschen reduziert ist“, sagt Leiter Hans Joachim Hoffmann. „Und ich muss mich ein bisschen intensiver um die jungen Männer kümmern, weil sie eben eine Lernschwäche haben.“

Corina Mörsdorf, Leiterin des Bildungszentrums Formation SaarLor, und Harry Laufer, Geschäftsführer von TÜV Bildung Nord Saar (Foto: Lisa Huth/SR)
Corina Mörsdorf, Leiterin des Bildungszentrums Formation SaarLor, und Harry Laufer, Geschäftsführer von TÜV Bildung Nord Saar

Arbeit mit CAD-Systemen

In der großen Halle stehen ganze Tischreihen voller Schraubstöcke, überall Material zum Bearbeiten, auch Computer. Computer-aided design (CAD), das ist Konstruktion mithilfe von Rechnern, wird zum Beispiel deutsch-französisch unterrichtet. Dazu gehöre, so der Lothringer Ausbilder Philippe Henrion, die ganze Standard-Bearbeitung vom Dreiachser bis hin zu Fünfachs-Richtungen, auch in CAD und CAD-CAM-Systemen (CAM: Computer-aided manufacturing, zu deutsch: rechnergestützte Fertigung).

Seit zehn Jahren gibt es jetzt auch die Formation SaarLor, ein grenzüberschreitendes Bildungsunternehmen. „Die Idee war ursprünglich, dass wir Deutsche, die in Frankreich wohnen, wieder für den deutschen Arbeitsmarkt qualifizieren wollten, bei den französischen Beratern gelandet ist“, so Leiterin Corina Mörsdorf. Mit den Angeboten der Pôle emploi, der franzöischen Arbeitsagentur, hätten diese Leute jedoch nicht viel anfangen können.  

Ausweitung auf andere Bereiche

Dann wurde es ausgeweitet auf alle, die einen deutsch-französischen Abschluss machen wollen. Facharbeiter werden im Saarland ja dringend gebraucht. Obwohl die deutsche Seite, auf saarländisch gesagt, ganz gerne „Krimmeln in den Käs“ macht und immer neue Anforderungen an den Doppelabschluss auf Azubi-Ebene stellt, wie Harry Laufer feststellt. Er ist Geschäftsführer bei TÜV Nord Bildung Saar. „Wir haben einen jungen Menschen, der auch mit einer Qualifizierung in die Ausbildung gegangen ist und der den Doppelabschluss als Elektroniker, den es formaljuristisch gar nicht gibt, innerhalb von 30 Monaten gemacht hat. Das fruchtet hervorragend, das merkt man im Konzern. Der Mensch ist qualifiziert und akzeptiert. Das ist der Weg, den wir alle gemeinsam gehen müssen, Kompromisse, Verständnis füreinander zu bringen, da wir die Gesetze in Berlin und Paris nicht von heute auf morgen ändern.“ Der junge Mann arbeitet bei Michelin in Homburg – ein weiterer Betrieb, der seine Azubis hierher schickt.

Noch ein Vorteil, den Fenne bietet, so Azubi Aron Prisson: „Wenn die Noten stimmen und die Prüfung passt, haben wir auch eine Übernahmegarantie.“

Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Mittag vom 27.07.2019 berichtet.

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