Reperaturarbeiten am Wasserrohrbruch in der Halbergstraße, Saarbrücken (Foto: Gerd Heger)

Wie marode ist das Trinkwassernetz?

Nadja Dominik / Onlinefassung: Axel Wagner   22.01.2020 | 11:23 Uhr

Die Saarbrücker Stadtwerke waren in jüngster Vergangenheit einiger Kritik ausgesetzt – nicht zuletzt wegen des Rohrbruchs am Kieselhumes Ende vergangenen Jahres, der bis heute starke Verkehrsbehinderungen nach sich zieht. Ein Ende ist zwar in Sicht, aber es bleibt die Frage, wie marode das Saarbrücker Trinkwassernetz ist.

Eine kaputte Leitung – und schon liegt der Verkehr in der halben Innenstadt lahm. So sah es nach dem Rohrbruch am Kieselhumes in Saarbrücken aus. Noch bis Mitte Februar sollen Baustelle und Umleitung bleiben, erst dann ist eine Normalisierung in Sicht.

Video [aktueller bericht, 21.01.2020, Länge: 2:49 Min.]
Der Zustand des Saarbrücker Trinkwassernetzes

Schäden „auf sehr niedrigem Niveau“

Wie marode ist das Trinkwassernetz?
Audio [SR 3, Nadja Dominik, 21.01.2020, Länge: 02:43 Min.]
Wie marode ist das Trinkwassernetz?

Kurz nach diesem Rohrbruch gab es noch einen weiteren in der Mainzer Straße, und schnell kam die Frage auf: Wie marode sind die Leitungen? Franz-Josef Johann, Vorstandsvorsitzender der Saarbrücker Stadtwerke, gibt Entwarnung. Es gebe weder außergewöhnliche Schäden, noch sei das Netzwerk alt und kaputt.

„Wir hatten in den letzten drei Jahren ein paar prominente Schäden, die in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wurden, weil die Verkehrssituation beeinträchtigt war“, so Johann. Insgesamt gebe es aber keine Häufung der Schäden, das zeige auch die Statistik. Die Stadtwerke lägen dort „auf sehr niedrigem Niveau“, eine hohe Versorgungssicherheit sei gewährleistet.

„Graugussleitungen“ werden getauscht

Zwar gibt es viele alte Leitungen, die zwischen 1946 und 1975 verlegt wurden, aber die funktionieren nach Einschätzung der Stadtwerke eigentlich noch sehr gut. „‚Alt‘ heißt nicht per se ‚schlecht‘“, formuliert es Johann. Teilweise seien jüngere Rohre aus anderen Materialien sogar anfälliger als ältere Rohre.

Eine Ausnahme stellen nach Ansicht des Stadtwerke-Chefs die sogenannten „Graugussleitungen“ dar, die von 1945 bis in die 60er Jahre verlegt wurden. Diese seien schadensanfälliger und würden schwerpunktmäßig ausgetauscht.

Älteste Leitung hält

Rekordhalter ist eine Leitung aus dem Jahr 1894 am Kieselhumes/Ecke Mainzer Straße, die bis heute hält – im Gegenteil zu der direkt um die Ecke verlegten Leitung, die aus dem Jahr 1956 stammt. Zu dem Kollaps führte eine Verkettung mehrerer Umstände, wie Stadtwerke-Mitarbeiter Sven Steuer erklärt.

„Die Ursachen waren Korrosionen gewesen, dann Spannungen, die im Erdreich waren, und schlussendlich gab es einen Herstellerfehler am Material, am Rohr. Das hat der TÜV Süd für uns in einem Gutachten festgestellt.“

Stadtwerke investieren Millionen

Verkehrsbelastung, Trockenheit, Hitze, Frost – all das wirkt sich auf die Rohre aus. Insgesamt 830 Kilometer Versorgungsleitungen bringen den Saarbrückern ihr Wasser – 11,8 Millionen Kubikmeter allein im letzten Jahr.

Dass das Wasser störungsfrei läuft, dafür sollen weitere Investitionen in diesem Jahr sorgen. Vor allem in der Innenstadt, in St. Arnual und St. Johann stehen größere Baumaßnahmen an, um die Leitungen zu sanieren. Insgesamt sind rund sieben Millionen Euro verplant.


Über dieses Thema hat auch die SR3 Region am Nachmittag vom 21.01.2020 berichtet.

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