Der amtierende Bischof von Trier Stephan Ackermann (Foto: picture alliance/dpa | Harald Tittel)

Ackermann lehnt Rücktritt vom Bischofsamt ab

  29.08.2022 | 15:58 Uhr

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann wird dem Papst nicht seinen Amtsverzicht anbieten. Rücktrittsforderungen nannte er im SR-Interview haltlos. Gefordert hatte das unter anderem der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU).

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat die Rücktrittsforderung des Saarbrücker Oberbürgermeisters Uwe Conradt (CDU) zurückgewiesen. "Ich sehe keinen Anlass dafür, meinen Rücktritt anzubieten", sagte Ackermann im SR-Interview. Über einen Rücktritt zu entscheiden habe letztlich ohnehin nicht er, sondern das katholische Kirchenoberhaupt, Papst Franziskus.

Video [aktueller bericht, 29.08.2022, Länge: 3:33 Min.]
Bischof Ackermann weißt Rücktrittsforderungen ab

Entsetzen über Zwischenbericht "verständlich"

Conradt hatte mit seiner Forderung auf die Veröffentlichung des Zwischenberichts der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (UAK) des Bistums Trier reagiert. Danach wurden zwischen den Jahren 1946 und 2021 insgesamt 513 Betroffene und 195 Täterinnen und Täter erfasst. Das Entsetzen insbesondere über die beiden exemplarischen, "wirklich gravierenden" Fälle aus den 1950er und 1960er Jahren könne er verstehen, so Ackermann.

Gleichwohl "nimmt die Kommission auch wahr, was wir in den vergangenen Jahren bereits an Gegenmaßnahmen ergriffen haben." Zudem nehme man die Kritik und Verbesserungsvorschläge der UAK sehr ernst und werde intensiv an deren Umsetzung arbeiten – vor allem was die stärkere Betroffenenorientierung angehe. Dass seine Rolle in der Missbrauchsaufklärung angezweifelt wird, hält Ackermann für nicht nachvollziehbar.

Ackermann: "Ich sehe nicht den Anlass, meinen Rücktritt anzubieten"
Audio [SR 3, Simin Sadeghi, 29.08.2022, Länge: 04:08 Min.]
Ackermann: "Ich sehe nicht den Anlass, meinen Rücktritt anzubieten"

"Klingt nach Unkenntnis"

"Es hat mich offen gestanden auch verwundert, dass der Oberbürgermeister den Eindruck suggeriert, als ob kirchliche Amtsträger nicht der staatlichen Gesetzgebung unterliegen würden", sagte Ackermann.

Conradt hatte gefordert, dass das Strafgesetzbuch auch für kirchliche Amtsträger vollumfänglich gelten solle. Dabei sei dies bereits sehr wohl der Fall, so Ackermann; das kirchliche Strafrecht sei dem weltlichen demnach nachgeordnet. "Insofern klingt das fast nach Unkenntnis, was da von Seiten des Oberbürgermeisters geäußert wird."

Zu Vorwürfen aus jüngerer Zeit sagte Ackermann, er habe nach den Leitlinien der Bischofskonferenz gehandelt. Die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass verurteilte Priester in der Krankenhausseelsorge zum Einsatz gekommen sind.

Über dieses Thema hat auch die Region am Nachmittag auf SR 3 Saarlandwelle am 29.08.2022 berichtet.

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