Zimmerschlüssel liegen in einem Hotel an der Rezeption auf dem Tresen.  (Foto: picture alliance/Swen Pförtner/dpa)

Saar-Tourismus zittert vor November-Lockdown

Daniel Dresen   01.11.2020 | 08:42 Uhr

Die Tourismuszentrale im Saarland bezeichnet den November-Lockdown als eine Katastrophe. Schon jetzt befindet sich die Branche nach Auskunft des Dehoga Saarland in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Den zweiten coronabedingten Lockdown für das Gastgewerbe tituliert die Geschäftsführerin der Tourismuszentrale im Saarland, Birgit Grauvogel, als Katastrophe. "Die Erfolgsgeschichte des Tourismus in den vergangenen Jahren, den wir gemeinsam mit den Gastronomie- und Hotelleriebetrieben entwickeln konnten, wird vernichtet", so Grauvogel. Existenzängste und eine große Unsicherheit herrschten in den Betrieben, auch weil es aktuell keine Perspektive für die Zeit nach dem November-Lockdown gebe.

Der Hauptgeschäftsführer des Dehoga Saarland, Frank Hohrath, sagte dem SR: Schon vor dem November-Lockdown und dem damit verbundenen Verbot touristischer Übernachtungen habe es in der Hotellerie massive Umsatzrückgänge gegeben. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr seien Geschäftsreisen im Sommer urlaubs- und coronabedingt bereits stark eingeschränkt worden. Die Tagungs- und Geschäftshotellerie würde Ausfälle im Schnitt um die 70 bis 80 Prozent verzeichnen. Eine Stornowelle habe auch das "bundesweite Chaos" um Beherbergungsverbote ausgelöst, so Frank Hohrath.

Urlaubshotels mit mehr Erfolg

Nur die Urlaubshotellerie, besonders in den ländlicheren Bereichen, sei ein bisschen besser durch den Sommer gekommen, weil die Weltlage viele Reisende zum Deutschland-Urlaub zwang, so der Dehoga. Diese Erfahrung hat auch die Tourismuszentrale gemacht. "Das Saarland hat von dem Boom im Deutschland-Tourismus im Sommer profitiert – das Geschäft lief wieder an und viele Häuser waren gut bis sehr gut gebucht. Die Gäste wollten vor allem in die Natur, davon haben die Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen auf dem Land profitiert", bestätigt Birgit Grauvogel.

Durststrecke bis mindestens April 2021

Doch jetzt steht die Tourismusbranche vor der Wintersaison. Der Dehoga Saarland erwartet eine coronabedingt lange Durststrecke bis mindestens April 2021. Für das Weihnachts- und Neujahrsgeschäft sieht der Branchenverband komplett schwarz: Bereits geplante Feiern würden aktuell en masse storniert.

Zudem würden im Frühjahr gestundete privatrechtliche Forderungen wie Miete oder Pacht, aber auch Verbindlichkeiten bei Lieferanten derzeit fällig. Auch öffentlich-rechtlich gestundete Forderungen wie Renten- und Krankenkassenbeiträge würden aktuell anfallen. "Kurz gesagt: Das Gastgewerbe ist in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg", resümiert Hohrath.

In der saarländischen Tourismusbranche arbeiten laut Dehoga rund 22.000 Beschäftigte.

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