Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident des Saarlandes, in seinem Büro. (Foto: picture alliance/Oliver Dietze/dpa)

Hans: „Atomstrom ist für mich keine Lösung“

  05.11.2019 | 16:34 Uhr

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) hat sich für eine atomstromfreie Stahlproduktion ausgesprochen. „Ich plädiere klar für eine nachhaltige Wasserstoffproduktion in unserer saarländischen Stahlindustrie“, sagte er auf Anfrage dem SR. „Atomstrom ist für mich keine Lösung.“

Diskussion um "grünen" Stahl
Französischer Atomstrom für die saarländische Industrie
Bis die Stahlwerke an der Saar mit "grünem Strom" arbeiten können, wird wohl weiter Atomkraft aus dem französischen Cattenom eingekauft werden müssen. Dies sei ohnehin schon länger gängige Praxis, wie SR-Wirtschaftsredakteurin Karin Mayer klarstellt.

Die Nachhaltigkeit bei einer Stahlerzeugung mit Atomstrom sei nicht gewährleistet – so die Argumentation von Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Und deswegen könne das nicht „unser Ziel“ sein. „Wir müssen es schaffen, eine zukunftsfähige Aufstellung der heimischen Stahlindustrie zu erreichen. Und zukunftsfähig wird es nur sein, wenn wir das mit Wasserstoff hinbekommen.“

Deshalb plädiert Hans dafür, den Anteil der erneuerbaren Energien stetig zu steigern. „Deshalb habe ich mich persönlich beim Klimapaket der Bundesregierung dafür stark gemacht, dass der PV-Deckel fällt.“ Photovoltaik-basierter Strom müsse in Deutschland nochmal stärker aufgebaut werden. Auch beim Repowering von Windkraft sei hierzulande noch Potenzial. „Wir müssen Offshore stärker ausbauen und hier die Netze auch ertüchtigen.“

Hans sieht Atomstrom nicht als Lösung
Audio [SR 3, Interview: Dorothee Scharner / Tobias Hans, 05.11.2019, Länge: 04:14 Min.]
Hans sieht Atomstrom nicht als Lösung

Der Vorstandschef der Stahl-Holding-Saar, Tim Hartmann, hatte gesagt, dass der Strombedarf der Stahlindustrie während der Umstellung auf Wasserstoff steigen werde. Dafür werde CO2-freier Strom und ein stabiles Stromnetz gebraucht. Beides sei im Saarland durch die Nähe zu einem Großkraftwerk an der Grenze gegeben. Das Atomkraftwerk Cattenom wörtlich zu nennen, vermied Hartmann dabei.

Das Saarland als Modellregion

Im Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Hans am Dienstag nochmal dafür geworben, dass das Saarland Modellregion wird, um eine CO2-neutrale wasserstoffbassierte Stahlproduktion voranzutreiben. "Wir sind im Saarland diejenigen, die vielleicht noch am ehesten sagen können, wieviel Wasserstoff künftig notwendig sein wird, um die Stahlindustrie komplett CO2-frei zu gestalten." Außerdem sei das Saarland vielleicht aufgrund der Kleinheit und der Komprimiertheit der Situation das Bundesland, das hier als Modell taugen könne.

Das Saarland sei Stahlland mit 20.000 Beschäftigten und mehr. "Wir sind den Menschen im Saarland schuldig, dass wir den anstehenden Strukturwandel so gestalten, dass wir auch Unterstützung einfordern vom Bund." Und das sei bei Bundeskanzlerin Merkel auf offene Ohren gestoßen.

Über dieses Thema haben auch die SR-Hörfunknachrichten vom 05.11.2019 berichtet.

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