Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) nimmt an einer Videokonferenz der Eurogruppe teil. (Foto: imago images / photothek)

Coronakrise als "Katalysator" für digitale Arbeit

Kristin Luckhardt   28.05.2020 | 08:30 Uhr

Viele technische Möglichkeiten für digitales Arbeiten werden erst jetzt in der Coronakrise richtig genutzt. Das Homeoffice boomt. In allen Branchen hat sich im Saarland die Digitalisierung beschleunigt.

Die Coronakrise hat auch im Saarland einen spürbaren Digitalisierungsschub ausgelöst - nicht nur bei den Dienstleistungen, sondern auch in der Industrie und im Handwerk. Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer (HWK) und Arbeitskammer sehen in fast allen Branchen einen deutlichen Trend zur Digitalisierung.

Bäckerei verkauft online

Die Handwerkskammer nennt als Beispiel die Bäckerei Ackermann in Bliesmengen-Bolchen. Sie habe ihren Online-Vertrieb um mehr als 100 Prozent ausgebaut. Einige Handwerksunternehmen hätten den 3D-Druck ausgebaut und fertigten auch Masken und Visiere zum Infektionsschutz. Andere Firmen träten mit ihren Kunden jetzt digital in Kontakt.

Neue Umstände in der Dorfbäckerei in Bliesmengen-Bolchen
Video [SR Fernsehen, (c) SR, 16.04.2020, Länge: 02:23 Min.]
Neue Umstände in der Dorfbäckerei in Bliesmengen-Bolchen
Die Bäckereien konnten auch in der Corona-Krise für konstante Öffnungszeiten sorgen. Dennoch hat sich auch hier einiges verändert. Die Dorfbäckerei Ackermann in Bliesmengen-Bolchen zeigt, wie sie mit Corona umgeht.

Die Kammern merken die beschleunigte Digitalisierung zum Beispiel auch an der Zahl der Beratungen. Stark nachgefragt sind jetzt zum Beispiel Workshops des Kompetenzzentrums Mittelstand 4.0. Nach Angaben des saarländischen Wirtschaftsministeriums haben sich dort die Teilnehmerzahlen seit Anfang März verdoppelt. In den Webinaren gehe es vor allem ums digitalisierte Arbeiten im Homeoffice.

Rasche Digitalisierung zeigt Defizite auf

Die HWK nannte gegenüber dem SR als Schwerpunktthemen der Beratungen Videokonferenzen, digitale Betriebsführung, Cloud-Computing und das Internet der Dinge im Vordergrund. Nach Angaben der IHK und des Wirtschaftsministeriums treten bei den Beratungen auch Defizite wie Schwächen beim schnellen Netz deutlich zu Tage.

Viele Arbeitnehmerfragen zu Datenschutz

Bei der Technologieberatungsstelle BEST der Arbeitskammer melden sich seit Ausbruch der Krise verstärkt Arbeitnehmervertreter mit Fragen unter anderem zum Datenschutz im Homeoffice und bei Videokonferenzen.

Die Kammer teilte dem SR mit, die Coronakrise habe einen "eher katalytischen Effekt" gehabt. Die Bereitschaft, sich der Digitalisierung zu stellen, sei gewachsen.

Arbeitskammer mahnt Regulierung an

Allerdings laufe die verstärkte oder neue Nutzung digitaler Technologien für Homeoffice "in vielen Fällen weitgehend unreguliert". Teilweise würden gesetzliche Bestimmungen nicht beachtet.

Nach einem "experimentellen Start" müsse nun eine Regulierung folgen. Aus kurzfristigen "Pandemie-Vereinbarungen" müssten tiefergehende Betriebsvereinbarungen auch für die Zeit nach der Coronakrise abgeschlossen werden.

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