Corona Testzentrum (Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Hygieneinspektoren fordern Ende für private Testzentren

Nadine Irmer / Onlinefassung: Hannah Lemmer   20.09.2022 | 13:00 Uhr

Im Fitnessstudio oder Reisebüro – während der Coronapandemie schossen Testzentren privater Anbieter wie Pilze aus dem Boden. Unter ihnen gab es auch solche, die mehr Tests abgerechnet haben als sie tatsächlich durchgeführt haben. Hygiene-Inspektoren wollen deshalb, dass Testzentren im Saarland in Zukunft wieder kommunal statt privat organisiert werden.

Während der Coronapandemie haben an jeder Ecke Testzentren eröffnet, oftmals solche privater Anbieter. Darunter gab es allerdings auch einige schwarze Schafe, die mehr Tests abgerechnet als durchgeführt haben. Im Saarland liefen laut Staatsanwaltschaft im vergangenen Monat Ermittlungsverfahren gegen vier Betreiber. Dem Bund entstand durch Abrechnungsbetrug nach Schätzung des LKA Berlin ein Defizit von 1,5 Milliarden Euro.

Deshalb fordern Hygieneinspektoren, dass ab sofort wieder alle Testzentren von den Kommunen organisiert werden. In private Hände gelegt wurden die Bürgertests in der Anfangszeit der Pandemie vor allem deshalb, um den Menschen überall schnell und pragmatisch Coronatests zur Verfügung zu stellen.

Mehr Quantität als Qualität in privaten Testzentren?

Zu Beginn der Pandemie seien die Behörden schlichtweg überfordert gewesen, sagt Henning Adam, Pressesprecher der Hygieneinspektoren Saar-Lor-Lux. In vielen Teststellen sei aber Quantität vor Qualität gegangen, sodass es Bürgerbeschwerden gegeben habe.

Wer ein Testzentrum eröffnen wollte, brauchte Adam zufolge damals keine medizinischen Grundkenntnisse, sondern lediglich eine Zwei-Tages-Schulung. Um die Testqualität zu gewährleisten, sollte aber nach Meinung von Adam nur qualifiziertes Personal aus den Gesundheitsberufen Tests durchführen.

Hygieneinspektoren fordern Ende für private Testzentren
Audio [SR 3, Nadine Irmer, 20.09.2022, Länge: 03:05 Min.]
Hygieneinspektoren fordern Ende für private Testzentren

Viele andere Vorteile bei kommunalen Testzentren

Zudem sei auch vieles andere besser gewesen, als die Bürgertest noch in kommunalen Händen waren, wie eine bessere Zusammenarbeit, Überschaubarkeit und kurze Wege. Aber auch finanziell hätte es sich seiner Ansicht nach für die Kommunen gelohnt, die Bürgertests in der eigenen Hand zu behalten.

Der Bund habe in den vergangenen zwei Jahren circa zwölf Millionen Euro in die Bürgertestungen und die Testinfrastruktur investiert. Wären diese Gelder an die Kommunen statt an private Testanbieter geflossen, wäre das eine "Win-Win-Situation" gewesen.

Ohne die privaten Anbieter hätte es auf dem Höhepunkt der Pandemie aber wohl nicht funktioniert. Man habe die Teststellen bei dem Ansturm während der Pandemie gebraucht und hätte die vielen Testungen nicht stemmen können, sagt der Landrat des Saarpfalz-Kreises, Dr. Theophil Gallo.

Derzeitige Testinfrastruktur "überholt"

Da nun Erfahrungen im Umgang mit der Pandemie gewonnen seien, müssten die Testzentren ab sofort wieder von den Kommunen organisiert werden. Adam sagte, man schätze die derzeitige Testinfrakstukutur im Saarland als "überholt" ein. "Man sollte wirklich nur noch dort Testzentren installieren, wo es wirklich nötig ist." Als Rechtsgrundlage müsste dafür die Corona-Testverordnung des Bundes angepasst werden.

Über dieses Thema hat auch die SR 3 Region am Mittag vom 20.09.2022 berichtet.

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